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Playstation VR Worlds im Test

Releasetermin: 13.10.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Diverse
Entwickler: Sony London Studio
Herausgeber: Sony Interactive Entertainment

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Jede neue Hardware braucht eine so genannte “Killer App”. Ein Spiel oder eine Erfahrung, das nicht nur bestens die Eigenschaften der neuen Technik demonstriert, sondern auch spielerisch auf voller Länge überzeugt. Und von wem könnte solch eine Killer App besser kommen als vom Hardware-Entwickler selbst? Playstation VR Worlds von Sony gehörte im Vorfeld sicherlich zu den mit größter Freude erwarteten Virtual Reality-Spielen. Denn versucht Sony, mit einer Ansammlung von mehreren Erlebnissen die Massen von VR zu begeistern. Gelingt dieses Vorhaben, oder hat die Minispiel-Kollektion zu wenig zu bieten?

 

Das Konzept klingt durchaus sinnvoll. Sony hat intern parallel zur Hardware-Entwicklung an diverser VR-Software gewerkelt, um Playstation VR im Vorfeld gebührend demonstrieren zu können. Zum Release der Hardware wurden besagte Experimente ausgearbeitet und stehen nun in Playstation VR Worlds zur Verfügung. Dabei zielt Sony darauf ab, die verschiedenen Aspekte des Headsets vorzustellen. So gibt es interaktionsarme Sequenzen, die die reine Immersionsstärke durch das “Mittendrin-Gefühl” vermitteln sollen. Ebenso wird versucht zu präsentieren, wie jahrelang bekannte Konzepte in VR plötzlich auf völlig neue Weise realisiert werden können. Und auch die Bewegungssteuerung durch Playstation Move-Controller wird mit ihrem VR-Mehrwert präsentiert. Das Prinzip ist gelungen, doch so viel schon einmal vorweg: Nicht jede der fünf Erfahrungen konnte mich wirklich überzeugen. Gehen wir auf die einzelnen Spiele ein.

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Fangen wir mit zwei Titeln an, die mich nicht so richtig für sich gewinnen konnten.

VR Luge pflanzt unseren Kopf auf den Körper einer virtuellen Person, die auf einer Art Longboard liegend verschiedene Hügel herunterbrettert. Durch die steilen Abhänge beschleunigen wir dabei automatisch, während per Kopfbewegung gelenkt wird. Unterwegs treffen wir auf diverse Hindernisse. So gilt es immer wieder, vor Autos auszuweichen und Blockaden wie beispielsweise eine Baustelle zu umfahren. Ich hatte Spaß mit diesem Geschehen – doch habe ich nach nur einer halben Stunde kaum noch einen Anreiz, mich erneut in den Modus zu stürzen. Es gibt mit fünf Strecken, die sich leider recht ähnlich befahren, zu wenige Schauplätze. Die reine Highscore-Jagd kann mich langfristig nicht motivieren. In einem alternativen Modus versuchen Spieler, alle fünf Areale mit begrenzter Zeit hintereinander zu absolvieren. Nette Idee, die der Langlebigkeit aber auch nicht hilft.

VR Luge macht Spaß, doch ist es derart kurzweilig, dass es kaum der Rede wert ist. Zudem haben in diesem Modus so einige Spieler mit Motion Sickness zu kämpfen. Auch zeigt sich in Luge die Grafik von ihrer schlechtesten Seite: Die Umgebungen im Hintergrund sind schlichtweg hässlich. Viel konnte ich dem Titel also nicht abgewinnen, obwohl das Prinzip grundsätzlich unterhaltsam ist.

Scavenger’s Hunt hat ebenfalls sehr gute Ansätze. Spieler werden im Weltall in einen Mech gesetzt und springen von Asteroid zu Asteroid, bekämpfen außerirdische Feinde. Mit einer richtigen Handlung hinterlässt der Titel einen gut ausgearbeiteten Eindruck. Wir finden uns in einem Cockpit vor und können mit einer Gatling-Gun schießen. Zudem verfügt unser Mech über die Fähigkeit, diverse Objekte und Hindernisse mit einem Gravitationsfeld zu uns zu ziehen und genau so wieder wegzuschleudern. Das Geschehen hat mich mit dem Sci-Fi-Setting stark an die Metroid-Serie erinnert. In vielerlei Hinsicht ist Scavenger’s Hunt also durchaus gelungen. Doch hat auch dieser Titel mit Problemen zu kämpfen. Er ist aus der Ansammlung wohl das Spiel mit dem größten Potential, für Unwohlsein und Kopfschmerzen zu sorgen.

