Auf der Gamescom 2026 konnte ich rund eine Stunde in Honkai: Nexus Anima eintauchen und mir einen ersten Eindruck davon verschaffen, wie sich das neue Projekt von Hoyoverse, dem Entwickler von Genshin Impact und Honkai: Star Rail, spielt.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass die namensgebenden Anima das Herzstück des Spielerlebnisses darstellen. Dabei handelt es sich um Kreaturen mit einzigartigen Eigenschaften und Fähigkeiten, die nicht nur im Kampf, sondern vor allem in der Fortbewegung und Erkundung eine große Rolle spielen. Einige dieser Anima können als Reittiere genutzt werden, darunter pferdeartige Wesen oder sogar fliegende Begleiter. Auf Wasser diente mir zudem ein Hai-Begleiter als praktisches Surfbrett. Aktiviert werden können weiterhin spaßige Fähigkeiten, die alle möglichen Effekte auslösen. Ein Anima löst eine Art Rauchexplosion aus, ein anderer Anima positioniert sich direkt vor mir und fungiert als Sprungfeld. Optisch besonders ulkig war ein kleiner Pilz, der bei der Aktivierung extrem lange Beine bekam und hinter mir her torkelte.
Manche dieser Fähigkeiten scheinen primär für visuell spaßige Momente gedacht zu sein, während andere tatsächlich nützlich sind. So gibt es etwa einen Anima, das die meisten gewöhnlichen Schlösser öffnen kann. Die Animationen dieser Kreaturen waren durchweg hochwertig und äußerst niedlich gestaltet. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein großer Reiz darin besteht, neue Anima zu entdecken, zu fangen und ihre einzigartigen Fähigkeiten auszuprobieren. Die Anima können mit Materialien aufgewertet werden, was sich auf Werte wie Lebenspunkte, Angriff, Mana und Rüstung auswirkt. In einem sogenannten Anidex waren in der Demo 85 einzigartige Anima verzeichnet, wobei zusätzlich besondere Varianten existieren sollen.
Neben dem Sammeln von Anima und dem Erkunden der Spielwelt steht ein Kampfsystem im spielerischen Vordergrund. Der Kampfaspekt präsentierte sich in Form eines Autobattlers mit einer einfachen Benutzeroberfläche. In einem Raster werden Anima strategisch angeordnet, anschließend findet der Kampf nach Auslösung völlig automatisiert statt. Auszulösende Manöver und der ausgeteilte Schaden hängen von den Eigenschaften der eingesetzten Anima und deren Werten ab. In der Demo war ich mit meinem Anima-Aufgebot auf Stufe 50 unterwegs und musste meine Taktiken kaum anpassen, um den verfügbaren Inhalt mühelos zu bewältigen. Daher bleibt abzuwarten, wie anspruchsvoll und abwechslungsreich das Kampfsystem im fertigen Spiel tatsächlich sein wird. Zumindest präsentierte sich mir das System bisher als recht zugänglich und einfach zu verstehen.
Im Zuge meiner Session konnte ich das “Infinite Vortex“-System kennenlernen. Darüber sollen Entscheidungen Einfluss auf den weiteren Ausgang der Story haben. Über Checkpoints sollen später bereits getroffene Entscheidungen wieder umgekehrt werden können. In der Demo führte mich eine Quest in ein Gebäude, in dem sich viele Figuren wiederfinden, die mit Anima und einem Abzeichen ausgestattet sind. Im Gespräch müssen die Figuren überzeugt werden, gegen uns im Kampf anzutreten. Bei einem Sieg erlangen wir das Abzeichen des besiegten Charakters. Manche Figuren ziehen freiwillig in den Kampf, andere müssen in Gesprächsoptionen und durch geleistete Gefallen dazu überredet werden, ihre Abzeichen-Nummer zu verraten und ein Duell einzugehen. Hier hatte ich beispielsweise die Möglichkeit, geradewegs mein Abzeichen mit anderen Teilnehmern zu teilen oder mich bedeckt zu halten.
Vier Attribute bestimmen, welche Optionen in Gesprächen geboten werden: Stärke, Charisma, Intelligenz und Glück. Auf diese Weise können Begegnungen, die normalerweise in einem Kampf geendet hätten, durch geschicktes Verhandeln vermieden werden. Wie sich diese vier Attribute steigern lassen, habe ich in der Demo hingegen nicht erfahren. Die Auswirkungen meiner Entscheidung habe ich ebenso nicht erleben können. Doch in meiner Zeit mit dem Spiel hat das Quest-System einen positiven Eindruck hinterlassen. Auch die Dialoge sowie die englische Sprachausgabe wirken hochwertig. Gewöhnungsbedürftig für mich war zunächst, dass es einen Erzähler aus dritter Person gibt, woran ich mich aber schnell gewöhnen konnte.
Außerhalb von Konversationen und Story-Sequenzen ist es möglich, das Aussehen anderer Figuren anzunehmen, die wiederum auch Einfluss auf die Kämpfe haben. Diese Charaktere wurden in der Demo als “Eidoses” betitelt, wovon eine Konstellation aus drei Eidos-Figuren gemeinsam mit den Anima in den Kampf ziehen und ebenfalls Schaden verursachen. Die Story ist hingegen um eine Protagonisten-Figur aufgebaut, die wie für Spiele von Hoyoverse üblich wahlweise männlich oder weiblich ausfällt.
Neben der Story-Mission rund um das Erlangen neuer Abzeichen habe ich die weiteren Inhalte der präsentierten Version ausprobiert. Es können Geschäfte erworben und mit Münzen aufgewertet werden, die anschließend stündliche Gewinne abwerfen. Ein Personalmanagement ist ebenfalls Teil des Systems, wobei die Anima als Angestellte fungieren und unterschiedliche Effizienzwerte besitzen. In klassischer Gacha‑Manier wurden weiterhin zeitlich beschränkte Events und zahlreiche Ziele geboten, die Spielende bei Erfüllung mit Ressourcen und Währungen belohnen. Eidos und Anima werden im fertigen Spiel über das Gacha-Element zu erlangen sein, wobei sich Anima auch durch das reguläre Spielgeschehen fangen lassen. Wie großzügig der Gacha-Aspekt ausfallen wird, muss sich zeigen.
Vorläufiger Eindruck
In meiner rund einstündigen Gamescom‑Session mit Honkai: Nexus Anima konnte das Spiel einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen. Der Mix aus Sammelspaß, Autobattler‑Mechaniken und erzählerischen Entscheidungspfaden ist vielversprechend. Die Anima überzeugen mit zuckersüßen Animationen und vielseitigen Fähigkeiten. Die Dialoge wirken gut geschrieben und sind mit einer hochwertigen englischen Sprachausgabe versehen. Das Kampfsystem war in der Demo sehr zugänglich, fiel aber so wenig fordernd aus, dass ich mir hier noch keine wirkliche Meinung bilden konnte. Wenn die gebotenen Systeme gut ineinander greifen und die Gacha-Elemente fair ausfallen, hat Hoyoverse den nächsten Hit in der Hand.








