Releasedatum: 10.09.2026
Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Rollenspiel, Soulslike
Entwickler: Cold Symmetry
Herausgeber: Playstack
Der italienische Entwickler Milestone macht mit Mattel gemeinsame Sache und bringt mit Hot Wheels Infinite Rush einen Arcade-Racer auf den Markt, der rasante Rennen rund um Spielzeugautos in einer offenen Spielwelt inszenieren möchte. Dabei ist Infinite Rush nicht das erste Hot Wheels-Spiel aus der Schmiede Milestone. Mit Hot Wheels Unleashed und Hot Wheels Unleashed 2: Turbocharged hat das Studio bereits vorgelegt, das sonst eher für realistische Umsetzungen wie die MotoGP– und Ride-Spiele bekannt ist. Da ich die beiden vorherigen Hot Wheels-Titel nicht erlebt habe, konnte ich Infinite Rush unvoreingenommen eine Chance geben und berichte euch nun, wie mir der Titel gefallen hat.
Vier Klassen, vier Spielstile
Infinite Rush präsentiert ein herrlich unrealistisch, stark Arcade-lastiges Fahrverhalten. Autos können hohe Geschwindigkeiten aufnehmen, Boost ausnutzen und sehr schnell wieder runterbremsen. Alternativ können waghalsige Drift-Manöver ausgeübt werden, bei denen die virtuellen Boliden in bis zu 90°-Schieflage bei wenig Geschwindigkeitsverlust durch Kurven brettern können. Das hat mich phasenweise an die Ridge Racer-Reihe erinnert, da hier ebenfalls hohe Geschwindigkeiten mit unrealistischen Rutschpartien gepaart werden. Fährt man über Rampen, schießt man in die Luft und kann die Ausrichtung des Wagens in der Luft beeinflussen. Auf den Strecken sorgen Effekte wie Turbofelder, Sprungfedern oder Boost-Blockierer dafür, dass die Rennen dynamisch bleiben und für Überraschungen gut sind. Ganz so starken Einfluss wie beispielsweise Items aus den Mario Kart-Spielen nehmen diese Streckeneffekte aber nicht.
Interessant gestalten sich die Unterschiede der Fahrzeuge. Es gibt über 150 Wagen, die jeweils eigene Statverteilungen bieten und von Lizenz-Modellen bis Hot Wheels-Eigenkreationen reichen. Die Autos sind in vier Kategorien unterteilt, die diverse Schwerpunkte setzen. Drifter-Vehikel erlangen bei erfolgreichen Drifts effizient Boost zurück. Titanen sind grundsätzlich weniger schnell. Dafür verfügen sie über eine rasante Boost-Regeneration, bremsen aber automatisch wieder ab, wenn man zu lange am Stück boostet. Raser sind pfeilschnell, aber weniger agile Modelle, die bei Höchstgeschwindigkeiten ihren Boost wiederherstellen. Die Flexi-Klasse ist in allen Belangen gut, meistert aber keine der Fahraspekte so richtig.
Arcade-Boliden nach kurzer Eingewöhnung gut im Griff
Grundsätzlich hat mir das Fahrverhalten viel Spaß gemacht. Sobald ich mich erstmal an die überspitzte, realitätsferne Fahrphysik gewöhnte, hatte ich die schnellen Boliden zumeist ganz gut im Griff. Auch die spürbaren Unterschiede zwischen den Fahrzeugklassen und individuellen Modelle haben mir gefallen. Dennoch gab es Momente, in denen sich die Autos etwas zu schwammig anfühlten. Toll finde ich hingegen, dass auch Spielende auf dem PC in den Genuss von haptischen Triggern kommen, sofern sie Sonys Dualsense Controller nutzen. Diese Umsetzung mit den Triggern, die sich beim Bedienen förmlich “wehren”, trägt gelungen zur Intensität der Rennen bei.
Hindernisse zum Überfahren
Auch wenn hier und da fatale Hindernisse wie Wände und große Strukturen platziert sind, die gemieden werden sollten, verzeiht die Spielwelt Fehler weitestgehend. Gegenverkehr taucht in den offenen Spielabschnitten zwar auf. Ein Crash sorgt aber nicht für einen Stillstand, sondern bremst uns nur um wenige km/h aus. Ebenso lassen sich alle kleineren Hindernisse wie Büsche, Bäume und Zäune ohne größere Konsequenzen überfahren. Darin äußert sich eine angenehme Einsteiger- und Kinderfreundlichkeit, sodass Rücksichtslosigkeit und weniger präzise Manöver bis zu einem gewissen Maße nicht bestraft werden. Bei jeder Aktion läuft passiv eine “Rush”-Leiste mit, die erfolgreiche Drift- und Boost-Verkettungen mit Münzen belohnt. Auch hier gibt es kein Abreißen des Multiplikators bei einem Crash, was an eine deutlich lockere Umsetzung des Skillpunkte-Systems aus der Forza Horizon-Reihe erinnert.
