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Eagle Flight (PSVR) im Test

Releasetermin: 08.11.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Adventure, Geschicklichkeit
Entwickler: Ubisoft Montreal
Herausgeber: Ubisoft

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Ich bin ein großer Fan von Virtual Reality, doch muss auch ich zugeben: Die Technik steht und fällt mit seiner Software. Mit Eagle Flight beweist auch Ubisoft, dass der Entwickler- und Publisher-Gigant an VR glaubt und dazu beiträgt, dass die Technik für Spieler jede Menge zu bieten hat. Daher habe ich mir Eagle Flight mit Spannung angesehen und berichte, wie es sich anfühlt, ein Adler zu sein.

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Frisch geschlüpft

Während manche Videospiele gefühlt nach dem gleichen Schema starten, habe ich gewiss noch nie in der Rolle eines schlüpfenden Adlers gesteckt. Das Ei zerfällt, die Schale löst sich und wir blicken erstmals in die Augen unserer Adlereltern. Neben uns schlüpft in einem zweiten Ei ein weiterer Vogel – denn auch unser Bruder kommt zur Welt. Der Beginn von Eagle Flight ist wirklich charmant präsentiert und etwas besonderes! Wenige Sekunden später sind wir erstmals in der Luft. Unter uns erstreckt sich Paris, doch ist es von starker Vegetation geprägt. Denn findet das Spiel in einer fiktiven Zukunft statt, in der die Menschheit seit 50 Jahren ausgestorben ist. Doch sind die Wahrzeichen von Paris noch erhalten, sodass wir den Eiffelturm, Notre Dame oder das Louvre begutachten können.

Die Geschichte von Eagle Flight fällt nett inszeniert aus – nicht mehr und nicht weniger. Ich hätte mich darüber gefreut, mehr über den Untergang der Menschen zu hören. In der umgesetzten Form geht es voll und ganz um den Adler, der sich in der vorgefundenen Welt zurechtfinden muss. Zwar sind keine Menschen in der postapokalyptischen Welt, doch sind auch andere Tiere – von Elefanten über Giraffen bis hin zu anderen Vögeln – in Paris anzutreffen. Auch wenn die Geschichte im Endeffekt kaum etwas hergibt, stellt sie nicht nur einen tollen Einstieg ins Spiel dar, sondern kann mit einer charmanten Präsentation – in Form einer Doku von einem gelungenen Sprecher vertont – auch über ihre Dauer von rund 5 Stunden unterhalten.

Frei wie ein Vogel

Ja, ihr habt richtig gelesen! Spieler übernehmen die Kontrolle über einen Adler, was aus First-Person-Ansicht gezeigt wird. Das mag zunächst unspektakulär klingen, doch führt dies in VR zu einem wahrlich faszinierendem Erlebnis! Wir haben stets den Schnabel vor Augen und steuern unseren Flug per Kopfbewegung mit Playstation VR. Das funktioniert intuitiv sehr gut und so fühlt es sich erstaunlich natürlich an, mit dem Kopf zu navigieren. Über die simple Blickrichtung hinaus hat das Neigen des Kopfes eine Funktion. Per Neigung in die gewollte Richtung fliegt der Adler eine scharfe Kurve. Wir müssen also zum Wenden nicht unseren Hals verkrümmen, sondern können uns mit einer Kopf-Neigung aushelfen. Auch dies ist gelungen umgesetzt und funktioniert nach wenigen Minuten einwandfrei. Mit L2 und R2 können Spieler ihren Flug beschleunigen und verlangsamen.

So langweilig das nach wie vor klingen mag, so atemberaubend ist dieses Erlebnis dank Virtual Reality. Es ist ein wirklich beeindruckendes Gefühl, die gesamte überwucherte Stadt aus der Luft im Blick zu haben. Wir können durchaus Fahrt aufnehmen und es bringt mir immer wieder einen Adrenalinschub, Richtung Boden zu segeln und im letzten Moment hochzuziehen. Viele Gebäude sowie Hindernisse wie Bäume sorgen dafür, dass der Adler nicht selten die Gefahr läuft, mit einem Objekt zusammenzustoßen. Es ist wirklich schwer, das Erlebnis zu beschreiben. Das Konzept ist so simpel, doch ist es in VR nun einmal auch unglaublich effektiv.

Auch wenn die Idee im ersten Moment nach Motion Sickness schreit, hat Ubisoft einige Tricks im Ärmel, um dieses Problem zu minimieren. Zum einen haben wir unseren Schnabel sowie Federn links und rechts als fixe Blickpunkte stets im Zentrum der Ansicht, was unseren Augen erstaunlicherweise hilft, permanent einen festen Referenzpunkt zu halten. Zum anderen erscheint bei jeder Kopfbewegung ein schwarzer Rahmen um den Bildschirm. Je schärfer die eingeschlagene Kurve, desto mehr wird das Geschehen an den Seiten ins Dunkle gehüllt. Fliegen wir wieder eine Gerade, gibt das Spiel wieder ein größeres Sichtfeld frei. Einmal mehr ein Trick, um Kopfschmerzen oder Übelkeit zu vermeiden.

