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Releasedatum: 19.03.2026

Medientyp: Blu-ray, Download
Genre: Open World, Action-Adventure
Entwickler: Pearl Abyss
Herausgeber: Pearl Abyss

Steam Playstation Store Xbox Store

Mit Crimson Desert bringt Pearl Abyss, Entwickler des beliebten MMOs Black Desert Online, ein ambitioniertes Singleplayer-Action-Adventure auf den Markt. Mit einer großen Spielwelt, tollen Grafik und wuchtig anmutenden Kämpfen haben die Trailer über Jahre hinweg Lust auf mehr gemacht. Nachdem ich den Titel im vergangenen Jahr auf der Gamescom anspielen durfte, war ich erst recht angefixt. Nun ist der Titel erhältlich und ich habe bisher über 70 Stunden in Pywel verbracht. Was ich in meiner Zeit mit Crimson Desert erlebt habe, erfahrt ihr in meinem Test.

Mein Review basiert auf der PC-Version mit Patch 1.01.00.

Ein holpriger Einstieg in Kliffs Abenteuer

Crimson Desert erzählt die Geschichte von Kliff, dem Anführer der Graumähnen. Dabei handelt es sich um eine friedenswahrende Söldnertruppe, die im Königreich Pailune auf dem Kontinent Pywel für Sicherheit sorgt. Nachdem die Gruppe in einen Hinterhalt gerät, wird sie jedoch auseinandergerissen und Kliff stirbt. Oder doch nicht? Der Protagonist wacht im „Abyss“ im Himmel weit über dem Festland auf. Warum genau er ins Leben zurückgeholt wurde und welcher Bedrohung er nun ausgesetzt ist, muss Kliff im Zuge eines epischen Abenteuers herausfinden.

Was nach einer klassischen Fantasy‑Prämisse klingt, beginnt im Spiel extrem chaotisch. Nachdem Kliff im Abyss seine neuen Kräfte erhält und in die Welt von Pywel zurückkehrt, findet er sich in der Region Hernand wieder. Dort scheint zunächst alles ohne ersichtlichen Zusammenhang auf ihn einzustürzen. Kliff weiß plötzlich, dass er in eine Taverne muss, nimmt dort an einem Armdrücken-Wettbewerb teil, gibt anschließend einem Bettler eine Münze, der uns wiederum einen Schlüssel überreicht. Und natürlich weiß Kliff auf Anhieb, wo er diesen Schlüssel einzusetzen hat. Mehrfach hatte ich das Gefühl, wichtige Informationen zum Kontext verpasst zu haben. Dieser Kontext wird Spielenden aber schlicht nicht verraten. Die Abfolge lose verknüpfter Aufgaben sorgt für einen äußerst holprigen Start in Kliffs Reise.

Hauptstory gewinnt an Fahrt, Fraktionsquests können ebenfalls überzeugen

Mit fortschreitender Spielzeit bessert sich die Art und Weise, wie die Erzählung präsentiert wird. Spätestens ab Kapitel 3 ist Kliff deutlich stärker in die eigentliche Handlung eingebunden und interagiert häufiger mit NPCs. Kliff gewinnt hier zwar etwas an Persönlichkeit, bleibt insgesamt aber ein eher blasser Protagonist, der Ereignisse weitestgehend passiv hinnimmt, statt eigene Impulse zu setzen. Das wirft die Frage auf, warum Pearl Abyss überhaupt auf eine vordefinierte Hauptfigur setzt. Schließlich hat das Studio mit Black Desert Online längst bewiesen, dass es einen hervorragenden Charaktereditor in petto hat. So bleibt die Story von Crimson Desert eher ein funktionaler Rahmen, der erklärt, warum Kliff quer durch Pywel reist, aber selten echte erzählerische Höhepunkte liefert. Immerhin sorgen zwei weitere spielbare Figuren später für etwas frischen Wind. Doch an die erzählerische Qualität eines The Witcher 3 reicht das Abenteuer zu keinem Zeitpunkt heran.