Entweder zu leicht oder zu hart
Der Aspekt der Einsteigerfreundlichkeit lässt mich aber auf einen Umstand zu sprechen kommen, der mir weniger gefallen hat. Bis zum Schwierigkeitsgrad “Schwer” stellen die Events für erfahrene Racing-Fans quasi kaum eine Herausforderung dar. Die Rennen sind merklich auf jüngere Spieler ausgelegt. Auf “Sehr schwer” fahren die CPU-Feinde hingegen fehlerfrei. Vor allem mit Drift-Wagen, die keinen Topspeed bieten, habe ich mich wahnsinnig schwer getan, mit den anderen Fahrern mitzuhalten. Diese Schwächen in der Balance der Schwierigkeit sorgten dafür, dass mir das Spiel zumeist entweder zu einfach oder zu schwer war.
Spaßige Erkundung und atmosphärische Inszenierung
Die für mich stärkste Komponente in Hot Wheels Infinite Rush sind die vier frei befahrbaren Inseln. Diese sind optisch wie auch in ihrem Layout und ihrer Beschaffenheit sehr abwechslungsreich gestaltet. Es gibt stark urbane Gebiete mit vielen Strecken auf Asphalt, ebenso auch Off-Road-Abschnitte. Selbst Kanäle lassen sich befahren. Spannend fand ich, dass die Inseln stark in die Vertikalität gehen. Berge können mit Serpentinen erklommen werden. Zudem gibt es die klassischen, in Orange gehaltenen Hot Wheels-Strecken aus virtuellem Kunststoff, die erhöht über den Städten platziert sind. Optisch macht das einen gehörigen Eindruck, wenn man in der Luft an einem spannenden Rennen teilnimmt und unter sich die belebten Straßen sieht.
Als meinen liebsten Schauplatz möchte ich die Insel „Drifty Temples“ hervorheben, die Japan nachempfunden ist. Mit dem Berg Fuji, zahlreichen Tempeln, traditionellen Laternen und Blütenbäumen wird ein gelungener Japan-Flair erzielt. Das hat dazu geführt, dass mir die Erkundung und Teilnahme an nebensächlichen Aktivitäten hier besonders großen Spaß gemacht hat. Abzüge in der B-Note gibt es allerdings für das Fehlen einer Schnellreise. Die vier Insel-Karten werden über eine Teleportoption bereist. Innerhalb einer Karte findet aber keine Schnellreise statt, sodass manche Wege wieder und wieder abgefahren werden.
Abwechslung durch unterschiedliche Rennarten
Auf den Inseln gibt es allerlei Events und Tätigkeiten zu finden. Während Aktivitäten in der freien Welt mit Münzen belohnen, gewähren lediglich bestimmte Rennevents Kronen. Diese sind notwendig, um das sogenannte “Rush Squad” herauszufordern. Auf jeder Insel warten vier dieser schnellen “Rusher”-Gegner darauf, zum Rennen herausgefordert zu werden.
Rennevents sind nicht von Beginn an frei wählbar, sondern schalten sich durch Abschluss verfügbarer Rennveranstaltungen weiter frei. Dadurch ergibt sich für den Fortschritt in der Kampagne eine anfangs erstaunlich lineare Progression. Im späteren Laufe wird allerdings eine größere Anzahl an wählbaren Veranstaltungen auf der Karte markiert, sodass Spielende sich frei entscheiden können, welches Event sie als nächstes angehen möchten. Hat man die ersten 5 oder 6 Strecken einer Insel erlebt, merkt man aber schnell, dass sich Strecken häufig wiederholen. Mit steigender Spielzeit fallen die immer gleichen Streckenabschnitte deutlich mehr ins Gewicht und lassen ein repetitives Spielgefühl aufkommen.
Mit unterschiedlichen Rennarten ist dennoch für ein wenig Abwechslung gesorgt. Die offiziellen Events bieten reguläre Rundfahrten auf abgesperrten Strecken, Wettläufe gegen die Zeit, Drift-Events, Zerstörungsaufgaben sowie Veranstaltungen, bei denen in bestimmten Zeitabständen die zwei letztplatzierten Fahrer ausscheiden. Nebenaktivitäten auf der Insel bieten weiterhin Geschwindigkeitszonen, in denen ein Mittelwert des gefahrenen Tempos gemessen wird, Lieferstunts, um möglichst schnell und unversehrt von A nach B zu fahren oder auch Touristenherausforderungen, in denen Fotos unter bestimmten Bedingungen geknipst werden sollen. Fans von Sammelobjekten kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn auf allen Inseln sind Hunderte virtuelle Zahnräder, Logo-Hologramme und Sticker verteilt.
In den offenen Abschnitten können zudem “Daredevil”-Fahrer angetroffen und herausgefordert werden, um mit einem Sieg deren Boliden freizuschalten. In der “Hot Wheels Collection” sind die verdienten Wagen visuell hübsch aufgemacht präsentiert. Das hatte zum Resultat, dass früh meine Sammelmotivation angeregt wurde.