Ich finde es jedoch schade, dass wir diese Hilfe nicht ausschalten können. Bietet RIGS seinen Spielern beispielsweise optional selbige Komforthilfe, können erfahrene VR-Spieler sie per Option dort ausschalten. Eagle Flight hingegen überlässt uns nicht diese Entscheidung. Ich habe mich daran gewöhnt, doch hätte ich die Freiheit über Optionen dennoch bevorzugt. Insgesamt aber dürfte das Spiel trotz der hohen Geschwindigkeiten und der Flughöhe nur bei den wenigsten Spielern ernsthafte Probleme auslösen. Ubisoft hat dafür gesorgt, dass selbst VR-Neulinge den Titel gut vertragen dürften.

Solider Aufgabenumfang und Sammelobjekte

Die Story von Eagle Flight bietet wie erwähnt etwa 5 Stunden Spielzeit und stellt Spielern 23 Missionen vor. Hier müssen wir zum Beispiel Federn suchen und einsammeln, um ein Nest zu bauen. Weiterhin gilt es unter anderem, Fische knapp über dem Wasser abzufangen. Oder durch extrem enge Katakomben zu fliegen. Besonders viel Spaß hatte ich daran, durch eine Reihe von Ringen zu fliegen und neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Dazu gesellen sich diverse Nebenaufgaben nach selbem Schema, die das Spiel als “Herausforderungen” präsentiert. Wir haben in der Spielwelt von Paris einiges zu tun und so dauert es dann doch mehr als die geschätzten 5 Storyaufgaben-Stunden, bis wir auch wirklich jede Tätigkeit mit drei Sternen gemeistert und alle Sammelobjekte gefunden haben. Beim Budget Preis von unter 40€ geht der Umfang in Ordnung, auch wenn es ruhig mehr und abwechslungsreichere Aufgaben hätte geben können.

Die gebotenen Tätigkeiten sind jedoch toll auf das Geschehen abgestimmt. Bevor die Missionen zu monoton werden, führt das Spiel eine neue Mechanik ein. Plötzlich kann unser Adler mit einem schrillen Kreischen eine Energie-Kugel verschießen, um andere Wesen anzugreifen. Zusätzlich steht eine Fähigkeit zur Verfügung, die uns temporär vor feindlichen Angriffen schützt. Ich muss zugeben: Zunächst hat es mich total herausgerissen, dass nach all den friedlichen Aufgaben die Tiere plötzlich um Leben und Tod kämpfen.

Aus spielerischer Sicht aber kommen die Gefechte gelegen und bringen Abwechslung ins Geschehen. Haben es mehrere Feinde auf uns abgesehen, wird Eagle Flight durch die neue Mechanik gar zur Herausforderung. Es ist gar nicht so leicht, den „Kreischwellen“ von diversen Gegnern auszuweichen. Mit hektischen Kopfbewegungen und Ausnutzen der Gebäude und Konstruktionen wird das Ausweichen und Fliehen zum großen Spaß. Und auch das Schießen ist unterhaltsam, obwohl es zunächst gewöhnungsbedürftig ist und hohe Präzision erfordert.

Während die Missionen mir gut gefallen haben, kommt früher oder später dann doch ein repetitives Gefühl auf. Schließlich sind die Gameplay-Elemente so simpel gehalten, dass dies kaum abzuwenden ist.

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Hitzige Adler-Gefechte

Deshalb hat Ubisoft einen Online-Multiplayer implementiert, der mit adrenalingeladenen Gefechten die Monotonie überspielen soll – mit Erfolg! Im kompetitiven Geschehen treten zwei Dreier-Teams gegeneinander an. In Paris ist Beute verteilt, die die Adler in ihr Nest bringen müssen. Das Konzept ist quasi das Capture The Flag der Vogelwelt. Mit unseren Schüssen halten wir die drei feindlichen Tiere von der Beute fern und versuchen, das Ziel selbst aufzusammeln und, von dichten Gebäuden geschützt, Richtung Nest zu transportieren. Ich hatte wirklich großen Spaß am Multiplayer. Nach jedem “Tod” brannte ich darauf, es den feindlichen Adlern nach dem Respawn heimzuzahlen!

