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Releasedatum: 5.03.2026

Medientyp: Download
Genre: FPS, Extraction-Shooter
Entwickler: Bungie
Herausgeber: Bungie/Sony

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Mit Marathon kehrt Bungie in ein lange ruhendes Universum zurück und verbindet es mit einem modernen Extraction‑Shooter-Prinzip, das im Vorfeld für viel Gesprächsstoff unter Gamern gesorgt hat. Statt klassischer Kampagne stehen riskante Multiplayer-Einsätze, taktische Entscheidungen und der ständige Druck des Verlusts im Mittelpunkt. Kann die Mischung aus Sci‑Fi‑Setting, Hüllen-Fähigkeiten und gnadenlosen PvP‑Gefechten überzeugen?

Ich habe Marathon bisher für rund 30 Stunden gespielt und treffe ein vorläufiges Fazit. Mit Erscheinen der vierten Map „Cryo Archive“ im Laufe des Monats wird der Test nochmal aktualisiert und mit einer finalen Wertung versehen.

Ein düsteres Universum, über das man aber hauptsächlich liest

Marathon spielt in einem Universum, das Bungie bereits in den 90er-Jahren mit drei Spielen etabliert hat. Die Neuinterpretation versetzt uns in das Jahr 2893 auf den Planeten Tau Ceti IV, wo menschliche Kolonisten der UESC Marathon einst eine neue Siedlung gründeten. Diese Kolonie und das dazugehörige Schiff sind jedoch verstummt, nachdem sie über viele Jahre hinweg von außerirdischen Kräften angegriffen wurden. Erst Jahre später erreicht ein Notruf einer der verbliebenen KI-Einheiten die UESC-Regierung und macht die Erde auf die mysteriösen Vorfälle aufmerksam.

Daraufhin entsenden verschiedene Fraktionen sowie Mega-Konzerne, die in das Projekt investiert haben, sogenannte „Runners“. Dabei handelt es sich um Menschen, die ihren Körper zugunsten hochspezialisierter Kybernetik-„Hüllen“ aufgegeben haben. Diese Runners sollen in die Kolonie eindringen, gegen UESC-Truppen, rivalisierende Runners und außerirdische Kräfte kämpfen und wertvolle Artefakte, Daten und Ressourcen bergen. Die Geschichte bringt viele interessante Themen ein und es ist spannend zu verfolgen, was mit der Kolonie passiert ist. Ich habe mich allerdings ein wenig daran gestört, dass man die Story selbst nicht wirklich erlebt. Stattdessen werden die Geschehnisse hauptsächlich in Menüs vorangetrieben, allen voran durch gruselige Fraktionsführer, die in kryptischen Botschaften zu uns sprechen. Dadurch fasste ich die Handlung eher als atmosphärische Randnotiz auf, die einen Rahmen für den Besuch von Tau Ceti IV schafft. Wer im Gegensatz zu mir stärker in den Bann der Geschichte gezogen wird, kann mit Hilfe unzähliger Kodexeinträge tiefer in das Lore des Marathon-Universums eintauchen.

Wuchtiges Gunplay und kurze, aber intensive Gefechte

Als Extraction-Shooter legt Marathon großen Wert auf spaßige Schussgefechte. Genau hier spielt Bungie eine seiner größten Stärken aus. Das Waffengefühl ist schlicht fantastisch. Es gibt kaum eine Waffe, die keinen Spaß macht, denn jeder Schuss wirkt wuchtig und präzise. Schon in den Destiny-Spielen war das Gunplay ein Aushängeschild des Studios, und auch hier kommt diese Qualität voll zur Geltung. Das Balancing fühlt sich grundsätzlich stimmig an. Die Shotgun ist nach meinem Empfinden etwas stark ausgefallen, ebenso Scharfschützengewehre mit Thermalvisier. Doch in meiner Zeit mit dem Spiel empfand ich das bisher nicht als übermäßiges Problem, sodass man im Kampf gegen diese Waffen dennoch gute Chancen hat. Selbst der Nahkampf mit dem Messer ist überraschend spaßig und richtet erstaunlich viel Schaden an.