Dafür wissen viele der Nebenhandlungen zu überzeugen. Die optionalen Quests verschiedener Fraktionen, die man durch Gespräche, Erkundung oder dynamische Ereignisse entdeckt, bieten oft interessante kleine Geschichten. Hier möchte ich insbesondere die Questreihe der Graumähnen hervorheben, die Kliff und seinem Stamm nach und nach immer mehr Leben einhaucht. Wie viele oder wie wenige Stunden man in die Fraktionsquests investiert, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. 

Eine gigantische Welt voller Freiheiten

Für mich ist die Geschichte um Kliff nicht der Grund, Crimson Desert zu spielen. Stattdessen ist es für mich die schiere Freude an der Erkundung des gigantischen Sandkastens. Pywel stellt eine beeindruckende Spielwelt dar, die mit Weite, Vertikalität und Abwechslung punkten kann. Im Minutentakt stößt man auf neue Orte, neue Landschaften, fein herausgearbeitete Details. Das Karten- und Terraindesign wirkt durchdacht und zeigt sich mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die schon von Weitem zum Abstecher einladen. Pywel bietet einige der schönsten Landschaften, die ich je in einem Videospiel erlebt habe. Schon allein durch die Tatsache, dass man von Beginn an nahezu überall hin kann (lediglich begrenzt durch Ausdauer beim Klettern), entsteht früh im Spielverlauf ein enormes Freiheitsgefühl. Immer, wenn ich mit einem konkreten Ziel aufbreche, werde ich keine 5 Minuten später abgelenkt und merke erst 3 Stunden später am anderen Ende der Karte, dass ich mal wieder von meinem ursprünglichen Plan abgekommen bin.

Wie belohnend die Erkundung letztlich ist, hängt allerdings stark davon ab, was man sich davon verspricht. Wer auf wertvolle Beute in jeder Ecke der Spielwelt hofft, wird enttäuscht. Viele Orte, die optisch nach legendärem Loot schreien, beispielsweise die Spitze eines schon von Hernand sichtbaren und gut bewachten Turms, entpuppen sich als Sackgassen ohne nennenswerte Beute. Andererseits findet man am Wegesrand plötzlich ein unscheinbares Grab, das eine tolle Waffe bereithält. Die wirklich seltenen Ausrüstungsstücke sind so gut versteckt, dass ich die funkelnden Truhen anfangs kaum entdecken konnte. Dadurch wirkt die Erkundung phasenweise etwas willkürlich und nicht immer befriedigend. Immerhin markieren im Laufe des Spiels einige Quests und Gegenstände besondere Orte auf der Karte, die gute Beute besser auffindbar machen. Doch gerade in den ersten Spielstunden fühlt sich das Umherwandern nicht immer zielführend an. Das ist nicht zuletzt der Fall, weil man auf Rätsel stößt, deren Mechaniken man noch gar nicht beherrscht.

Der Weg ist das Ziel

Für mich sind die visuellen Eindrücke und das Weltdesign die eigentliche Belohnung. Die Umgebung, kombiniert mit einem dynamischen Wetter und dem stimmungsvollen Tag‑und-Nacht‑Wechsel, sorgt für atemberaubende Momente. Ich spiele auf dem PC mit maximalen Einstellungen und Ray Reconstruction und stoße im Sekundentakt auf extrem sehenswerte Ansichten. Die meisten Texturen wirken gestochen scharf, die Lichteffekte sind beeindruckend realistisch und die Welt ist voller Tiere, die auf den Spieler reagieren. Vögel, wilde Pferde, Bären und Krokodile lassen sich finden. Und sogar Elefanten oder auch Flamingos haben es in das Spiel geschafft. Die Dichte und Vielfalt an Fauna lässt Pywel äußerst lebendig wirken. Auch nach 70 Stunden freue ich mich noch über Gänse, die aufgeschreckt davonfliegen, wenn ich mit meinem Pferd durch die Felder galoppiere.