Bei dieser Aussicht dürfte vielen schlecht werden
Bei dieser Aussicht dürfte vielen schlecht werden

Während das Gefühl im Cockpit dank der VR-Einbindung einen guten Eindruck macht, ist die Fortbewegung problematisch. Der linke Stick regelt die Bewegung, während der rechte Stick die Kameraansicht bedient. Per Blick zielen wir zum Schießen auf unsere Feinde. Dieses Kontrollschema ist vor allem für VR-Neulinge oftmals ein Grund, warum nach wenigen Minuten ein flaues bis kotzübles Gefühl im Magen entsteht. Doch legt Scavenger’s Hunt noch eine Schippe drauf. Wir springen von einem Felsbrocken zum nächsten, was eine stürmische Perspektive zum Resultat hat. Allen voran in hitzigen Gefechten spitzt sich das Problem zu. Auch wenn ich grundsätzlich keinerlei Probleme mit VR-Erfahrungen habe, konnte das Spiel auch bei mir zu einem orientierungslosen Gefühl führen, nachdem ich im Kampf zur Flucht schnell hin und her gesprungen bin. Die Fortbewegungsmechanik ist in Kombination mit der Betonung auf atemberaubende, aber potentiell auch desorientierende Sprünge nicht von allen Spielern auszuhalten. Hinzu kommt, dass das Erlebnis innerhalb einer Stunde vollendet ist und uns kaum dazu motiviert, zurückzukehren.

Die folgenden drei Erfahrungen konnten mich mehr überzeugen.

The London Heist habe ich auf der Gamescom letztes Jahr bereits erleben dürfen. Dort wurde mir schon bewusst, wie effektiv Bewegungssteuerung in VR eingesetzt werden kann. Denn macht das kurze Abenteuer deutlich, dass Storybetonung und VR-Interaktionen Hand in Hand gehen können. Wir planen einen Raubüberfall, doch gelingt dieses Vorhaben nicht ohne Probleme und interessante Wendungen. Da auch dieses Prozedere nur rund 30 Minuten andauert, werde ich nichts von der Handlung vorwegnehmen. Die Geschichte arbeitet mit Zeitsprüngen und ist solide, doch im Endeffekt nichts Besonderes. Beeindruckender ist da die Art und Weise, wie das Geschehen vermittelt wird.

Heist lässt sich sowohl per Move Controller-Paar als auch mit Dualshock 4 erleben. Wirklich interessant wird es erst mit den Moves, denn verkörpern die Controller unsere Hände in der virtuellen Realität besser als das gewöhnliche Pad. Allen voran steht hier das Nutzen von virtuellen Waffen im Vordergrund. In insgesamt drei Szenen nutzen wir unterschiedliche Waffen, die sich in VR per Move beeindruckend abfeuern lassen. Wir fühlen uns mächtig, wenn wir durch genaues Zielen einen Kopftreffer nach dem anderen verteilen. Selbst ganz simples Nachladen wird in VR zum Spaß, denn gelingt es so natürlich und intuitiv, dass keinerlei Erklärung notwendig ist.

Ein besonderes Highlight für mich findet in einem Pub statt. Während auf uns eingeredet wird, findet der Spieler eine Zigarre und ein Feuerzeug vor sich wieder. Natürlich lässt sich die Zigarre anzünden – und täuschend echt rauchen. Ziehen wir an der virtuellen Zigarre, nimmt das Mikrofon an der PSVR-Hardware das Zisch-Geräusch wahr, das wir beim Einatmen verursachen. Dabei glüht die Zigarre realistisch auf. Ebenso registrieren Brille und Spiel das Ausatmen, was mit dem Ausstoßen des Qualms umgesetzt ist. Ein irrelevantes Detail, das in Sachen Immersion aber Wunder bewirkt! Unterm Strich bietet The London Heist eine gelungene VR-Erfahrung, die aber viel zu kurz ist. Neben der 30-minütigen Story kann ein Schießstand den Umfang nur geringfügig verbessern. Wer über Playstation Move-Controller verfügt, wird mit dem Titel den einen oder anderen denkwürdigen Moment erleben.

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Danger Ball nimmt sich das wohl bekannteste Videospiel-Konzept vor: Pong. Doch im dreidimensionalem Raum habt ihr das prägende Spiel noch nie erlebt! Ähnlich wie in VR Luge wird die Steuerung komplett durch die Kopfbewegung vorgenommen. Wir sehen vor uns einer Spielwand, auf der ein kleiner Block im Zentrum unserer Ansicht platziert ist. Dieser Block wandert entlang der Wand, je nachdem, wohin wir dem Kopf schauen. Einige Meter gegenüber von uns sehen wir ebenfalls einen Block, den eine gegnerische KI steuert. Das Geschehen kennt jeder: Ein Ball wird von Seite zu Seite gespielt, bis ein Block den Ball nicht mehr erwischt und dieser durch die Wand gleitet. Gespielt wird bis 5. Aufgepeppt wird das System durch die Möglichkeit, den Ball per Kopfstoßbewegung schmettern und gar anschneiden zu können. In einem Turnier-Modus folgt ein Gegner dem nächsten. Sämtliche Feinde kommen mit Spezialfähigkeiten daher. Ein Bot verfügt zum Beispiel über zwei Blöcke, die das Ausspielen erschweren.

