Releasedatum: 07.04.2026
Medientyp: Download
Genre: JRPG, Musical-Adventure
Entwickler: Iridium Studios
Herausgeber: Annapurna Interactive
Mit People of Note präsentiert das Entwickler Studio Iridium Studios ein JRPG mit einer musikalischen Komponente. Der Titel kombiniert klassische Rollenspielmechaniken mit einer farbenfrohen Welt, die vollständig um verschiedene Musikgenres herum aufgebaut ist. Ich habe mir die Reise der angehenden Popsängerin Cadence auf dem PC und auf portablen Geräten wie dem Steam Deck OLED angesehen und möchte euch berichten, wie gut das Konzept funktioniert und ob der Mix aus JRPG und Musical aufgeht.
Auf der Suche nach dem perfekten Klang
People of Note erzählt die Geschichte von Cadence, einer angehenden Sängerin aus der von Popmusik geprägten Stadt Chordia. Cadence größter Traum ist es, beim Notevision Song Contest aufzutreten. Doch als ihr Castingversuch von einem strengen Juror niedergemacht wird, beschließt Cadence, sich auf eine Reise quer durch das Land Note zu begeben, um den einzigartigen Sound zu finden, der ihr doch noch den Sieg bescheren könnte.
Auf ihrem Weg trifft sie Musizierende aus aller Welt, die jeweils ein eigenes Genre verkörpern, darunter Rock, Rap oder Electronic Dance Music. Gemeinsam stoßen sie nicht nur auf neue Klänge, sondern decken auch eine größere Verschwörung auf. Besonders gefallen hat mir, wie konsequent das Spiel seine musikalische Prämisse in Szene setzt: Neue Widersacher betreten die Bühne mit musikalischen Einlagen, die Musical-Charakter haben und stellenweise sogar an große Disney-Momente aus beispielsweise Frozen erinnern.
Zwar bietet die Handlung keine allzu tiefgreifende oder emotional überwältigende Geschichte. Doch die charmanten Figuren, die humorvollen Begegnungen und die liebevoll gestaltete Welt haben mich dennoch gut unterhalten.
JRPG trifft auf Musical
Spielerisch kombiniert People of Note klassische JRPG-Elemente mit einem starken Musikfokus. Die überwiegend linearen Korridore erinnern an Final Fantasy X, während das Waffensystem mit kleinen und großen Slots zum Einsetzen von „Liedsteinen“ und „Remix-Steinen“ deutliche Parallelen zum Materia-System aus Final Fantasy VII aufweist. Ergänzt wird das Ganze durch Quick-Time-Events in den Kämpfen, die im Takt leichte Boni gewähren und mich an den modernen Genrehit Clair Obscur: Expedition 33 denken ließen. Trotz dieser vielen Anleihen fühlt sich das Spiel nicht wie ein bloßes Best-of des Genres an. Durch die stets präsenten, musikalischen Ideen entsteht eine eigene Identität, die sich angenehm frisch anfühlt.
Rundenbasierte Kämpfe mit Strophen, Crescendos und Mashups
Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab und sind in Strophen unterteilt. Am unteren Bildschirmrand lässt sich genau ablesen, welche Aktionen Gegner planen und wie viele Züge man hat, um sich darauf vorzubereiten. Jede Strophe wird in einem anderen Musikstil gespielt, sodass man den Anreiz erhält, die richtige Figur zum Angreifen zu wählen, die aktuell einen Bonus erhält. In den Dungeon-ähnlichen Gebieten sammelt man Vinyls, die als Währung dienen, um neue Fähigkeiten zu kaufen. Stärkere Fähigkeiten kosten zur Auslösung mehr „Beatpunkte“, weshalb man über den „Pause“-Befehl Punkte ansparen kann, um anschließend mächtige AoE-Angriffe, Gruppen-Buffs oder Heilfähigkeiten zu entfesseln.
Besonders spannend wird es bei Bossen, die über eine Art Rage-Mechanik namens Crescendo verfügen. Erhöht ein Boss das Crescendo, erhält er massive Verstärkungen und kann die Gruppe schnell auslöschen. Dadurch wirkt die Balance gelegentlich etwas unausgewogen: Während die ersten Stunden fast schon zu leicht ausfallen, gibt es später plötzliche Schwierigkeits-Spitzen, die zu wiederholten Niederlagen führen können. Wenn sich ein Kampf immer weiter in die Länge zieht, weil ich meine wertvollen Beatpunkte kontinuierlich für Heil- und Wiederbelebungsmanöver einsetzen muss, nur um dann nach einem 15-minütigen Kampf doch wieder zu sterben, führt das unweigerlich zu Frust.