Oft bleibe ich auf meiner Reise stehen, genieße die Aussicht und mache Screenshots. Trotz der Möglichkeit zu fliegen und zu gleiten, denn Kliff wird mit einem krähenartigen Federgewand ausgestattet, ertappe ich mich dabei, wie ich gemütlich ohne Eile durch die Landschaft reite oder gerne zu Fuß unterwegs bin. Man verbringt unzählige Stunden damit, jeden Winkel zu erkunden. Wer nicht immer von A nach B laufen möchte, kann aber immerhin auf Schnellreisepunkte zurückgreifen. Mit einem Patch wurden zudem bereits mehr dieser auffindbaren Punkte ergänzt und die Ladezeiten für die Schnellreise stark reduziert. Das ist eine sinnvolle Erweiterung, da Pywel so groß ist, dass man durchaus häufig auf die Teleportziele zurückgreift.

Mit neuen Fähigkeiten wird die Erkundung noch besser. Beispielsweise kann man sich mit bis zu drei Schlägen auf den Boden mit der “Kraftfaust” vor dem Gleiten in die Luft katapultieren. Ein Sturzflug erhöht zudem die Fluggeschwindigkeit mit Kliffs Gleitgewand. Anfangs reicht die Ausdauer kaum für ein paar Meter, doch mit entsprechenden Upgrades gleitet man deutlich länger über die Landschaften. Hier hat Pearl Abyss ebenfalls mit einem Patch schon nachjustiert und die verbrauchte Ausdauer im Gleitflug reduziert, sodass es nun richtig Spaß macht, von einer Klippe herunterzugleiten und den Ausblick zu genießen. Auch das Pferd wird durch Verbesserungen praktischer. Steigt das Reittier im Level auf, kann es unter anderem einen Drift oder Doppelsprung hinlegen.

All das bedeutet, dass es wenig sinnvoll ist, direkt nach dem Prolog auf große Entdeckungstour zu gehen. Zwar kann man theoretisch nach einer Stunde nahezu überall hin. So richtig Sinn macht das früh im Spiel mit leerem Skillbaum allerdings nicht. Denn je weiter wir von der Anfangsregion Hernand reisen, desto stärker werden die angetroffenen Gegner. Hinzu kommen die so früh im Spiel noch nicht lösbaren Rätsel. Weiterhin sind ohne entsprechenden Storyfortschritt manche Regionen nur wenig belebt, oder gar übermäßig feindselig gestimmt. Empfehlenswert ist es daher, zumindest bis Kapitel 5 der Hauptstory zu spielen, bevor man sich der Erkundung richtig widmet. Oder ihr wartet, bis ihr die besonderen Fortbewegungsmittel wie beispielsweise das Jet Pack freischaltet.

Dutzende Aufgaben und ein Überfluss an Systemen

Doch was macht man denn eigentlich in Crimson Desert? Handelt es sich um einen Titel im Walking Simulator-Genre? Davon ist das Spiel weit entfernt. Auf Kliffs Reisen treffen Spielende nicht nur auf patrouillierende Gegner entlang der Hauptwege. Überall in Pywel sind Lager, Festungen und Burgen zu finden, die von Feinden überrannt sind. Somit wird das Kampfsystem zur wichtigen Komponente, mit der wir uns immer wieder in spaßigen Kämpfen behaupten müssen. Dazu kommt die Suche nach Schreinen, die nach dem Finden als Schnellreisepunkte dienen, und das Lösen von komplexen Rätseln in mysteriösen Ruinen in Pywel. Weiterhin wird Kliff mehrmals zum Abyss im Himmel über dem Kontinent geschickt, wo er ebenfalls Rätseleinlagen und Plattforming-Segmente absolvieren muss.

