Releasedatum: 18.11.2025
Medientyp: Download
Genre: VR, Action, Shooter
Entwickler: Twisted Pixel Games
Herausgeber: Oculus Studios
Mit Marvel’s Deadpool VR wagt sich der berüchtigte Söldner mit der großen Klappe erstmals in die virtuelle Realität. Das VR-Abenteuer stammt von Entwicklerstudio Twisted Pixel Games, das zwischenzeitlich leider von Meta geschlossen wurde. Mutmaßlich liegt das aber nicht an der Qualität des Spiels. Deadpool VR verspricht eine Mischung aus wahnwitzigem Humor und schneller, überdrehter Action direkt aus einem Comic. Ich habe mir die Meta Quest 3 VR-Brille geschnappt, mich von Mojo in eine absurde Reality-Show entführen lassen und geprüft, ob sich Deadpools Ausflug in die VR-Welt lohnt.
Absurde Multiversum-Show: Deadpool im Dienste von Mojo
Marvel’s Deadpool VR wirft den beliebten Anti-Helden in eine absurde Situation. Der exzentrische TV-Mogul Mojo zwingt Deadpool dazu, für seine brutale Reality-Show ikonische Schurken aus dem Marvel-Universum zu entführen und anschließend selbst an der blutigen Unterhaltungsshow teilzunehmen. Die Handlung dient in erster Linie als Vorwand, um Wade Wilson quer durch verschiedene Dimensionen zu schicken und ihn gegen Comic-Größen wie Mephisto oder Ultimo antreten zu lassen. Die Handlung bleibt recht oberflächlich und vermisst etwas Tiefgang. Dennoch stellt das Erlebnis einen spaßigen Ausflug mit Deadpool dar, der die Absurdität seiner Situation mit gewohnt bissigen Kommentaren begleitet. Und seien wir einmal ehrlich: mehr braucht es in einem Spiel rund um Deadpool doch gar nicht, um Spaß zu haben.
Rasantes VR-Gemetzel mit Akrobatik-Einlagen
Spielerisch setzt Deadpool VR auf eine Mischung aus wuchtigen Nahkampfattacken und akrobatischem First-Person-Shooting. Der Fokus liegt klar auf einem arcadigen Spielgefühl, das weniger auf taktische Finesse als auf absurde, hektische Action setzt. In den meisten Levels bewegen wir uns frei in den Umgebungen, meistern hier und da Kletter- oder Sprungpassagen und treffen immer wieder auf zahlreiche Feinde. Das Storygerüst rund um die Reise durch das Marvel-Multiversum wird clever ausgenutzt, sodass jede Welt neue Gegnertypen mitbringt und für ein abwechslungsreiches Geschehen gesorgt ist. Zwischendurch lockern kleinere Minispiele das Geschehen auf, die mechanisch zwar simpel ausfallen, aber angenehme Abwechslung erwirken.
Intuitive Waffenhandhabung mit kleinen Schwächen
Deadpool steht ein beachtliches Waffenarsenal zur Verfügung: Katanas, mehrere Schusswaffen, Granaten und eine Greifpistole gehören zum Arsenal. All diese Werkzeuge werden über intuitive Körperbewegungen ausgerüstet und bedient. Die Schwerter sind hinter den Schultern verstaut, die Pistolen und Granaten an der Hüfte. Das Greifen nach den richtigen Werkzeugen funktioniert in den meisten Fällen sehr gut. Nur der Greifhaken sitzt etwas ungünstig am Rücken und ist nicht immer einwandfrei vom virtuellen Hüftgürtel mit anderen Tools zu unterscheiden. Daher erfordert es gelegentlich mehrere Versuche, bis man zuverlässig den Greifhaken erwischt. Gerade wenn man dieses Gadget in den hektischen Kämpfen einsetzen möchte, ist ein Fehlgriff ärgerlich. Dafür punktet das Spiel mit einer überraschend großen Auswahl an Waffenvarianten: von Schrotflinten über Maschinenpistolen bis hin zu einer Gatling Gun ist alles dabei. Zusätzlich lassen sich Waffen von besiegten Gegnern aufheben, was das Arsenal erweitert.
Kreative Kills mit Belohnung
Wer Gegner besonders einfallsreich erledigt, sammelt Punkte für Mojos Publikum und steigert die Bewertung im Level. Gleichzeitig füllt man damit die „Big-Money-Time“-Leiste, die kurzzeitig verheerende Spezialangriffe rund um Superwaffen wie Thors Hammer und Gambits explodierende Spielkarten ermöglicht. Die Big-Money-Time-Manöver sorgen dafür, dass das ohnehin schon chaotische Kampfgeschehen noch mehr spektakuläre Momente zu bieten hat.