Mit einer bewusst kurz gehaltenen Time to Kill wird der Titel allerdings nicht bei allen Spielenden punkten können. Ich persönlich kann mit der kurzen TtK gut leben, da die Gefechte dadurch kurzweilig bleiben und gutes Situationsbewusstsein belohnen. Wer hingegen kopflos in das erstbeste Feuergefecht stürmt und häufig stirbt, wird sich womöglich an der kurzen TtK stören. Marathon möchte gar nicht, dass man durchgehend an jeder Action teilnimmt. Das Fernhalten von offensichtlichen Schlachtgebieten ist häufig eine gute Devise und Schlüssel zum Überleben.

Hero-Shooter trifft auf Extraction-Gameplay

Marathon bedient sich deutlich am Genre der Hero-Shooter. Zum Launch stehen sieben sogenannte Hüllen zur Auswahl, die sich durch unterschiedliche Fähigkeiten sowie passive Eigenheiten und damit abweichende Spielweisen auszeichnen. Der Assassine kann sich unsichtbar machen und begünstigt ein vorsichtiges Stealth-Gameplay. Der Vandal fokussiert sich voll und ganz auf flinke Fortbewegung, ermöglicht Doppelsprünge und ein schnelles Rutschmanöver, was besonders in hitzigen Momenten eine wertvolle Fluchtoption darstellt. Der Destroyer übernimmt die Tank-Rolle, kann ein Schild erzeugen und Teammitglieder abschirmen. Triage fungiert als klassische Sanitäter-Hülle, während Recon mit einem Echo-Puls für Übersicht auf dem Schlachtfeld sorgt. Thief wiederum verfügt über eine Drohne, die nicht nur zum Spionieren nützlich ist, sondern auch Ausrüstungsteile von nichts ahnenden Feinden stehlen kann. Alle Spezialmanöver sind mit einem Cooldown versehen, sodass ihr Einsatz bedacht gewählt werden sollte, bevor die rettende Fähigkeit im entscheidenden Moment fehlt.

Diese unterschiedlichen Hüllen ermöglichen tolle Teamsynergien. Im Kampf gegen andere menschliche Runner habe ich insbesondere Spaß an der Mischung aus Vandal, Assassine und Destroyer erlebt. Der Destroyer stellt sich mit seinem Schild den einprasselnden Kugeln entgegen. Der Vandal sorgt mit Doppelsprüngen und wendigen Richtungswechseln für Ablenkung. Währenddessen schleicht sich der Assassine mit der Tarnfähigkeit an und startet aus günstiger Position einen fatalen Angriff. Nach meiner Erfahrung spielt sich jede Hülle mächtig, sofern man sie strategisch klug einsetzt. Ich hatte zu keinem Moment das Gefühl, mit einer bestimmten Hülle im Nachteil zu sein.

Als Besonderheit möchte ich die Rook-Hülle hervorheben. Dabei handelt es sich um eine Plünderer-Rolle, die nicht im Team gespielt werden kann. Auch kann der Rook keine Aufträge erfüllen. Stattdessen kommt er im Laufe einer bereits gestarteten Runde auf das Spielfeld und ist darauf bedacht, vorrangig Loot einzustreichen. Diese Spielweise weicht deutlich von den anderen ab und eignet sich hervorragend, um den Tresor mit Fundstücken zu füllen.

 

Riskantes Loadout-System, das weniger frustriert als erwartet

In Marathon ziehen wir mit einem zuvor gewählten Loadout in den Kampf. Dabei haben wir jederzeit Zugriff auf gesponsorte Ausrüstungssets der verschiedenen Fraktionen, denen wir zuarbeiten. Diese Sponsoring-Loadouts lassen sich nicht verändern. Wir müssen die vorgefertigte Ausrüstung so nehmen, wie wir sie bekommen. Dafür ist sie kostenlos und ermöglicht einen schnellen Einstieg in die nächste Runde. Alternativ können wir Waffen und Ausrüstung aus unserem Tresor mitnehmen oder in der Waffenkammer neue Ausrüstung gegen virtuelle Coins kaufen. Der Clou an der Sache: Schaffen wir es aus einem Run nicht lebend heraus, ist das gesamte Loadout futsch. Nur eine erfolgreiche Exfiltrierung sorgt dafür, dass wir unsere Ausstattung behalten.