Es gibt freundliche Siedlungen voller NPCs, Händler und schwarzer Bretter zu entdecken. Neben der Hauptstory warten der Abschluss von Fraktionsquests, das Erlangen von Kopfgeldern für gesuchte Verbrecher und das Absolvieren von Herausforderungen auf die Spielenden. Mit Hilfe dieser Herausforderungen lassen sich neue Skillpunkte, hier “Abyss-Artefakte”, freischalten. So müssen Aufgaben abgeschlossen werden, etwa indem man eine bestimmte Anzahl Gegner mit dem Schild besiegt oder eine lange Strecke einen Hang herunter rutscht. Diese Herausforderungen fallen mal mehr, mal weniger spaßig aus, tragen aber grundsätzlich gut zur Abwechslung bei.

Zusammengewürfeltes „Best of“ des Open World-Genres

Weitere Beispiele zu Tätigkeiten gefällig, die man in Crimson Desert ausübt? Das Spiel ist vollgestopft mit Aktivitäten, die man von einem Spiel dieser Größenordnung erwartet. In Städten warten Minispiele wie Armdrücken, Bogenschießen oder Kartenspiele. Man kann Glockentürme erklimmen, um Teile der Karte aufzudecken. Es gibt Schmiede, bei denen man Waffen, Rüstungen und Accessoires verbessert oder herstellt, Viehhändler und Ställe zum Registrieren neuer Pferde sowie zum Anlegen von Ausrüstung für das Reittier. Bei Schwarzmarkthändlern können seltene Handelswaren verkauft werden. Sogar ein Investitionssystem ist vorhanden, bei dem man Silber und Gold setzen und entweder hohe Gewinne oder schmerzhafte Verluste einfährt.

Ein Haustiersystem erlaubt es, die Zuneigung von Hunden und Katzen zu steigern, bis sie Kliff auf seinem Abenteuer folgen und automatisch Loot aufsammeln. Legendäre Tiere lassen sich in ganz Pywel jagen, teilweise sogar anschließend als Reittier nutzen. Ebenso warten legendäre Waffen darauf, gefunden oder hergestellt zu werden. Ein einfaches, aber effektives Crafting-System ermöglicht das Kochen nach Rezept und den Umgang mit Alchemie. Kleidung lässt sich umfärben, ein Friseur kann besucht werden. Sobald Kliff eine Maske erhält, kann er Diebstahl begehen. Wird er dabei erwischt, greift ein Fahndungssystem mit der Option, sich in der Kirche mit Ablassbriefen freizukaufen. Pearl Abyss hat sich viele tolle Aspekte überlegt, die erstaunlicherweise gut ineinandergreifen.

Gewaltiger Umfang mit großen Freiheiten, manchmal aber unzureichend erklärt

Und selbst das ist noch nicht alles: Ab Kapitel 3 erhält Kliff ein eigenes Stück Land, auf dem er ein Camp errichten kann. Das Camp besitzt eine eigene Ökonomie, erlaubt den Anbau von Pflanzen und den Aufbau einer Armee, die sich auf Missionen schicken lässt. Zudem hat Kliff ein eigenes Haus, das er mit schicken Fundstücken aus seinen Erkundungstouren dekoriert. Ich habe längst nicht alles gesehen, was Crimson Desert zu bieten hat, aber ich würde schätzen, dass man mindestens 150 Stunden benötigt, um zumindest den Großteil der Inhalte einmal gesehen zu haben. Wer wirklich alles abschließen möchte, wird mindestens doppelt so lang oder vielleicht sogar noch länger brauchen. Bei einer Welt dieser Größe können Spielende frei über die anzugehenden Tätigkeiten entscheiden. Ich habe zum Beispiel das Angel-Minispiel weitgehend ignoriert, ohne dass es mein Spielerlebnis beeinträchtigt hätte. 