Simple Anpassungsmechaniken und purer Sammelspaß
Mit Hunderten Rennevents und dutzenden Nebenaktivitäten ergibt sich ein gelungener Umfang. Die verdienten “Rush”-Münzen können auf den Inseln bei Händlern ausgegeben werden, um einerseits neue Hot Wheels-Modelle, andererseits neue Effekte und Geräusche zu kaufen. Neben dem visuellen Boosteffekt kann auch der Boostsound auf diese Weise angepasst werden. Mit einem rudimentären Editor lassen sich zudem Lackierungen, Sticker sowie die Reifen und Felgen anpassen. Hier ergibt sich die Möglichkeit, das erstellte Design online mit der Community zu teilen und angefertigte Designs herunterzuladen. Obwohl diese Anpassungsmechaniken eher seicht ausfallen, habe ich mich dennoch über die Möglichkeit gefreut, meine virtuellen Boliden zu personalisieren.
Ebenfalls kann an der Leistung geschraubt werden, aber auch hier kommt ein simples System zum Einsatz. Mit steigender Spielzeit werden bis zu vier Steckplätze für Leistungsmodule je Fahrzeug freigeschaltet. Mit jedem Modul erfolgt eine Aufwertung in einer der Kategorien “Geschwindigkeit”, “Beschleunigung”, “Handling” und “Boost” oder es werden passive Boni gewährt wie beispielsweise Vorzüge beim Ausnutzen von Windschatten. Die Anzahl der freischaltbaren Module ist überschaubar, führt aber dennoch zu strategischen Überlegungen, welche Kombinationen man in Abhängigkeit der Stärken und Schwächen eines Autos denn nun wählt.
Multiplayer-Modi und Streckeneditor erweitern den Umfang
Neben Rennveranstaltungen gegen die CPU können wir auch gegen echte Spieler antreten. Das geht einerseits in einem Split-Screen-Modus für bis zu vier Spielende. Da lokaler Multiplayer immer seltener wird, habe ich mich besonders über diese Option gefreut! Andererseits hat Hot Wheels Infinite Rush einen Online-Modus für bis zu 12 Spieler in petto, bei dem sich gemächliche Rush-Events, aber auch fordernde Ranglistenrennen erleben lassen. Meine ersten Versuche waren leider von gelegentlichen Verbindungsabbrüchen geplagt. Doch wenn ein Rennen endlich problemfrei stattfinden konnte, stellte es eine besonders chaotische, aber sehr unterhaltsame Erfahrung dar.
Mit einem Streckeneditor wird zusätzlich für Abwechslung gesorgt, wenn ihr euch an den vorgefertigten Strecken sattgesehen habt. Wie auch bei den Lackierungen können erstellte Strecken mit der Community geteilt und solo sowie im Online-Modus gemeinsam befahren werden. Schon so kurz nach Release des Spiels habe ich einige sehr kreativen Werke entdeckt. Ein Voting-System hilft, die gemäß der Community spaßigsten Strecken zu identifizieren. Wer alle Renn- und Nebenaktivitäten inklusive Sammelaufgaben abschließen möchte und sich anschließend noch im Track Builder sowie im Multiplayer austobt, blickt einer wirklich üppigen Spielzeit entgegen. Da sich bei mir aber auch schnell ein repetitives Spielgefühl einstellte, empfehle ich nicht unbedingt, Infinite Rush am Stück durch zu grinden. Der Titel eignet sich gut für kurze Rennen für Zwischendurch.
Farbenfrohe Optik und satte Motorensounds
Grafisch ist Hot Wheels Infinite Rush wirklich gelungen. Ich spiele auf dem PC in 4K und bei maximalen Einstellungen. Auch wenn manche Texturen nicht ganz so knackig scharf aussehen, ergibt sich insgesamt dennoch ein stimmiges und zeitgemäßes Bild. Die Autos sowie die Umgebung sehen herrlich plastisch aus und vermitteln toll den Eindruck, dass man hier zum Leben erweckte Spielzeugautos in einem großen, weitgehend zerstörbaren Sandkasten unterwegs ist. Boosteffekte sind ansehnlich umgesetzt, Reflexionen wirken beeindruckend und auch die knallbunten Farben passen wunderbar zum Geschehen. Als PC-Spieler freute ich mich zudem über die native Unterstützung von Ultrawide-Auflösungen.
In puncto Sound hat das Rennspiel satte Motorensounds und eine gelungene Stereo- sowie Surround-Sound-Umsetzung zu bieten. Anders als manch andere Titel im Genre hat Infinite Rush keinen Soundtrack voller lizenzierter, bekannter Lieder. Es ertönen meines Wissens nach extra für das Spiel komponierte Songs, die an die Inseln und ihre Eigenheiten angepasst sind und sich auch je nach Rennevent in der Intensität unterscheiden. Im Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Rusher sind entsprechend besonders energische Klänge zu hören, die die Atmosphäre gut unterstreichen.

