Dadurch entsteht eine spannende taktische Komponente. Gehe ich eine fordernde Aufgabe an und spiele mit meinen Kollegen mit koordinierter Absprache über Headset, wähle ich mein Loadout so gut wie möglich. Möchte ich hingegen Fortschritt an einer Mission erwirken, die aber eine hohe Todeswahrscheinlichkeit hat, weil wir zu besonders actionreichen Momenten gezwungen werden, ist das unendlich verfügbare Sponsoring-Loadout womöglich die bessere Wahl. Wenn man in einer spannenden Runde ohnehin gute Ausrüstung mitbringt, seltenes Loot einsammelt und dann in letzter Sekunde durch einen hinterlistigen Überfall doch stirbt, kann das sehr ernüchternd und frustrierend sein. Ich war allerdings überrascht, wie kurz dieser Frust zumeist anhielt. Einmal durchatmen, etwas trinken und ab in die nächste Schlacht – so sah zumeist meine Reaktion auf einen Tod aus.

Da der Tresor nur limitierten Speicher bietet, ist ein Horten von Ausrüstung ohnehin nicht möglich. Zudem wird nach drei Monaten, also nach Abschluss einer Saison, das gesamte Inventar durch Bungie zurückgesetzt, um in regelmäßigen Abständen für Chancengleichheit zu sorgen. Wenn man durch das Ableben sein Loadout verliert und somit wieder Platz geschaffen ist, kann das sogar manchmal ganz befreiend wirken. Durch die jederzeit kostenlos verfügbaren Sponsoring-Kits, die erstaunlich fähig sind, und den großzügig verteilten Loot kommt viel weniger Frust auf, als ich anfangs befürchtet hatte.

Missionen zwischen Motivation und Wahnsinn

Selbst wenn man in einer Runde das Zeitliche segnet, sorgt Marathon in den meisten Fällen dennoch für Fortschritt. Viele der Missionen sind darauf ausgelegt, über mehrere Runs hinweg bestimmte Aufgaben zu erledigen: Töte X Runner, erledige X UESC-NPC-Einheiten, zerstöre X Nester von spinnenähnlichen Wesen. Nach fast jeder Runde gibt es XP für den übergreifenden Saisonrang sowie für die einzelnen Ränge der Fraktionen. Mit steigender Spielzeit werden allerdings auch mehrere Aufträge freigeschaltet, die aufeinander aufbauende Teilaufgaben in ein und derselben Runde vorgeben. Häufig sind die Terminals, die wir dabei betätigen müssen, aber nicht direkt nebeneinander platziert, sondern an unterschiedlichen Enden der Karte aufgestellt. Das führt dazu, dass die Erfüllung der Folgeaufgaben ohne zu sterben zur knackigen Herausforderung wird.

Viele dieser „in einem Run“-Aufgaben machen mir durchaus Spaß. Einige wenige sind allerdings so knifflig und langwierig gestellt, dass ich sie zunächst stundenlang aufschob und dann viele Versuche brauchte, bis ich Erfolg hatte. In Kombination mit manch belanglosen Aufträgen wie „Zerstöre 20 Gläser“ und der Tatsache, dass man immer nur eine Mission aktivieren kann, trieb mich das Aufgabensystem insgesamt häufiger in den Wahnsinn als das so gefürchtete „Beim Tod verliert man alles“-Prinzip. Immerhin gibt es mit den verschiedenen Fraktionen, ihren Hauptaufgaben und optionalen Nebenaufgaben, die sich gegen einige Coins sogar austauschen lassen, jederzeit eine große Auswahl an Missionen, aus denen man sich die ansprechendste heraussuchen kann. Und auch, dass man zumindest anteilig XP verdient für Aufgaben, die Teammitglieder erfüllen, möchte ich positiv erwähnen.

Abwechslungsreiche Maps mit starkem Leveldesign

Zu Release bietet Marathon drei verschiedene Karten, von denen zwei zunächst freigeschaltet werden müssen. Mit Cryo Archive wurde bereits die vierte Map angedeutet, die als Endgame-Content gedacht ist und noch im Laufe des Monats erscheinen soll. Besonders gut gefällt mir, dass die bisher spielbaren Karten von Grund auf unterschiedlich gestaltet sind und ein eigenes Spielgefühl vermitteln.