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Möglichkeiten, die man in der Rolle von Kliff hat, besser erklärt werden. Bei einigen Aktivitäten musste ich Leitfaden aus dem Internet heranziehen, um die Mechaniken so richtig zu verstehen. Immerhin wird auf diese Weise auch die Experimentierfreudigkeit belohnt. Bäume mit einer Axt abholzen ist euch zu langweilig? Warum nicht mal mit der Kraftfaust probieren – klappt tatsächlich auch! Mit dem Lichtschein des eigenen Schwertes können Bäume gar entzündet werden, bevor sie herunterbrennen und die wertvolle Ressource zum Einsammeln zurücklassen. Ganz oft bietet Crimson Desert weitaus mehr als eine Option, um eine Situation zu lösen. Während diese Freiheit mir persönlich sehr gefallen hat, wird es andere womöglich stören, dass uns das Spiel nicht immer an die Hand nimmt.

Kampfsystem mit vielen Möglichkeiten

Ein wesentlicher Bestandteil von Crimson Desert ist das Kämpfen. Man verbringt unzählige Stunden damit, patrouillierende Wachen auszuschalten, Festungen von Feinden zu befreien oder sich mit imposanten Bossen anzulegen. Glücklicherweise macht das Kampfsystem viel Spaß und es erlaubt, einen persönlichen Kampfstil zu entwickeln. Die Mechaniken fallen dabei so tiefgehend aus, wie man sie selbst ausreizen möchte. Wer will, kann das gesamte Spiel mit wenigen Standard-Schwertangriffen bestreiten. Wer sich hingegen in die Systeme vertieft, kombiniert komplexe Wrestling-Manöver, jongliert Gegner mit den Fokus-Kräften in der Luft und entfesselt spektakuläre Kombos mit den Waffen, die manche Spieler vermutlich erst durch beeindruckende Kampfmontagen in Youtube-Videos zu Gesicht bekommen.

Ein umfangreicher Skillbaum erweitert Kliffs Repertoire an Manövern stetig. Besonders charmant ist, dass man manche Fähigkeiten nicht nur über Skillpunkte lernt, sondern indem man sie sich bei Gegnern abschaut. Dazu kommen verschiedene Waffenklassen wie einhändige und zweihändige Äxte, Speere, Schwerter sowie Bögen und Schusswaffen. Die Ausrüstung wird mit eingesetzten Abyss-Kernen erweitert, die entweder Werte verbessern oder einzigartige Fähigkeiten freischalten. Später lassen sich zusätzliche Ausrüstungsplätze freimachen, Kerne zwischen Ausrüstung austauschen oder sogar eigene Spezialkerne per Synthese herstellen, die das Kampfgeschehen völlig auf den Kopf stellen. Mit der langen Spielzeit und der Vielzahl an Kämpfen ist dieser Tiefgang in den Kämpfen enorm wichtig, womit Crimson Desert absolut überzeugen kann. Sobald mir Kliffs Kampfstil zu eintönig wurde, wechselte ich einfach die Waffe, schaltete neue Manöver frei oder experimentierte mit den vier Elementarkräften, die im weiteren Verlauf verfügbar werden und Angriffe mit spektakulären Effekten verstärken.

Hinzu kommt, dass Kliff nicht der einzige spielbare Charakter bleibt. Im Laufe der Geschichte schließen sich Damiane und Oongka an, zwischen denen man jederzeit im Stile der Protagonisten von GTA V wechseln kann. Die beiden können zudem als KI‑Begleiter herbeigerufen werden. Die spielbaren Figuren verändern das Kampfsystem nicht grundlegend, bringen aber eigene Nuancen mit, wie etwa Damianes Pistole als Fernkampfwaffe anstelle von Kliffs Bogen. Auch exklusive Nebenquests sind an die beiden Figuren gebunden. Dennoch bleibt Kliff der zentrale Protagonist, denn bestimmte Hauptquests lassen sich ausschließlich mit ihm spielen. Insgesamt ist das Konzept um das Dreiergespann eine nette Ergänzung, wirkt aber nicht so tief integriert in den Spielablauf, wie es ganz nach dem Vorbild von Rockstar Games sein könnte. Hier entstand bei mir der Eindruck, als wäre das System erst spät in der Entwicklung hinzugefügt worden, weshalb es nun etwas halbgar ausfällt.

