Releasedatum: 12.03.2026
Medientyp: Blu-ray, Download
Genre: Horror, Action-Adventure
Entwickler: Team Ninja
Herausgeber: Koei Tecmo
Nachdem in den letzten Jahren die Fatal Frame-Serie, hierzulande lange unter dem Titel Project Zero bekannt, neues Leben eingehaucht bekommen hat, geht das Wiederaufleben der Reihe mit Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake weiter. Erst ein Remaster zum fünften Teil der Reihe, anschließend Teil 4 und nun erhält das zweite Spiel ein Remake? Das könnte damit zu tun haben, dass Fatal Frame II bereits auf der Nintendo Wii ein Remaster erhalten hat, das möglicherweise als Basis für diese Neufassung gedient hat. Zudem ist Teil 2 ein perfekter Start für Serienneulinge. Da es eine eigenständige Geschichte bietet, müssen Spielende keine bisherigen Charaktere oder Hintergrundinformationen kennen. Ob die Modernisierung des Ausflugs in die Welt gruseliger Geister, grausamer Morde und morbider Rituale geglückt ist und Horror-Fans zu empfehlen ist, kläre ich in meinem Test zur PC-Version des Remakes.
Willkommen im verfluchten Dorf
Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake erzählt die unheilvolle Geschichte der Zwillingsschwestern Mio und Mayu, die sich tief im Wald verirren und von einer unbekannten Macht in das verschollene Dorf Minakami gelockt werden. In den Ruinen des Ortes offenbart sich schnell, dass hier ein dunkles, uraltes Ritual gescheitert ist, in dessen Zentrum sich die Schwestern nun wiederfinden. Nur mit einer sonderbaren Kamera bewaffnet, versucht Mio, dem Schicksal zu entkommen und Mayu vor der drohenden Finsternis zu retten.
Eine Atmosphäre, die unter die Haut geht
Eine der größten Stärken des Spiels ist die herausragende Atmosphäre, die von der bedrückenden Story und dem unheimlichen Schauplatz getragen wird. Schon in den ersten Sekunden macht sich ein Gefühl aus Beklemmung und Trostlosigkeit breit, das bis zum Abspann nicht aufhören möchte. Der Titel versteht es, die Spannung konstant hochzuhalten. Es herrscht eine bedrohliche Stimmung in ständiger Erwartung vor dem nächsten Schreckmoment, selbst wenn hinter der nächsten Ecke gar nichts lauert. Zwar setzt die Reihe traditionell auf Jump-Scares, die sich vor allem beim Blick durch die Camera Obscura ereignen, wenn Geister, hier “Nachtmahre” genannt, plötzlich direkt vor der Linse auftauchen. Doch Fatal Frame II: Crimson Butterfly verlässt sich nicht nur auf diese schreckhaften Momente, um seine Horrorstimmung zu erzeugen. Themen wie rituelle Morde, dämonische Besessenheit und die ständige Sorge um Mayu tragen dazu bei, dass der Titel zumeist das volle Potenzial des Genres ausschöpft und eine spannende Story liefert.
Sechs Enden und neue Nebenhandlungen
Mit insgesamt sechs möglichen Enden bietet das Remake eine lobenswerte Wiederspielbarkeit. Daran erfreuen sich insbesondere Spieler, die alle Varianten des Schicksals der Schwestern erleben möchten. Neben den fünf Enden des Originals wurde ein alternatives Finale integriert, das Kennern des Spiels einen zusätzlichen Anreiz für einen erneuten Durchlauf liefert. Darüber hinaus erweitert das Remake die Geschichte um optionale Nebenhandlungen, die erstmals in dieser Form auftauchen. Diese kleineren Geschichten werden an verschiedenen Punkten der Handlung aufgedeckt und dienen als optionale Quests, die man zwischen den Kapiteln verfolgen kann. Sie eröffnen neue Einblicke in das Mysterium rund um das verlorene Dorf und belohnen neugierige Spieler mit finsteren Hintergrundinformationen.