Grenzbereich ist die größte Karte und bietet viele weitläufige Areale mit kleineren Häusern, einem Tunnelsystem und dem angenehmen Gefühl, dass man unterwegs auch mal durchatmen kann. Nicht umsonst ist der Grenzbereich die erste Map, auf der jeder Spielende die Eigenheiten von Marathon erlernt. CPU-Feinde sind hier recht rar gesät und lassen sich weitgehend vermeiden. Im Zentrum der Map ist zwar mehr los, doch dorthin müssen wir nur für die Bewältigung weniger Aufgaben. Menschliche Gegner finden sich hier häufiger als auf den anderen Karten, allerdings bewirkt die Größe der Map, dass man einander dennoch nicht allzu oft begegnet. Grenzbereich ist eine tolle Einsteigerkarte, die ich immer wieder gerne spiele.

Düstermoor hat es im direkten Vergleich deutlich mehr in sich. Die Karte ist kleiner, bietet mit Forschungsanlagen mehr Gebäude, mehrere Ebenen mit Zwischenetagen und Dächern und wesentlich mehr Action im Nahkampf. Hier bleibt kaum Zeit zum Durchatmen und jeder Schritt will gut überlegt sein, da hinter der nächsten Ecke bereits neue Feinde lauern können. Scharfschützen sind hier besonders gefährlich, die auf den Dächern der Anlagen ihre Ziele ins Auge fassen. Während man sich im Grenzbereich in einzelnen Abschnitten der Karte mehr oder weniger sicher fühlt, bieten hier nur die wenigsten Ecken tatsächlich Schutz.

Mit dem Außenposten wird das Gefühl permanenter Gefahr noch weiter verstärkt. Die Karte ist noch kleiner und bringt mit Naturgewalten einen zusätzlichen Kniff ins Spiel. Über die Benutzeroberfläche wird eine sich annähernde Hitzekaskade angekündigt, die zwar hübsch wie ein Feuerwerk aussieht, aber im freien Gelände äußerst gefährlich ist. Dadurch werden in regelmäßigen Abständen alle Spielenden in die verfügbaren Gebäude getrieben, was die Action immer wieder auf enge Gänge ohne Aussicht auf Flucht verlagert. Die KI-Feinde sind im Außenposten zudem noch aggressiver. Wenn ein UESC-Commander Verstärkung ruft, ist besondere Vorsicht geboten. Die zur Flucht aufzusuchenden Exfil-Stationen sind alle durch UESC-Einheiten bewacht, was eine Exfiltrierung schwieriger gestaltet als auf den anderen beiden Karten.

Mit den Maps zeigt Bungie eindrucksvoll, dass das Studio ein vorzügliches Leveldesign beherrscht. Visuell unterscheiden sich die Karten deutlich voneinander, das Spielgefühl variiert spürbar und das Gefahrenlevel reicht von entspannt bis fast schon Survival Horror. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Geschehen und eine gelungene Vielfalt im Gameplay, obwohl man im Kern auf jeder Map dasselbe tut. Drei spielbare Karten klingen in der Theorie nach einem überschaubaren Umfang. Nach vielen Stunden mit dem Spiel habe ich mich aber immer noch nicht an den großen Arealen sattgesehen und entdecke weiterhin neue Winkel, Geheimnisse und unentdeckte Schatzkammern. Im Liveservice-Prinzip dürfte Marathon zudem in den kommenden Wochen und Monaten mit neuem Inhalt ausgestattet werden. Kryptische Rätselevents, wie man sie aus den Destiny-Spielen kennt, sorgen ebenfalls für frischen Schwung. Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Freischaltung von Cryo Archive hat Bungie ein ARG-Event gestartet, an dessen Lösung die Community bereits eifrig arbeitet.

Von Teamwork bis Solo-Chaos

Ich habe zumeist alleine gespielt, ließ mich vom Spiel aber häufig in ein Squad bestehend aus drei Söldnern stecken. Das Matchmaking vervollständigt das Team automatisch. Neben einem Sprachchat gibt es auf dem PC zudem einen Textchat. Hilfreich ist außerdem das Ping-System, mit dem sich Gefahren oder Ziele markieren lassen. Grundsätzlich hat jeder Spielende eine eigene Aufgabe. Mit etwas Glück haben mehrere dieselbe Mission. Ansonsten muss man sich verständigen, welche Tätigkeiten man angehen möchte.