Mangelnde Gegnervielfalt und durchwachsene Bosskämpfe

Weniger überzeugend fällt die Gegnervielfalt aus. Angesichts der gigantischen Welt hätte ich mir deutlich mehr Abwechslung gewünscht. Zwar trifft man später auf unterschiedlichste Kreaturen, doch in den ersten 20 Stunden kämpft man überwiegend gegen sehr ähnlich aussehende menschliche Gegner, die hier und da durch ein paar Orks ersetzt werden. Einige Fraktionen stechen aber auch positiv heraus. Die Irrwald-Menschen haben beispielsweise die Eigenheit, dass sie mit ihren pflanzenbedeckten Körpern optisch quasi mit dem grünen Wald verschmelzen und sehr schwer zu sehen sind. Doch insgesamt hätte mehr Varianz im Gegnerdesign gerade im ersten Drittel des Spiels den Kämpfen gutgetan.

Auch die Bosskämpfe hinterlassen einen gemischten Eindruck. Positiv hervorzuheben ist die visuelle Vielfalt: Von schwebenden Magiern über monströse Biester in Klein und Groß bis hin zu Wesen aus Steinfelsen ist alles dabei. Viele Bosse lauern zudem frei in der Welt, mitten im Feld oder in einem unscheinbaren Keller, was für spannende Überraschungsmomente beim Erkunden sorgt. Doch wirklich denkwürdige Kämpfe sind selten in Crimson Desert. Häufig kämpft man mit Kamera-Problemen, weil der Boss nicht im Bild bleibt. Manche Kämpfe setzen auf eine gimmickhafte Lösung. Ihr habt die passende Fähigkeit im Skilltree nicht freigeschaltet? Pech gehabt, dann ist der Kampf nahezu unschaffbar. Andere Bossbegegnungen sind reine Schadens- und Ausrüstungsprüfungen, die einem klar signalisieren, dass man später wiederkommen soll. Dadurch wirken manche Bosskämpfe zunächst unfair und später trivial. Spaß machen sie zumeist dennoch. Doch wer die knifflige Herausforderung und Raffinesse eines From Software‑Titels erwartet, wird hier in den meisten Bossen nicht fündig.

Schwerfällige Steuerung und Systeme, die Feinschliff vertragen können

So beeindruckend Crimson Desert in vielen Bereichen ist, so sehr kämpft es an anderer Stelle mit spürbaren Schwächen. Selbst nach über 70 Stunden habe ich mich nicht vollständig an die träge Steuerung gewöhnt. Kliff bewegt sich schwerfällig und mit viel Momentum, dreht sich langsam und kommt nicht sofort zum Stehen, wenn man den Stick loslässt. Das wirkt einerseits realistisch, fühlt sich andererseits aber schwammig und ungenau an. Pearl Abyss hat dieses Problem bereits mit zwei Patches adressiert, die die Bewegung der gespielten Figur weniger behäbig ausfallen lassen. Ganz so beweglich, wie ich es mir wünschen würde, fällt die Steuerung immer noch nicht aus. Die Fortbewegung ist nun aber in einem deutlich besseren Zustand. 

Was auch nach den Patches bleibt, sind die zahlreichen Rätseln, die oft präzise Eingaben verlangen und damit gelegentlich für Frust sorgen. Die Rätsel selbst sind anspruchsvoll, teils sogar recht kryptisch aufgebaut. Dabei nimmt uns das Spiel kaum an die Hand. Wer eine niedrige Toleranz für komplexe Rätsel hat, wird hier schnell an seine Grenzen stoßen. Wenn dann noch die teils trägen Bewegungen oder ungenaue Sprünge dazukommen, kann das schnell an den Nerven zehren.

