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Liebe Kolleg:innen, „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ lautet das diesjährige Fokusthema der Leipziger Buchmesse. Die Donau als Migrationsroute ist einer der vier zentralen Themenkomplexe des Fokusthemas. Dieser Aspekt prägt die Donau-Literatur auf vielfältige Weise, ob in Form von Flucht, Arbeitsmigration oder Rückkehr in die alte Heimat. Die Veranstaltungen auf der Donaubühne machen diese Vielschichtigkeit für das Publikum erlebbar. Mehr dazu lesen Sie in der folgenden Pressemeldung. Die PM zum Download finden Sie hier. Herzliche Grüße, Felix Wisotzki —
Leipziger Messe GmbH Abteilung: Kommunikation Messen Messe-Allee 1, 04356 Leipzig, Deutschland Tel: +49 341 678-6555 https://www.leipziger-messe.de https://www.leipziger-buchmesse.de– Pressemeldung – Leipzig, 24. Februar 2026 Fokusthema Donau: Wasserlinien – Lebens(t)räume „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ lautet das diesjährige Fokusthema der Leipziger Buchmesse. Die Donau als Migrationsroute ist einer der vier zentralen Themenkomplexe des Fokusthemas. Dieser Aspekt prägt die Donau-Literatur auf vielfältige Weise, ob in Form von Flucht, Arbeitsmigration oder Rückkehr in die alte Heimat. Die Veranstaltungen auf der Donaubühne machen diese Vielschichtigkeit für das Publikum erlebbar. Seit Jahrhunderten kamen und kommen über die Donau Menschen an, reisen entlang des Flusses oder über ihn hinweg. Sie folgen Hoffnungen auf ein besseres Leben und lassen ein anderes zurück. Der Fluss markiert dabei Übergänge: zwischen Vorher und Nachher, Alt und Neu, Arm und Reich. Während die Donau stetig in eine Richtung fließt, bewegen sich die Menschen mal mit, mal gegen die Strömung. Dieses Spannungsverhältnis prägt viele Erzählungen aus dem Donauraum: das Leben zwischen Herkunft und Ankunft, zwischen Erinnerung und Neubeginn, zwischen Bleiben und Rückkehr. Dimitré Dinev thematisiert diese Ambivalenz in seinem Buch „Zeit der Mutigen“ (Kein & Aber, 08.09.25). In seinem 1200-Seiten starken Roman geht es um die zentralen Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Die Donau steht dabei oft im Mittelpunkt. Auch die Donau selbst ist ein umkämpfter Raum. Über weite Strecken wurde sie reguliert, gestaut und technisch gebändigt, Landschaften wurden verändert, Dörfer und Inseln verschwanden. Erst wenn der Fluss über die Ufer tritt, wird seine eigene Kraft sichtbar. Der Naturfotograf Dr. Christoph Robiller zeigt in seinen Bildern die Schönheit des Donaudeltas und der Steppen der Dobrudscha. Eine der größten europäischen Schilflandschaften ist ein Kleinod für Vogelliebhaber – bedroht ist es durch Tourismus und EU-Agrarpolitik. Dan Ivan hat als Arzt in Meile 23, einer kleinen Ortschaft im Donaudelta, Fischer, Schmuggler und Trinker behandelt. In seinem gleichnamigen Debut „Meile 23“ (Dittrich, 31.03.26), erzählt er von einer faszinierenden Landschaft, die eine eigene Welt ist – ein Bermuda-Dreieck, in dem die rumänischen Kommunisten Unliebsame gleichsam verschwinden ließen. Das Delta wird hier zur Chiffre für das Ende der Welt. Die Literatur des Donauraums greift diese Ambivalenz auf: Sie erzählt von Eingriffen in Natur und Gesellschaft, von Verlusten und Widerständen. Oft widersetzt sie sich glatten Erzählungen, schwimmt gegen den Strom – thematisch, perspektivisch und