Manchmal habe ich Glück im Matchmaking: Selbst ohne Absprache entsteht gutes Teamwork, ein strukturiertes Vorgehen und eine Exfiltrierung zum angemessenen Zeitpunkt. Doch es kann auch anders zugehen. Manchmal trifft man auf Teammitglieder, die sofort alleine losziehen, in jeden Kampf rennen und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen; selbst dann, wenn Munition, Schild und Medkit längst aufgebraucht sind. Statt einfach mal den Run zu beenden, stürzen sie sich in weitere Schlachten und reißen das Team mit in den Abgrund.

Wer bestenfalls zu dritt mit Freunden und Sprachchat spielt, hat sicherlich das beste Erlebnis. Doch auch solo mit zufälligen Spielern habe ich viele erfolgreiche Runden und immer wieder spaßige Momente mit tollem Teamwork erlebt. Dass Teammitglieder uns sogar wiederbeleben können, wenn wir nicht nur angeschlagen, sondern vollständig erledigt sind, führt dazu, dass ich gerne noch im Spiel verweile, wenn auch nur ein Teammitglied noch lebt. Manchmal werde ich Minuten später zurückgeholt und kann die Runde noch erfolgreich beenden, was extrem befriedigend sein kann.

Wer alleine aufs Schlachtfeld ziehen will, kann das im Solo-Modus tun. Für die Bewältigung einfacher Aufträge bin ich gelegentlich alleine in einen Run gestartet. Da hier aber mehr Chaos herrscht, noch mehr Gefahr an allen Ecken lauert und das Fliehen durch häufigere Camper bei Exfil-Stationen erschwert wird, hatte ich im Solo-Gameplay nicht ganz so viel Spaß. Hier wirkt das Balancing nicht ganz so durchdacht, was manche Spawn-Punkte zeigen. Manchmal kommt man nur wenige Meter entfernt von Feinden ins Spiel, was mir persönlich einfach zu stressig ist. Der Solo-Modus wirkt in der aktuellen Form eher wie eine Last-Minute-Ergänzung mit fehlendem Feinschliff. Trotzdem finde ich es schön, dass es zumindest diese Option gibt. Ich hoffe, dass Bungie auch noch einen Duo-Modus hinzufügen wird. Bei den aktuellen Möglichkeiten muss man als Zweier-Team darauf hoffen, dass der zufällig zugewiesene Dritte im Bunde an einem kooperativen Vorgehen interessiert ist, was nicht immer der Fall ist.

Hardcore-Vibe und steile Einstiegshürde

Marathon vermittelt von Beginn an ein deutliches Hardcore-Spielgefühl. „Shoot on sight“ beschreibt das Erlebnis wohl am treffendsten, denn freundliche Begegnungen mit fremden Spielern sind selten. Dadurch entsteht ein völlig anderes Spielgefühl als beispielsweise in Arc Raiders, das sich durch eine soziale Komponente mit deutlich mehr Zusammenarbeit auszeichnet. Marathon betont stattdessen den PvP-Charakter der Gefechte. Genau das gefällt mir persönlich sehr gut. Trotzdem ist der Schwierigkeitsgrad hoch. Die KI-Feinde teilen nicht nur enorm viel Schaden aus, sondern treten gerne auch in Scharen auf. Manche Aufgaben sind zudem kryptisch formuliert und die Beschreibungen helfen nur bedingt weiter. Hinzu kommt die anfängliche Angst, die eigene Ausrüstung zu verlieren, was den Einstieg zusätzlich erschwert.

Dadurch ergibt sich ein kantiger Start, der wahrlich nicht für jeden geeignet ist. Auch bei mir dauerte es eine Weile, bis ich den Spielfluss verinnerlichte und die Angst vor dem virtuellen Tod verlor. Doch seitdem es nach wenigen Spielstunden einmal „Klick“ gemacht hat, komme ich vom Spiel nicht mehr los. Schon lange war ich nicht so motiviert von einem Online-Shooter, was mitunter auch an der intensiven Hardcore-Experience mit echtem Suchtpotenzial liegt.