Upgrades, Outfits und Waffenvarianten sorgen für Wiederspielwert
Marvel’s Deadpool VR ist randvoll mit freischaltbaren Upgrades und kosmetischen Extras. Neue Varianten der Katanas und Pistolen verändern nicht nur das Aussehen, sondern auch das Verhalten der Waffen. So gibt es Pistolen mit Laserzielhilfen, Maschinenpistolen mit besonders hoher Feuerrate oder Katanas, die gegnerische Projektile reflektieren können. Zusätzlich lassen sich zahlreiche Deadpool und gar Lady Deadpool-Varianten freischalten, die nicht nur optisch Abwechslung bieten, sondern auch Geheimnisse in den Levels zugänglich machen. Somit ist für einen angenehmen Wiederspielwert gesorgt. Für einen Storydurchgang sollten Spielende eine Zeit von rund 10 Stunden einplanen. Wer alle Sammelobjekte finden und die optionalen Inhalte erleben möchte, kann noch mehr Zeit im virtuellen Marvel-Universum verbringen.
Humorvolle Dialoge, aber zu viele Pausen im Spielfluss
So sehr Deadpools Sprüche auch sitzen: Die zahlreichen und oft langgezogenen Dialogsequenzen bremsen den Spielfluss spürbar aus. Mehrfach musste ich minutenlang herumstehen, während Deadpool und Mojo sich Wortgefechte liefern. Die sind zwar unterhaltsam, aber eben auch störend, wenn man eigentlich wieder ins Gemetzel eintauchen möchte. Besonders ärgerlich finde ich, dass sich diese Sequenzen beim erneuten Spielen nicht überspringen lassen. Wer ein Level mehrfach spielt, muss die erzählerischen Szenen, die den Spielfluss bremsen, jedes Mal über sich ergehen lassen.
Starke Sprecherleistung in der englischen Fassung
Neil Patrick Harris liefert als Deadpool in der englischen Sprachausgabe eine hervorragende Performance ab. Seine Pointen sitzen, die Energie stimmt und so musste ich am laufenden Band über seine Kommentare schmunzeln, gelegentlich auch laut auflachen. Die schauspielerische Leistung ist stark an Ryan Reynolds Interpretation des Charakters angelehnt. Mich persönlich hat die Imitation nicht gestört, eine völlig neue Auslegung des Charakters darf man hier nicht erwarten.
Die restlichen Sprecher konnten mich ebenfalls überzeugen. Weniger gefallen hat mir im direkten Vergleich die deutsche Sprachausgabe. Die Übersetzung ist wohl gewählt, um die vielen Wortwitze und derben Ausdrücke sinnvoll ins Deutsche zu bringen. Die Sprecher geben sich Mühe, die irrwitzigen Dialoge passend herüberzubringen. Im Vergleich mit der englischen Synchronisation wirkt die deutsche Fassung auf mich jedoch etwas verkrampfter und nicht ganz so natürlich.
Flexible Komfortoptionen, dennoch nichts für schwache Mägen
Für VR-Spieler mit empfindlichem Magen bietet das Spiel einige Komforteinstellungen. Die Drehung kann in stufenweisen Schritten („Snap Turning“) erfolgen, was leichter bekömmlich ist als eine durchgängige Drehung. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, eine Vignette am Bildschirmrand zu aktivieren, zudem können visuelle Wackel-Effekte ausgeschaltet werden. Diese Optionen ermöglichen es, die Intensität des VR-Komforts ein Stück weit zu beeinflussen. Trotzdem bleibt es dabei, dass Marvel’s Deadpool VR mit seiner unglaublich schnellen und hektischen Action eher auf fortgeschrittene VR-Nutzer ausgelegt ist. Als Einstiegstitel für VR-Neulinge eignet sich Deadpool VR auch mit eingeschalteten Komforthilfen eher weniger.
Comicwelt zum Anfassen
Optisch überzeugt Deadpool VR mit einem Look, der wirkt, als wäre ein Comic zum Leben erwacht. Mit einem Cel-Shading-Effekt, knalligen Farben und vielen kleinen Details wird jede Umgebung ansehnlich dargestellt. Und natürlich spart das Spiel nicht mit Blut: Abgetrennte Gliedmaßen an der eigenen Spielfigur, die sich in der Ego-Perspektive langsam regenerieren, gehören ebenso dazu wie spritzende Gore-Effekte. Der Grafikstil ist toll umgesetzt und hat mich zu keiner Sekunde mit dem Gefühl zurückgelassen, dass ich den Titel lieber auf einem leistungsstarken PC spielen würde. Deadpool VR ist ein erstklassiges Beispiel dafür, welche eindrucksvolle Grafik die Meta Quest 3 mit ihrer verbauten Hardware leisten kann, wenn der Grafikstil stimmt.