Auch die Doppelsprung‑Mechanik ist nicht immer zuverlässig. Mal funktioniert der zweite Sprung wie vorgesehen, mal öffnet Kliff stattdessen sofort seine Flügel. Auch hier hat ein Patch aber schon Abhilfe geschaffen. Die Laterne, die man zum Interagieren mit NPCs und Objekten ständig hochhalten muss, fühlt sich ebenfalls umständlich in der Nutzung an. Das Inventarsystem ist wenig intuitiv und zudem mit starken Platzrestriktionen versehen. Immerhin wurde inzwischen bereits eine Lagerkiste mit Stauraum nachgereicht, was einmal mehr zeigt, dass Pearl Abyss aktiv an Verbesserungen arbeitet.

Trotzdem bleibt der Eindruck, dass manche Systeme nicht optimal erklärt sind. Obwohl ich alle Tutorials aufmerksam gelesen habe, habe ich erst nach 30 (!) Stunden herausgefunden, dass man Gegner per Steuerkreuz nach unten direkt anvisieren kann. Manche Eingaben sind schlicht nicht intuitiv gestaltet und die Erklärungen bleiben vage. Für sich genommen sind das kleine Kritikpunkte, doch wenn mehrere davon gleichzeitig auftreten, zeigt Crimson Desert den fehlenden Feinschliff.

Grafische Glanzleistung mit wenigen Schwächen

Crimson Desert präsentiert sich grafisch von zwei Seiten. In manchen Momenten zählt es zu den schönsten Werken der Videospielgeschichte und in anderen Szenen wird sichtbar, dass der Titel grafisch nicht einwandfrei ist. Wenn alles zusammenkommt, ist das Ergebnis atemberaubend. Steht man bei Sonnenaufgang auf einem Berggipfel und sieht die ersten spärlichen Lichtstrahlen durch die Wolken glänzen, beeindruckt mich das Spiel visuell so sehr wie schon lange keins mehr. Die dynamischen Wetter- und Tageszeitenwechsel verändern die Stimmung der Welt spürbar. Plötzlich aufkommende Wolken verdunkeln die Landschaft, Regen setzt ein und die Atmosphäre kippt innerhalb von Sekunden ins Bedrohliche. Nur wenige Spiele schaffen es, rein mit der Grafik solche Stimmungsschwankungen zu vermitteln.

Die Beleuchtung gehört zu den größten Stärken des Spiels, insbesondere auf dem PC mit aktivierter Einstellung für die „Ray Reconstruction“ mit verbesserter Bildqualität bei Nutzung von Ray Tracing. Die Nacht sieht überzeugend dunkel aus und sorgt dafür, dass das Wandern durch den Wald in der tiefsten Nacht fast schon Horror-Vibes ausstrahlt. Auch die meisten Texturen wirken gestochen scharf und realistisch. Von Felsen über Vegetation und Tiere bis hin zu Gebäuden sind die Texturen grundsätzlich sehr gut. Die Effekte im Kampf, insbesondere die Partikeleffekte rund um Kliffs abyssale Kräfte, sehen beeindruckend aus und verleihen den Kämpfen zusätzliche Wucht. In 4K mit maximalen Einstellungen liefert Crimson Desert einige der visuell beeindruckendsten Szenen, die ich je erlebt habe.

Doch dieser Glanz ist nicht immer zu sehen. Hin und wieder werde ich von flackernden Schatten, flachen Lichtverhältnissen oder weniger überzeugenden Haar- und Bartdarstellungen aus der Immersion gerissen. Manche Texturen wirken aus der Nähe etwas matschig und gelegentlich passt die Beleuchtung nicht ganz zur Szene. Selbst bei maximalen Einstellungen auf dem PC sehen Details manchmal nicht scharf aufgelöst aus. Bei Nutzung von DLSS-Hochskalierung verstärken sich diese Rauscheffekte weiter, was durch einen Patch nun sogar leicht verschlimmert wurde. Perfekt ist der technische Zustand also noch nicht. Im Vergleich zu Titeln wie Red Dead Redemption 2 oder auch Cyberpunk 2077 fehlt hier das letzte Quäntchen Feinschliff, das Entwickler Pearl Abyss womöglich noch nachreichen kann.