Benutzeroberfläche, Menüs und Monetarisierung mit Schattenseiten

Marathon hat eine sehr stylische Benutzeroberfläche, die grundsätzlich funktional und übersichtlich ist. Auch im Loadout-Menü finde ich mich visuell gut zurecht. Allerdings ist die Steuerung per Cursor lästig, wenn man mit einem Controller spielt, was bereits in Destiny ein Problem war. Das Verschieben von Ausrüstung zwischen Loadout und Tresor funktioniert nicht immer ganz so intuitiv. Die Installation von Mod-Teilen an den mitgeführten Waffen läuft ebenfalls nicht immer zuverlässig. Im Eifer des Gefechts ist es zudem ungünstig, dass die Vorteile der Mod-Teile nicht auf einen Blick sichtbar sind, da die Mod-Symbole gleich aussehen. Weiterhin verfügt Marathon über mehrere verschachtelte Menüs für Fortschritt, Aufträge und Upgrades der verschiedenen Fraktionen sowie Kodex-Einträge, die den Abschluss unterschiedlicher Herausforderungen mit kurzen Lore-Erläuterungen und neuen kosmetischen Items belohnen. Inhaltlich gefällt mir das gut. Doch die Menüführung, die aktuell dutzende Klicks zum Ansteuern und Bestätigen von Belohnungen erfordert, hat durchaus Verbesserungspotential.

Im Hauptmenü findet sich ein Prämienpass, der in der laufenden ersten Saison 31 freischaltbare Items bereithält. Neben einem Skin für eine Hülle und Skins für mehrere Waffen finden sich hier hauptsächlich Sticker und Talismane für die Verzierung von Waffen. Verschiedene Belohnungen wie der Hüllen-Skin sind hinter der kostenpflichtigen Premium-Pass-Option versteckt. Mir persönlich haben die kosmetischen Items aus dem Battle Pass nicht sonderlich zugesagt, sodass das Freischalten neuer Belohnungen nur bedingt für Motivation sorgte. Immerhin läuft der Pass nicht aus; Inhalte können auch zu einem späteren Zeitpunkt freigeschaltet werden, wenn man aktuell nicht viel Zeit zum Spielen hat.

Den Abschluss im Menü macht ein Shop, der einmal mehr kosmetische Erweiterungen bietet. Diese fallen nach meinem Geschmack recht teuer aus. Rund 15 Euro wird für ein Bundle bestehend aus einem Hüllen- und einem Waffen-Skin verlangt. Optisch sind durchaus coole Designs dabei, auch wenn die meisten Skins eher simpel bleiben und sich auf Farbunterschiede beschränken. Für einen günstigeren Preis hätte ich womöglich auch mal zugeschlagen. Wer kein weiteres Geld investieren möchte, verpasst glücklicherweise aber nichts. Pay-to-win-Elemente gehören nicht zum Aufgebot der Microtransactions. Die gewaschenen Preise der kosmetischen Teile hinterlassen dennoch einen faden Beigeschmack.

Auffälliger Grafikstil und solide Performance

Grafisch überzeugt Marathon mit einem auffälligen, sofort wiedererkennbaren Stil. Gebäude sind in grellen Neonfarben gehalten und auch die Waffen präsentieren sich farbenfroh. Dadurch ergeben sich immer wieder kontrastreiche Anblicke, die dem Spiel eine außergewöhnliche visuelle Identität verleihen. Mit beeindruckenden Reflexionen, Nebeleffekten und einer gelungenen Beleuchtung präsentiert sich Marathon insgesamt sehr zeitgemäß. Dazu kommen hübsch gestaltete Menüs und Storysequenzen, die den ominösen KI-Charme des Spiels wirkungsvoll betonen.

Auf dem PC habe ich eine solide Performance erlebt, unterstützt durch zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten. Auch über den nativen Ultrawide-Support habe ich mich gefreut. Selbst auf meinem MSI Claw 8 AI+-PC-Handheld läuft der Titel recht stabil mit mindestens 45 FPS bei optimierter Konfiguration, was sich dank des VRR-Screens in einer geschmeidigen Spielerfahrung äußert. Tobias hat den Titel auf der PS5 gespielt und berichtet ebenfalls von einer scharfen Bildqualität bei konstanter Performance von 60 Bildern pro Sekunde. Marathon zeigt damit, dass der markante Grafikstil nicht nur optisch überzeugt, sondern auch technisch gut umgesetzt ist.