erzählerisch. Gerade darin bestehen ihre besondere Spannung und Aktualität. So erzählt die Bulgarin Donka Dimova in ihrem Prosagedicht von den Lebensträumen und Hoffnungen der Migrant:innen, die in einem Mehrfamilienhaus an der Weser gestrandet sind. Dass sie aus der Poetry-Slam Szene kommt, merkt man dem Text an: Er pulsiert, eignet sich zum Rappen wie zum Laut-Lesen. „Schau an. Als wäre dies ein Puzzlehaus. Zerstückelt und zusammengeklebt. Vom vielen Kommen und Gehen, vom Kurz-Verweilen und Lang-Ausharren. Rastlosigkeit geschmiert an der Fassade – zerrissene Plakate, Anzeigen für Gesucht und Nicht-Gefunden blinkende Leuchttafel open-closed open-closed open- closed…“ Im Rhythmus des Einatmens und Ausatmens erzählt Ulrike Almut Sandig in ihrem Buch „Im Orkan“ (Schöffling, 18.02.26) von Wolnopol, einer fiktiven Küstenstadt in der Ukraine. Protagonist Maksym ist ein Drogendealer „mit Potential“. Der dystopische Text spielt vor futuristischer Kulisse, in der Holo-Wände, Augenscanner und Drogen in der Bindehaut zum Alltag gehören. Die Gulags der Sowjetunion und die Bedrohung durch den mächtigen Nachbarn sind nur Hintergrundrauschen. So erscheint der Donauraum erneut als politischer und literarischer Grenzraum, in dem Ängste, Hoffnungen und Widerstände aufeinandertreffen. Hier entscheidet sich, ob Grenzen verhärten oder durchlässig werden. Die Roma leben schon seit Jahrhunderten im Donauraum, in einer Zwischenwelt. Verfolgt, ausgegrenzt und gefeiert. Sie gehören dazu und doch nicht. Sie wandern und sind zur Sesshaftigkeit gezwungen. Madeline Potter („Die Roma“, Ullstein, 12.3.26) ist eine Kalderasch aus Rumänien, heute lehrt sie in Edinburgh Literatur. Sie erzählt von den Traumata, den Diskriminierungen, aber auch der Lebensfreude und den weltumspannenden Verbindungen der Roma. Sie macht die Tür auf in eine faszinierende Welt. Die „Menschen am Fluss“ (Volk, 08.05.26) beschreibt der Augsburger Comic-Autor Christian Schmiedbauer in seiner gleichnamigen Graphic Novel. Das Tagebuch seiner Flussreise von der Quelle der Donau bis zur Mündung ins Schwarze Meer fügt der Vielfalt der Literatur des Donauraums eine moderne Facette hinzu. Eine ergänzende Wanderausstellung in mehreren Donaustädten zählt bereits 50.000 Besucher:innen. Das Fokusthema „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ findet in Halle 4 auf einer eigenen Bühne und an allen Messetagen statt. Rund 24 Buchpräsentationen, Gespräche, Podiumsdiskussionen und weitere Formate widmen sich dort den vier Themenschwerpunkten: „Zwischen Brücke und Grenze“, „Kulturen, Konflikte, Kräfte – Identität im Wandel“, „Wasserlinien – Lebens(t)räume“ und „Zeit & Wandel – Strom der Geschichte“. Kurator ist der frühere ARD-Südosteuropa-Korrespondent Stephan Ozsváth. Das Programm wird von zahlreichen Partnern unterstützt, darunter das Auswärtige Amt, die Bundeszentrale für politische Bildung, das Goethe-Institut, TRADUKI, die Stadt Leipzig sowie Kulturinstitutionen des Donauraums. Weitere Informationen und den Link zum Fokusthema-Podcast „Donau-Flaschenpost“ sind auf der Website der Leipziger Buchmesse zu finden. Die Leipziger Buchmesse findet vom 19. bis 22. März 2026 statt. Tickets sind im Online-Ticketshop zum Frühbuchertarif erhältlich. Der reguläre Vorverkauf beginnt am 19. Februar 2026. Vom 18. bis 22. März 2026 gelten die regulären Messepreise. |