Die Camera Obscura als kreatives Herzstück des Gameplays
Das zentrale Spielelement von Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake ist die mysteriöse Camera Obscura, die zur Abwehr der lauernden Nachtmahre dient. Mit der Kamera lassen sich Geister verletzen, wobei die Höhe des Schadens von der verwendeten Filmart abhängt. Es gibt einen unbegrenzten Standardfilm mit nur wenig Schaden und langer Nachladezeit, einen schnell nachladenden Film mit reduzierter Durchschlagskraft oder besonders starke Filmtypen, die jedoch lange zum Nachladen benötigen. Spielende müssen daher stets abwägen, wann sie welchen Film einsetzen. Ebenso zahlt sich eine eifrige Erkundung aus, um immer wieder neue “Munition” zu finden und ausreichend viele Filme für gefährliche Situationen parat zu haben.
Durch präzises Ausrichten der Kamera, der richtigen Zoomstufe und manuellen Fokus lassen sich mehrere Schwachpunkte eines Geistes treffen, um den Schaden zu maximieren. Auch können mehrere Nachtmahre gleichzeitig erwischt werden, wenn wir sie zusammen abfotografieren. Mit dem namensgebenden “Fatal Frame”, dem “Todesfoto”, können Nachtmahre zudem im richtigen Moment mit einem Schnappschuss erschreckt werden.
Gelegentlich wirkt die Camera Obscura etwas klobig im Einsatz. Schließlich bewegen wir uns gleichzeitig in der Umgebung, weichen Nachmahren aus und machen mit Blick durch den Fotoapparat möglichst präzise Schnappschüsse. Dennoch bleibt das Konzept, sich mit einem Fotoapparat zu verteidigen, durchaus reizvoll. Beim Einsatz wechselt die Perspektive von der Third-Person-Ansicht in die Ego-Perspektive, was Parallelen zu klassischen Shooter-Mechaniken anderer Horrorspiele schafft. Gleichzeitig sorgt das Kamera-System für einen einzigartigen Spielfluss, der für mich auch nach rund zwölf Stunden Spielzeit nicht langweilig wurde.
Neue Mechaniken im Remake
Das Remake erweitert das ursprüngliche System um zusätzliche Funktionen. Weiter verfeinert wurde die sogenannte Todeszeit. Dabei handelt es sich um eine Mechanik im Kampf nach Auslösung eines Todesfotos, mit der Mio eine Serie besonders schneller Fotos schießen kann, die in kurzer Zeit enormen Schaden verursachen. Wer Kämpfe gänzlich meiden möchte, kann sich an den neuen Stealth-Mechaniken versuchen, die Taschenlampe ausschalten und gebückt an Geistern vorbeischleichen. Eine nette Idee ist die “Händchen halten”-Funktion. Wenn die beiden Schwestern gemeinsam unterwegs sind, profitiert Mio von einer schnelleren Regeneration der Gesundheit und Willenskraft, wenn sie die Hand von Mayu hält.
Mit den neu in Minakami versteckten Gebetsperlen lassen sich permanente Upgrades für die Camera Obscura freischalten. Ebenfalls neu sind Filter, die Mio Hinweise auf den richtigen Weg geben und beim Lösen von Rätseln unterstützen. Die neuen Impulse im Gameplay haben mir allesamt gefallen. Sie tragen dazu bei, dass sich der Horror-Klassiker moderner und besser denn je spielt. Eine grundlegende Veränderung des Spielgeschehens darf aber nicht erwartet werden.
Zähe Geister und langwierige Kämpfe
Mein größter Kritikpunkt am Spiel ist die hohe Anzahl an Geisterbegegnungen und die enorme Widerstandsfähigkeit vieler Gegner. Kämpfe gegen normale Geister können sich als überraschend zeitintensiv erweisen, insbesondere wenn die Feinde in einen „verärgerten“ Zustand übergehen. Dann greifen sie nicht nur häufiger an, sondern regenerieren auch einen Großteil ihrer Lebensenergie, was ohnehin lange Kämpfe weiter in die Länge zieht. Immerhin ist bereits ein erster Patch erschienen, der die aggressive Laune deutlich seltener auftreten lässt, was ich sehr begrüße.
