Releasedatum: 21.05.2026
Medientyp: Download
Genre: Visual Novel, Cozy Gameplay
Entwickler: Toge Productions, Chorus Worldwide Games
Herausgeber: Chorus Worldwide Games
Das Entwicklerstudio Toge Productions hat im Jahr 2020 das Spiel Coffee Talk veröffentlicht, in dem Spielende Kaffee zubereiten und die vielseitigen Geschichten der Gäste anhören. Drei Jahre später folgte eine direkte Fortsetzung. Während diese beiden Teile in Seattle angesiedelt waren, verlagert sich der dritte Teil in neue Gefilde und entstand in Zusammenarbeit mit Chorus Worldwide. Coffee Talk Tokyo ist mit neuem Setting und weitestgehend neuen Figuren ein eigenständiger Titel, der sich auch ohne Kenntnis über die zwei vorherigen Spiele erleben lässt. Wie mir der Barista-Simulator gefallen hat, erfahrt ihr in meinem Review.
Gemütliche Gespräche im Herzen Tokios
Coffee Talk Tokyo spielt sich über fünfzehn Tage hinweg in einem kleinen Café ab. In der Rolle eines Baristas in der japanischen Hauptstadt begegnen Spielende Wesen, die tief in der spirituellen Kultur des Landes verwurzelt sind. Yokai, Geister und andere übernatürliche Gestalten leben hier in friedlicher Koexistenz mit den Menschen und suchen im Café einen Ort, an dem sie ihre Sorgen von der Seele reden können.
Über diese 15 Tage hinweg kommen die unterschiedlichsten Charaktere vorbei, um Trost zu finden, ihre Gedanken zu sortieren oder einfach ein wenig Ruhe bei einem leckeren Tee, Kaffee oder erfrischenden Drink zu genießen. Neben den Gästen spielt auch die Assistentin Vin eine zentrale Rolle in der Handlung. Sie begleitet Spielende durch die Nächte, bringt ihre eigenen Probleme mit und wird zu einer wichtigen emotionalen Konstante im Spiel.
Trotz gelegentlicher humorvoller Momente konzentriert sich die Geschichte vor allem auf Themen wie Trauer, Zugehörigkeit und Akzeptanz. Die Gründe für die Sorgen der Figuren sind vielfältig und reichen von persönlichen Krisen bis hin zu gesellschaftlichen Herausforderungen. Dadurch findet vermutlich jeder Spielende eine Persönlichkeit, mit der er sich identifizieren kann. Doch auch romantische Nebenhandlungen finden hier statt. Coffee Talk Tokyo behandelt all diese Themen mit einer angenehmen Sensibilität und Wärme. Die Menschen und Wesen, die das Café besuchen, erzählen herzerwärmende, aber auch herzzerreißende Geschichten. Welchen Ausgang die Handlungen letztlich nehmen, können Spielende direkt mit ihren Drinks beeinflussen.
Visual Novel mit jeder Menge Lesestoff
Wie für Visual Novels typisch, besteht der Großteil des Spiels aus Lesen. Wer das Konzept liebt, findet über den Story-Modus hinaus zusätzliche Spielvarianten, in denen man Getränke unabhängig von der Handlung serviert. Diese optionalen Modi sorgen für noch mehr Beschäftigung. Außerdem gibt es mehrere Enden. Wer sie alle sehen möchte, muss mehrere Durchgänge einplanen. Je nach Lesegeschwindigkeit und Bereitschaft, wirklich jeden Dialog und jeden optionalen Inhalt zu erleben, kann die Spielzeit stark variieren. Zwischen 6 und 20 Stunden sind realistisch, je nachdem, wie gründlich man vorgeht.
Social-Media-App schafft Überblick
Um den Überblick über die Ereignisse zu behalten, steht eine Social-Media-App auf dem virtuellen Smartphone zur Verfügung. Dort finden sich täglich neue Nachrichtenartikel und Posts, die aktuelle Entwicklungen, Zusammenhänge und Beziehungen zwischen Figuren aufzeigen. Ich empfand dieses Feature als cleveren Kniff, um der Spielwelt Leben einzuhauchen. Da man das Café nie verlässt, wäre es sonst schwierig, ein Gefühl für das größere Umfeld zu bekommen. Die App liefert genau die Art von Kontext, die das Geschehen glaubwürdiger sowie lebendiger macht und mich manche Gefühlslagen der Figuren besser verstehen ließ.
