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Thief im Test

Thief-CoverReleasetermin: 28.02.2014

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Eidos Montréal
Herausgeber: Square Enix
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Innovative, bahnbrechende und Genre-bestimmende Spiele zu entwickeln – davon träumt wohl jedes Studio. Den Jungs und Mädels von Looking Glass Studios gelang dies mit Titeln wie System Shock und Thief. Letzteres, bei uns auch als Dark Project: Der Meisterdieb bekannt, stellte seinerzeit eine Revolution des noch mau besetzten Stealth-Genres dar. Der Nachfolger stammte aus dem selben Studio, das aus finanziellen Gründen leider aber dicht machen musste. Ein dritter Teil, entwickelt vom Ion Storm Austin-Team, spaltete die Fangemeinde, woraufhin der Serie erst einmal einige Jahre Ruhe gewährt wurden. Nun schreiben wir das Jahr 2014, ein weiterer Ableger der Reihe steht nun in den Läden. Doch wie viel vom Originalspiel steckt in Thief von Eidos Montreal drin? Gelingt das Reboot, das die schwere Aufgabe hat, alte Fans und Serien-Neulinge gleichermaßen zu begeistern? Wir sind an Garretts Seite von Schatten zu Schatten gehuscht und stellen euch den neusten Teil vor.

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Interessante Ansätze, schwache Charaktere – die Story

Thief ist hinsichtlich der Handlung eine komplette Neuauflage, die nur den Protagonisten sowie den Schauplatz aus der Vorlage übernimmt. Das muss natürlich kein schlechtes Omen sein, jedoch leidet der Titel an einer insgesamt recht schwachen Story. Die meisten Charaktere wecken nur schwer unser Interesse und die Erzählung kommt ungleichmäßig in Fahrt. Thief beginnt mit einem klassischen „Job geht schief“-Szenario. Der geplante Diebstahl unseres Meisterdiebes Garretts und seines Schützlings, der sturen und waghalsigen Erin, geht furchtbar schief – die beiden geraten in ein mysteriöses Ritual, was Erins Tod zur Folge hat. Garrett verschwindet für rund ein Jahr aus „Der Stadt“ und wird bei seiner erneuten Ankunft mit ganz anderen Verhältnissen konfrontiert. Eine schlimme Seuche ist ausgebrochen und unter Regierung des Barons Northcrest herrscht vollständiges Chaos, sehr zum Vorteil des wohlhabenen Anteils der Bevölkerung. Uns Spielern wird in der Rolle von Garrett deutlich aufgezwungen, uns schuldig für den Tod Erins zu fühlen , was einfach nicht so recht klappen will, obwohl uns dies als der wichtigste Antrieb für Garretts Handeln präsentiert wird. Fehlende Hintergrundinformationen machen es uns schwer, wirklich mit Garrett mitzufühlen. Den Wandel der Stadt können wir allerdings sehr gut bemitleiden, was die tolle Atmosphäre des Schauplatzes schafft. Die dreckigen Gassen und der Kontrast zwischen Arm und Reich lassen uns gerne mit Garrett in die Rolle des klassischen Robin Hood schlüpfen, der sich eigentlich nur die Situation zu Nutzen machen will, nach und nach aber immer mehr zur Hoffnung für die leidende Bevölkerung wird. Die Story ist ein typisches zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es sehr interessante Punkte wie die geheimen Machenschaften des Barons, die man allerdings aufgrund der Schwächen in der Figurendarstellung und des Story-Pacings nicht in vollen Zügen genießen kann. Hier wird viel Potential verschenkt. Den wenigen überzeugenden Momenten sei Dank ist die Handlung aber mit Sicherheit kein Reinfall.

 

Von Schatten zu Schatten – das Gameplay

Die Kernelemente in Thiefs Spielgeschehen sind recht solide. Das Erkunden ist in der Spielwelt möglich und kommt nicht zu kurz. Garrett kann in jeder Ecke verschiedene Gegenstände aufsammeln und natürlich verbringen wir auch viel Zeit mit dem Durchforsten fremder Häuser auf der Suche nach wertvollen Objekten. Besonders spaßig ist es, einen Safe zu knacken, da dies mit einem kleinen Schlossknacker-Minispiel verbunden ist. Die meiste Zeit verbringen wir allerdings mit dem Schleichen, lauern im Schatten und nutzen Garretts Hilfmittel, um Feinde zu umgehen oder auszuschalten. Dabei wird viel Wert auf Gerissenheit und Verstand gelegt, da man mit unüberlegten, waghalsigen Aktionen öfter den Game Over-Bildschirm sieht, als einem lieb ist. Garrett steht in den Hauptmissionen mal mehr, mal weniger überzeugenden Levelabschnitten entgegen, die es trotz meist mehrerer Bewacher zu überqueren gilt. Die Gegner bewegen sich in den verschiedenen Arealen in unterschiedlichen Routen, die leider recht einfach zu entschlüsseln sind. Zur Überwindung der Gegner lassen sich diverse Hilfsmittel benutzen. Mit dem Touchpad des Dualshock 4 Controllers lässt sich die Ausrüstung wechseln, was erstaunlich gut klappt. Zur Verfügung steht zum Beispiel ein Bogen mit Wasserpfeilen. Schießt man mit solch einem auf eine Fackel, die das Sichtfeld der Feinde beleuchtet, hat Garrett die Oberhand auf dem Spielfeld. Die Dunkelheit ist seine größte Waffe und so kann er ungesehen von Schatten zu Schatten rutschen. Leider lässt sich die Gegner-KI zu leicht von der Dunkelheit beirren. Flüchtet man in eine dunkle Stelle, nachdem man zuvor gesichtet wurde, verliert der Alarmierte Garrett gerne einmal aus den Augen. Solch ein Verhalten ist nicht nachzuvollziehen und stört ein wenig die sonst stimmige Stimmung beim Schleichen. Weitere Hilfestellung macht das Vorgehen noch einfacher. Wir können hinter einer Mauer stehend an dieser vorbei spähen, ohne für die Gegner sichtbar zu sein. Ebenso erleichtert der „Fokus“ dem Protagonisten den Überblick über das Spielfeld, da mit dieser Funktion die Silhouetten aller Feinde sowie interagierbare Stellen in der Umgebung aufblitzen. Zum Glück bietet uns Thief aber eine Reihe an Einstellungsmöglichkeiten, die das Spielgeschehen etwas schwerer gestalten. So lassen sich zum Beispiel verschiedene Funktionen wie Fokus ganz wegschalten. Es gibt sehr viele optionale Vorgaben wie zum Beispiel die Vorschrift, dass man niemals Schaden nehmen darf. Das verändert nicht nur die Spielerfahrung, sondern hat auch Auswirkungen auf das neue Leaderboard. Je schwerer man sich selbst das Vorgehen gestaltet, desto mehr Punkte regnet es bei bestandener Mission. Dieser Aspekt treibt die Wiederspielbarkeit voran. Wir hätten uns gewünscht, dass anstatt dessen abwechslungsreiche und interessante Nebenmissionen dieses Element zur Folge haben. Leider wissen die Aufgaben abseits der Story keineswegs zu überzeugen, da diese meist nach dem selben langweiligen Schema ablaufen. Deshalb sind wir dankbar, dass es überhaupt einen Wiederspielwert gibt, auch wenn dieser von der optionalen Rangliste ausgeht. Dadurch stört es auch nicht, dass dem Titel kein Multiplayer aufgezwungen wurde.