Aber wir erinnern uns: Gerade CD Projekt REDs Cyberpunk 2077 war zu Release von technischen Ungereimtheiten geplagt und wurde erst mit der Zeit poliert. Crimson Desert hingegen ist jetzt schon in einem technisch anspruchsvollen Zustand und kann auch mit einer tollen Performance auf dem PC überzeugen.

Schöner Soundtrack und solide Sprachausgabe

Der Soundtrack fällt stimmig aus. Die orchestralen Stücke passen hervorragend zur Stimmung der Welt und sind hochwertig komponiert. Die englische Sprachausgabe ist solide, liefert aber auch keine wirklichen Höhepunkte in den Sprecherleistungen ab. Was mir jedoch fehlt, ist die hörbare Atmosphäre in belebten Gebieten. In Städten oder feindlichen Lagern mit vielen NPCs herrscht oft erstaunliche Stille, was die Welt gelegentlich lebloser wirken lässt, als sie eigentlich ist. In der Natur hingegen sorgen Tiergeräusche für eine angenehme Atmosphäre. Auch wenn immer wieder das gleich klingende Vogelgezwitscher abgespielt wird, erfreue ich mich dennoch weiterhin daran, dass die Tierwelt so auf mich reagiert.

Überblick der Rezensionen
Story. Charaktere und World Building
7
Spielmechaniken und Spaßfaktor
9
Gestaltung der offenen Welt
9.5
Zugänglichkeit
7.5
Inhalt und Umfang
9
Grafik & Sound
9
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Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik und leidenschaftlicher Zocker. Egal ob PC, Konsole, Handhelds oder VR, solo oder multiplayer - ich interessiere mich für die volle Bandbreite, die die Gaming-Welt zu bieten hat. Lieblingsgenres habe ich dennoch: Rennspiele, Action/Adventures, JRPGs und Visual Novels.
crimson-desert-im-testDie gigantische, wunderschön gestaltete Welt von <b>Crimson Desert</b> gehört zum Besten, was das Genre aktuell zu bieten hat. Seit <i>The Legend of Zelda: Breath of the Wild</i> hat es kein Open World-Titel geschafft, mich mit der Erkundung einer virtuellen Welt so gut zu unterhalten. Mit sehenswerten Landschaften im Minutentakt, gut versteckten Geheimnissen, dem dynamischen Wetter, einer dichten Tierwelt und einem vielschichtigen Kampfsystem ist dafür gesorgt, dass die Reise durch Pywel auch auf Dauer nicht langweilig wird. Die unzähligen Aktivitäten und Spielmechaniken wirken zusammengewürfelt, sind letztlich aber doch erstaunlich gut ineinander verzahnt und liefern ausreichend Abwechslung und angenehme Freiheiten. <p></p> Gleichzeitig bleibt die Story gerade in den ersten Stunden blass, die Steuerung wirkt gelegentlich träge und manche Systeme sind unnötig kompliziert, noch dazu schlecht erklärt. Die Gegnerviefalt ist anfangs überschaubar und die Bosskämpfe können nicht auf voller Linie überzeugen. Mit ersten Patches hat Pearl Abyss bereits erstaunlich viele Problemzonen inklusive der behäbigen Steuerung adressiert und Quality of Life-Anpassungen vorgenommen. Das macht Hoffnung, dass langfristig auch weitere Schwächen ausgemerzt werden. <p></p> Wer den holprigen Start hinter sich lässt und nicht gerade ein Storymeisterwerk erwartet, erhält ein außergewöhnliches Abenteuer mit großen Stärken in der lohnenswerten Erkundung und Freiheiten im Spielgeschehen.