Da mich der Multiplayer so gut unterhalten hat, war ich enttäuscht zu sehen, dass nur ein Modus enthalten ist. Der CTF-Verschnitt ist gelungen, doch hätte ich mich über mehr Abwechslung gefreut. Da wir permanent in Paris sind, hat es mich gefreut, dass mit unterschiedlichen Wetterbedingungen und Tageszeiten zumindest für Variation bei den Umgebungen gesorgt ist. Doch fand ich auch schade, dass es wohl nicht allzu viele Spieler gibt, die Eagle Flight spielen. Ich habe zwar immer innerhalb von 5 Minuten ein Match gefunden. Doch oftmals verließen Spieler die Session mitten im Spiel. Ich kann nur hoffen, dass auch in einigen Monaten noch Online-Spieler anzutreffen sein werden.

Paris als toller Schauplatz

Haben wir von den Gefechten einmal genug und wollen auch eine Pause von den Missionen einlegen, können wir Paris nach Belieben frei erkunden. Neben der Story und dem Multiplayer bietet sich die Option, uns im Schauplatz ohne Verpflichtung auszutoben. Es hat durchaus etwas beruhigendes, friedlich die Stadt bis auf den letzten Winkel abzufliegen. Zur Beschäftigung sind weiterhin Federn oder Fische als Sammelobjekte versteckt. Doch habe ich es wirklich genossen, auch einmal völlig ohne Ziel durch die Luft zu streifen. Das liegt unter anderem auch daran, dass Eagle Flight auch visuell ein tolles Erlebnis bietet.

Der Artstil der Tiere ist knuffig und so freute ich mich jedes Mal aufs Neue, eine neue Kreatur entdeckt zu haben. Die Vegetation ist toll in Szene gesetzt und so wird besonders der Eifelturm oder die Notre Dame zum optischen Höhepunkt. Eagle Flight bietet wahrlich eine ungewöhnliche Darstellung der Stadt! Die Beleuchtung ist ebenfalls Grund dafür, dass der Titel so interessant aussieht. Mit variierendem Sonnenlicht und veränderten Wetterbedingungen ruft das Spiel unterschiedliche Stimmungen auf und weiß damit umzugehen. So spielt sich Eagle Flight im strömenden Regen tatsächlich fast schon bedrückend, während wir bei strahlendem Wetter frei von Sorgen durch die Lüfte ziehen. Ich habe den Titel auf der PS4 Pro gespielt, auf der Eagle Flight ein wirklich klares Bild zum Resultat hat! Das Spiel gehört sowohl technisch als auch stilistisch zum Besseren, was VR bisher an Grafik zu bieten hat.

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Fazit

Eagle Flight hat solch ein simples Konzept, das in Virtual Reality erstaunlich unterhaltsam ist. Ich bin wahnsinnig gerne über den Dächern des überwucherten Paris geflogen! Die Steuerung mit dem Kopf fällt intuitiv aus und dank Komforthilfen ist das Adler-Geschehen selbst für VR-Neulinge angenehm gestaltet. Mir hat besonders gut gefallen, dass der Titel sich von zwei Seiten zeigt: Einerseits ist es sehr entspannend, ohne Ziel durch die Lüfte zu kreisen. Andererseits treiben so manche Missionen und allen voran die Online-Gefechte den Adrenalinpegel in die Höhe. Schade nur, dass sich der Titel nach einigen Stunden etwas monoton spielt und auch der Umfang hätte größer sein können. Allen voran weitere Online-Modi hätten dem Spiel gut getan.

Unterm Strich bietet Eagle Flight ein tolles VR-Erlebnis, das mit charmanter Storyprämisse und Spielwelt, toller Grafik und simplem, aber gelungenem Spielkonzept deutlich zu den besten Spielen gehört, die Playstation VR zu bieten hat.

 

Positiv-Icon Simples Konzept, effektive Umsetzung in VR

Positiv-Icon Steuerung per Kopf gelingt wunderbar
Positiv-Icon Komforthilfen bewirken angenehme VR-Erfahrung

Positiv-Icon Paris als toller Schauplatz zur Erkundung

Positiv-Icon Grundsätzlich gelungener Umfang

Positiv-Icon Sehr spaßiger Online-Modus

Positiv-Icon Grafik und Sound sind toll

Negativ-Icon Früher oder später monoton – mehr Abwechslung hätte nicht geschadet
Negativ-Icon Nur ein Multiplayer-Modus, dadurch auch Online repetitiv
Dominik
Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik und leidenschaftlicher Zocker. Egal ob PC, Konsole, Handhelds oder VR, solo oder multiplayer - ich interessiere mich für die volle Bandbreite, die die Gaming-Welt zu bieten hat. Lieblingsgenres habe ich dennoch: Rennspiele, Action/Adventures, JRPGs und Visual Novels.
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