 

Optisch mit Problemen, akustisch eine Katastrophe – die technischen Aspekte

Technisch hat uns Thief weitestgehend leider nicht überzeugt. Der Eindruck kommt bereits nach wenigen Minuten auf, wenn man die ersten Zwischensequenzen mit Framerate-Problemen erlebt hat und von den vielen, langen Ladebildschirmen aus dem Spielfluß gebracht wird. Es gibt so einige matschige Texturen, die sich auch ganz gern mal ein wenig Zeit lassen, bis sie aufploppen. An der stets dunklen Farbgebung der Spielwelt kann man sich eventuell zu schnell satt sehen, was wir dem Spiel aber nicht allzu sehr ankreiden wollen. Andere Aspekte fallen positiver aus und so können wir ein tolles Zusammenspiel von überzeugender Beleuchtung und entsprechenden Schatten bestaunen, worin die bereits angesprochene starke Atmosphäre resultiert. Während wir der Optik wenigstens einige Pluspunkte zugestehen können, fällt uns das bei den akustischen Elementen jedoch schwerer. NPCs haben während ihren Gesprächen ungleich laute Stimmen, sodass einer quasi flüstert, während der andere ihm ins Gesicht schreit. Auch während Zwischensequenzen gibt es des Öfteren Probleme mit dem Sound. Es passiert sogar häufig, dass mehrere Figuren gleichzeitig aufeinander einsprechen, was in einem riesigen, unverständlichen Stimmenchaos endet. Dass bei einigen Charakteren der Ton, sowohl im englischen Original als auch auf Deutsch, die Stimmen nicht perfekt zu den Lippenbewegungen passen, ist da noch das geringste Übel. Hier hat Eidos Montreal schlampig gearbeitet und wir hoffen, dass es sich hier um einen Ausrutscher handelt und bei zukünftigen Spielen mehr Wert auf den Soundaspekt gelegt wird.

3

 

Fazit

Thief macht es uns schwer, uns in die Rolle des digitalen Meisterdiebes zu verlieben. Während das Grundkonzept des Spielgeschehens stimmt und die Story interessante Aspekte aufweist, fehlt es an allen Ecken und Kanten an etwas. Die schwach inszenierten Charaktere tun der Handlung nicht gut. Langweilige Nebenmissionen und eine für ein Stealth-Spiele fragwürdige Gegner-KI stören das ansonsten solide Spielgeschehen. Die tolle Atmosphäre kommt durch ständige Ladebildschirme und viele Tonaussetzer immer wieder ins Stocken. Hinter vielen Mängeln verborgen liegt ein tolles Spiel, das sich leider nur erahnen, nicht aber in vollen Zügen genießen lässt. Dennoch macht das Gameplay im Kern Spaß und das implementierte Leaderboard lässt uns diverse Aufgaben immer wieder anders angehen. Schade, dass hier so viel Potential verschwendet wurde, so können wir für Thief nur eine bedingte Kaufempfehlung ausprechen.

 

Positiv-Icon Solide Gameplay Elemente

Positiv-Icon Tolle Atmosphäre

Positiv-Icon Viele Optionen zur Anpassung des Spielgeschehens…

Positiv-Icon …sowie das damit verbundene Leaderboard

Negativ-Icon Figuren bleiben blass

Negativ-Icon Lange Ladezeiten, Framerate-und Texturprobleme

Negativ-Icon Nebenmissionen belanglos

Negativ-Icon Gegner-KI zu leicht zu überlisten

Negativ-Icon viel zu viele Sound-Mängel

Dominik
Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik und leidenschaftlicher Zocker. Egal ob PC, Konsole, Handhelds oder VR, solo oder multiplayer - ich interessiere mich für die volle Bandbreite, die die Gaming-Welt zu bieten hat. Lieblingsgenres habe ich dennoch: Rennspiele, Action/Adventures, JRPGs und Visual Novels.
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