Mischen von Getränken als zentrales Spielelement
Coffee Talk Tokyo verzichtet vollständig auf klassische Dialogentscheidungen. Stattdessen treffen Spielende eine Wahl durch Getränke, die den Gästen serviert werden. Stimmt das Rezept, hilft das Getränk den Figuren, sich zu entspannen und offener über ihre Probleme zu sprechen. Wie gut Spielende ihre Gäste bedienen, beeinflusst letztlich, welches der mehreren Enden sie erhalten. Das Brauen selbst folgt einem einfachen System: Es werden drei Zutaten kombiniert: eine Basis, sowie eine primäre und sekundäre Zutat. Die Reihenfolge spielt eine Rolle und ebenso muss darauf geachtet werden, ob der Gast etwas Warmes oder Kaltes möchte. Sobald ein Getränk serviert wurde, wird das Rezept gespeichert und kann jederzeit im Handy nachgeschlagen werden.
Als narrative Mechanik funktioniert dieses Konzept hervorragend, weil es Spielende dazu zwingt, den Charakteren wirklich zuzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen, welches Getränk sie sich wünschen. Gleichzeitig bleibt das Gameplay sehr simpel und hätte durchaus etwas mehr Abwechslung vertragen können. Bei Getränken mit Milchschaum kann über eine Schablone sowie per freier Zeichnung zudem ein personalisiertes Motiv gestaltet werden. Viel mehr Tiefgang und Abwechslung im Spielgeschehen darf allerdings nicht erwartet werden.
Wenn Getränke-Wünsche vage bleiben
Manchmal kann Coffee Talk Tokyo frustrierend sein. Das Spiel ist gelegentlich sehr ungenau darin, was ein Gast eigentlich trinken möchte. Wenn jemand etwa nach einem Getränk verlangt, das sich „wie eine Umarmung anfühlt“, muss man kreativ werden und mit den vorhandenen Zutaten experimentieren. Ist man mit dem Ergebnis unzufrieden, kann man das Getränk verwerfen und neu ansetzen, bevor man es serviert. Theoretisch lässt sich auch jederzeit der Spielstand neu laden, was ich persönlich jedoch eher ermüdend und lästig finde. Besonders ärgerlich ist es, wenn man durch ein falsch serviertes Getränk eine vermeintlich wichtige Enthüllung verpasst.
Zum Glück muss man aber nicht jedes Getränk perfekt treffen. Zu jedem Charakter lassen sich drei Freundschaftsstufen aufbauen. Erreicht man die Stufe „Enge Freundschaft“, kann man das beste Ende einer Figur freischalten. Für diesen Status muss nicht jeder einzelne Drink perfekt gewählt werden. Allzu viele Fehltritte darf man sich allerdings nicht erlauben. Trotz dieser gelegentlichen Frustmomente gelingt es dem Spiel, seine einfachen Mechaniken mit einer entspannten, manchmal melancholischen Atmosphäre zu verbinden und so ein sehr eigenes Erlebnis zu schaffen.
Stilvolle Präsentation
Angesichts des kleinen Entwicklerteams überrascht es nicht, dass das Spiel ohne Sprachausgabe auskommen muss. Das ist schade, denn professionelle Sprecher hätten dem Erlebnis zusätzlichen Glanz verliehen. Immerhin überzeugt die Qualität der Texte: Ich habe keine nennenswerten Rechtschreib- oder Grammatikfehler in den englischen Dialogen entdeckt. Eine deutsche Übersetzung der Texte ist ebenso verfügbar und gut gelungen. Der Soundtrack besteht aus entspannten Lo‑Fi‑Beats, die hervorragend zu den ruhigen Gesprächen und dem Barista-Alltag passen.
Schon beim Start fällt das charmante Charakterdesign ins Auge. Die Designs der Gäste wirken abwechslungsreich und bleiben visuell im Gedächtnis. Auch die Getränke haben jeweils ihr eigenes stilisiertes Pixel-Art-Motiv, und das Menü, in dem man die drei Zutaten auswählt, ist ansprechend gestaltet. Der Titel versprüht insgesamt einen sehr eigenen Stil und viel Persönlichkeit.