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Andere Bots könnten ebenfalls mit vergrößerter Fläche auf uns warten. Auch gibt es Exemplare, die Bälle gelegentlich besonders hart schlagen oder das Spielgerät ebenfalls anschneiden. Für Abwechslung ist also gesorgt. Neben dem Turnier ist ein Punkte-Modus implementiert. Hier sehen wir Zielscheiben am anderen Ende des Gangs, die mit unterschiedlicher Punktezahl bespickt sind. Ein Multiplikator bei erfolgreicher Spielweise lässt die Punktezahl in die Höhe schießen, am Ende wird auf einer Rangliste der Erfolg gemessen. Das Geschehen ist unglaublich spaßig und gehört tatsächlich zu meinen Lieblingstätigkeiten auf der PSVR. So simpel das Konzept ist, so genial ist es auch! Dazu ist das Spektakel fantastisch inszeniert. Danger Ball wartet mit einer Tron-artigen Präsentation auf und punktet mit tollen grafischen Effekten. Auch die Sound-Folge nach angeschnittenen Bällen trägt zum tollen Spielgefühl bei. Danger Ball ist für mich der Geheimtipp von VR Worlds! Lediglich das Fehlen eines richtigen Online-Multiplayers hat mich enttäuscht.

Am meisten Zeit verbracht habe ich wohl mit Ocean Descent. Dieses Erlebnis war ebenfalls auf vielen Messen vertreten und stellt einen tollen Einstieg in die VR-Welt dar. Das Szenario “Begegnung mit dem Hai” beschreibt bereits im Titel, was auf den Headset-Träger wartet. Doch werden einfache Worte der Erfahrung nicht gerecht. Der Angriff des Hais ist so intensiv gestaltet, dass Ocean Descent für mich zu meiner Lieblings-VR-Demo wurde. Wir werden in einer Art Käfig in einem Gewässer heruntergelassen, sollten eigentlich nur eine Bergung betreuen. Doch taucht am Grund des Meeres ein Hai auf, der gereizt auf unsere Ankunft reagiert. Wer noch nie VR erlebt hat, bekommt hier einen fantastischen Eindruck davon, wie die Technik dreidimensionale Darstellungen meistert.

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Wir nehmen Größenverhältnisse ganz anders wahr, können beispielsweise die Kiemen des Hais aus nähester Nähe mit Bewunderung und Respekt zugleich bestaunen. Leider ist das rund 15-minütige Ocean Descent-Erlebnis mehr oder weniger ein einmaliges. Denn die Faszination entfaltet sich beim ersten Mal natürlich am besten. Doch nutze ich die Sequenz wie erwähnt als erste VR-Demonstration für alle Neulinge, wofür die Hai-Begegnung geradezu perfekt ist. Neben dieser Szene gibt es zwei weitere Varianten, doch sind diese leider nur gekürzte Abschnitte des gesamten Durchgangs. Ich hätte mich über weitere Episoden gefreut, denn lasse ich mich gern von solch interaktionsfreien Vorgängen berieseln, wenn sie derart gut inszeniert sind.

Fazit

Eins kann sich Playstation VR Worlds nicht vorwerfen lassen: Es wird große Variation geboten. Die fünf Erfahrungen könnten thematisch und auch spielerisch nicht unterschiedlicher sein. Sony präsentiert durchaus gut auf mehreren Ebenen, was in VR alles möglich ist. Durch die geringe Spielzeit jedes Abschnitts aber geben die meisten Inhalte nur einen Ausblick darauf, wie ein vollwertiges Werk in die jeweilige Richtung aussehen könnte.

Danger Ball ist langfristig gesehen wohl mein Highlight, denn ist das Pong-Geschehen in VR schlicht unglaublich spaßig. Und auch The London Heist und Ocean Descent konnten überzeugen, bieten nach einmaligem Erleben aber kaum noch Reize. VR Luge und Scavenger’s Hunt haben gute Ideen, verursachen potentiell aber Motion Sickness.

In Playstation VR Worlds lauern fantastische Momente, die für den Preis von 44,99€ allerdings zu rar gesät sind. Zum Ausleihen oder zum Schnäppchenpreis ist die Ansammlung zu empfehlen. Wer jedoch plant, in den nächsten Wochen viele VR-Demos an Freunde und Verwandte zu geben, kommt um den Titel fast nicht herum. Kaum eine andere Software zeigt im Ansatz, was die Zukunft von VR für uns parat halten könnte.

Dominik
Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik und leidenschaftlicher Zocker. Egal ob PC, Konsole, Handhelds oder VR, solo oder multiplayer - ich interessiere mich für die volle Bandbreite, die die Gaming-Welt zu bieten hat. Lieblingsgenres habe ich dennoch: Rennspiele, Action/Adventures, JRPGs und Visual Novels.
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