Doch kommt es zu Auseinandersetzungen mit mehreren Nachtmahren gleichzeitig, steigt der Frustfaktor weiter. Es ist entscheidend, möglichst nah an die Geister heranzukommen und im perfekten Moment ein Foto zu schießen. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn man von allen Seiten angegriffen wird. Obwohl das Kamera-Kampfsystem grundsätzlich überzeugt, ist das Balancing des ausgeteilten Schadens nicht optimal umgesetzt. Manche Kämpfe werden schlicht zu langatmig, was die Angst vor den Geistern zeitweise durch Frust vor lästigen Kämpfen ersetzt.
Sammelobjekte, Upgrades und Belohnungen
Im Dorf lassen sich zahlreiche Gegenstände finden, von Heilkräutern bis hin zu den schon angesprochenen Gebetsperlen. Zusätzlich gibt es ein Punktesystem, das Spieler für besonders gelungene Fotos belohnt. Diese Punkte können anschließend gegen Items oder Anhänger eingetauscht werden, die passive Boni gewähren. Wer zudem die versteckten Zwillingspuppen in der Spielwelt entdeckt, erweitert das Angebot an kaufbaren Gegenständen. Die Upgrades verändern das Gameplay merklich und machen Mio deutlich effektiver im Umgang mit den Geistern.
Starke Präsentation mit technischen Einschränkungen
Team Ninja hat bei der audiovisuellen Umsetzung hervorragende Arbeit geleistet. Das Remake verzichtet auf die festen Kameraperspektiven des Originals. Die neue Schulterperspektive wurde dank stimmungsvoller Beleuchtung und hochauflösender Charaktermodelle überzeugend umgesetzt. Sowohl Innenräume als auch die verwitterten Außenbereiche des Dorfes wirken gleichermaßen schön wie unheimlich und tragen maßgeblich zur bedrückenden Atmosphäre bei. Positiv möchte ich auch die neonbeleuchteten Schmetterling-Lampen sowie sämtliche Feuereffekte hervorheben. Da es sich bei dem Fatal Frame II Remake um ein größtenteils sehr dunkel gehaltenes Spiel handelt, fallen solche Effekte, die gelungene visuelle Akzente setzen, besonders auf.
Allerdings wird die starke Präsentation von technischen Limitierungen begleitet. Auf dem PC sind Zwischensequenzen auf 30 FPS begrenzt. Das Gameplay ist hingegen bei 60 FPS gekappt, auch wenn die Hardware mehr leisten könnte. Auf Konsolen läuft das gesamte Spiel mit 30 FPS, selbst auf der PS5 Pro. Wer die bestmögliche Performance möchte, ist daher auf dem PC am besten aufgehoben, muss aber auch dort mit der Framerate-Begrenzung leben. Eifrigen Moddern sei dank lässt sich diese Limitierung aber auch umgehen – mit bis zu 120 FPS spielt sich der Titel noch besser. Ich habe das Remake von Fatal Frame II zudem auf dem PC-Handheld MSI Claw 8 AI+ ausprobiert. Nur bei Nutzung der niedrigsten Einstellungen mit aggressivem Upscaling ergibt sich eine annehmbare Performance von mindestens 30 FPS. Doch selbst bei der niedrigsten Konfiguration sieht das Spiel erstaunlich gut aus, wie die nachfolgenden Screenshots zeigen:
Sounddesign, das die Haare zu Berge stehen lässt
Akustisch schöpft das Remake aus dem Vollen. Die Umgebungsgeräusche lassen das von Nachtmahren heimgesuchte Dorf unheimlich wirken. Das Stöhnen und Wimmern der Geister baut eine konstante Spannung auf, die im Kampf durch intensive Musik weiter verstärkt wird. Surround-Sound und 3D-Audio für Kopfhörer werden unterstützt und passen hervorragend zu einem so atmosphärischen, unheilvollen Spiel. Neben der englischen Sprachausgabe für Mio und Mayu steht auch eine japanische Vertonung zur Verfügung, die ich für ein noch immersiveres Erlebnis bevorzugt habe.
