Immerhin lässt sich jederzeit ein zufälliger Kampf herbeirufen, um zu grinden und dabei das ein oder andere Level aufzusteigen und neue Taktiken auszuprobieren. Auch der Schwierigkeitsgrad kann jederzeit geändert werden. Puzzle-Kämpfe sorgen zusätzlich für Abwechslung und belohnen mit vielen Erfahrungspunkten. Insgesamt entwickelt sich das Kampfsystem stetig weiter, da neue Musikgenres zusätzliche Buffs, Fähigkeiten und Mashup-Optionen freischalten. Völlig ohne Frustmomente kommt das Kampfgeschehen aber nicht aus.
Städte voller Musik, gelegentlich aber mit erschwerter Orientierung
Abseits der Kämpfe erkundet man lineare Dungeons und löst darin seichte Umgebungsrätsel. Es gibt Städte zu entdecken, die jeweils einem Musikgenre nachempfunden sind. Die Umgebungen sind voller kleiner Details und lassen Hinweise auf das in der Region vorherrschende Genre finden. Auch aus den Gesprächen mit NPCs lernt man immer wieder Informationen zu den musikalischen Vorlieben einer Stadt. Die Dialoge sind unterhaltsam und oft humorvoll.
Etwas störend fand ich jedoch, dass es zwar eine Weltkarte gibt, die Städte jedoch keine eigene Karte bieten. Dadurch musste ich häufiger komplette Gebiete ablaufen, um den nächsten Story-Punkt zu finden. Auch ein klassisches Schnellreisesystem fehlt, was die Orientierung zusätzlich erschwert. Das ständige Hin- und Herlaufen wird auf Dauer etwas öde.
In den Shops lassen sich nicht nur neue „Liedsteine“-Fähigkeiten erwerben, sondern auch Ausrüstung (das Instrument, ein Fashionstück sowie ein Accessoire) jeweils mit cleveren, genrebezogenen Namen (z. B. der „Linkin Parka“ als Kleidungsstück). Liedsteine und Remix-Steine lassen sich mit erlangten Fähigkeitspunkten verbessern. Nebenquests bieten kleine Geschichten und nette Belohnungen. Ich habe viele, wenn auch nicht alle dieser Nebenaufgaben erledigt und insgesamt rund 17 Stunden benötigt, um das Spiel abzuschließen. Für den Budgetpreis von 23,99 € ist das ein solider Umfang. Allerdings sollte man keine allzu umfassenden Nebenaktivitäten oder zur Wiederholung einladende Minispiele erwarten.
People of Note bleibt ein eher kompaktes, geradliniges Abenteuer, was mir grundsätzlich gefallen hat. Dennoch ließ mich diese Linearität auch davon träumen, wie großartig ein offenerer Nachfolger mit mehr optionalen Inhalten sein könnte.
Charmante 2D-Story und gelungen gestaltete 3D-Areale
Die Geschichte wird überwiegend in 2D-Visual-Novel-Optik erzählt, was gut zum Stil des Spiels passt. Allerdings war ich nach den ersten erlebten 3D-Musical-Sequenzen, die sehr ansehnlich animiert sind, etwas enttäuscht, dass nicht mehr Storymomente in dieser aufwendigen Form präsentiert werden. Die Dungeons sind abwechslungsreich gestaltet, Gegnerdesigns sind kreativ und einmal mehr musikbezogen (schon einmal einen Gitarren-Fisch gesehen?). Mit hübschen Reflexionen in den schlauchartigen Arealen kann die Optik punkten. Die Effekte im Kampf sehen gut aus und insgesamt macht das Spiel einen grafisch soliden Eindruck. People of Note eignet sich hervorragend für portable Geräte. Auf dem Steam Deck OLED und dem MSI Claw 8 AI+ läuft das Spiel einwandfrei.
Soundtrack mit musikalischen Highlights und tollen Stimmen
Alle Hauptfiguren und wichtigen Charaktere sind vollständig in Englisch vertont und ihre musikalischen Auftritte werden sogar von den jeweiligen Sprecherinnen und Sprechern gesungen. Das sorgt für einige beeindruckende Gesangseinlagen. Der Soundtrack gehört klar zu den größten Stärken des Spiels: Die Vielfalt der Genres, die eingängigen Melodien und die musikalische Inszenierung bleiben im Gedächtnis. Schade ist lediglich, dass die meisten Nebenfiguren stumm bleiben und nur Textboxen beim Sprechen erscheinen. Bei den deutschen Texten haben sich hier und da Fehler eingeschlichen, zudem klingt die Übersetzung manchmal sperrig. Bestenfalls seid ihr des Englischen mächtig, damit ihr nicht auf die Texte angewiesen seid.

