Wuchtiges Sounddesign und stimmiger Soundtrack

Neben einem erstklassigen Waffengefühl haben Bungie-Spiele für mich auch immer eine weitere sichere Komponente: eine wuchtige Soundumsetzung, die vor allem in den Geräuschen abgefeuerter Schüsse zur Geltung kommt. Sowohl auf Stereo-Kopfhörern als auch im Surround-Sound-System überzeugen die Klänge, die in Marathon zu hören sind. Die Umsetzung hörbarer Schritte fällt fantastisch aus. Wer genau hinhört, kann die rhythmisch gleichmäßigen Schritte der Roboter-UESC-Einheiten klar von den unregelmäßigen Geräuschen unterscheiden, die menschliche Spieler verursachen.

Auch das Wetter in Marathon sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern klingt ebenso realistisch. Plätschernder Regen und tosender Donner erzeugen eine dichte Atmosphäre. Befinden wir uns während schlechten Wetters in einem Gebäude, hören wir in der Nähe offener Türen nur schlecht, was sich in den Gängen und Räumen ereignet. Schließen wir die Türen, verstummt das Wetter hingegen und wir können uns voll auf das Geschehen im Inneren konzentrieren. Marathon hat akustisch viele dieser Details zu bieten. Auch der Soundtrack, der in den Menüs ertönt, passt wunderbar in das Gesamtbild, das Marathon mit seiner Spielwelt vermittelt.

Vorläufiges Fazit

Im Vergleich zum anderen großen Vertreter im Genre der Extraction-Shooter ist Marathon ein echtes Blutbad. Während in Arc Raiders viele Spielende freundlich bleiben und kooperieren, spielt sich Marathon auf der anderen Seite des Spektrums ab: Hier wird sofort geschossen, ohne Fragen zu stellen. In Kombination mit gefährlichen KI-Feinden, die gehörigen Schaden austeilen, mit einer kurzen Time to Kill und mit der Aussicht, bei einem virtuellen Tod das mitgeführte Loadout komplett zu verlieren, schafft Marathon ein knallhartes Hardcore-Erlebnis mit hoher Einstiegshürde. Doch genau diese Betonung auf knifflige PvP-Gefechte macht das Spiel so besonders.

Das fantastische Bungie-Waffengefühl kommt voll zur Geltung, die Fähigkeiten der gespielten Hüllen erlauben taktische Raffinesse und Teamwork zahlt sich aus. Seitdem ich die Angst vor dem Loadout-Verlust hinter mir gelassen habe, erlebe ich regelmäßig spannende Runden und bin so motiviert bei der Sache wie schon lange nicht mehr bei einem Online-Shooter. Eine außergewöhnliche visuelle Identität mit grellen Neonfarben, ein fetziger Soundtrack, beeindruckendes Sounddesign sowie ein solider Umfang zu Release mit clever gestalteten Karten tragen ebenso zum unterhaltsamen Erlebnis bei.

Mit einer verbesserungswürdigen Benutzeroberfläche, teils ungeschicktem Loadout-Management, manchmal lästigen Missionen, dem Fehlen eines Duo-Modus sowie einem unbedeutsamen Battle Pass und teuren kosmetischen Items erlaubt sich Marathon auch Fehltritte, die insgesamt aber wenig ins Gewicht fallen. Wer die Einstiegshürde hinter sich lässt, bekommt in Marathon einen anstrengenden, aber motivierenden, fast schon süchtig machenden Gameplay-Loop, der von bombastischen und unberechenbaren Ballersequenzen lebt und einen erfolgreich exfiltrierten Run mit jeder Menge Dopamin belohnt. Ich bin gespannt, wie langlebig das Liveservice-Spiel letztlich ausfallen und welcher Inhalt in welchen Abständen nachgereicht wird.

Ich verbringe nun nochmal mehr Zeit mit Marathon, werde die vierte Map Cryo Archive ausgiebig testen, wenn diese im Laufe des Monats freigeschaltet wird, und aktualisiere den Test anschließend mit einer Wertung.

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Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik und leidenschaftlicher Zocker. Egal ob PC, Konsole, Handhelds oder VR, solo oder multiplayer - ich interessiere mich für die volle Bandbreite, die die Gaming-Welt zu bieten hat. Lieblingsgenres habe ich dennoch: Rennspiele, Action/Adventures, JRPGs und Visual Novels.