Meine rund einstündige Session in Tides of Annihilation begann in einem postapokalyptischen, von Verderben verunstalteten London, das bekannte Wahrzeichen in völlig neuen Formen präsentierte. Das British Museum fungierte als erster Schauplatz in der Demo und war sofort wiedererkennbar, gleichzeitig aber von der Spielwelt verfremdet. Am Ende der Demo fand ich mich zudem in einem anderen Reich wieder, in dem gigantisch große Pyramiden im Hintergrund zu sehen waren, die an jene in Gizeh erinnerten. Einmal mehr war der Anblick verfremdet. Vor den Pyramiden präsentierte sich ein großer Tempel, der von anmutenden Statuen und schwebenden Artefakten umgeben war. Diese Mischung aus bekannten Wahrzeichen und fremdartigen Einwirkungen verlieh dem Spiel eine Atmosphäre, die sich sofort von üblichen Fantasy‑Schauplätzen abhob.
Der grafische Ersteindruck hat mich von den Socken gehauen. Die Umgebungen wirken hochwertig gestaltet und punkten mit scharfen Texturen. Die Darstellung der veränderten Wahrzeichen war visuell ein großes Highlight. Obwohl ich mitten in eine Storymission geworfen wurde und die Handlung nur in Teilen verstand, überzeugten sowohl die Animationen der Charaktermodelle als auch die englische Sprachausgabe auf Anhieb. Die Prämisse um die Jagd nach dem Heiligen Grals stellt eine interessante Ausgangslage dar und macht mich neugierig auf die vollständige Handlung. Die Protagonistin Gwendolyn präsentierte sich mit einem markanten Design und ansehnlich animierter Haarpracht.
Der Weg durch das korrumpierte British Museum war überwiegend linear gestaltet. Mir boten sich aber immer wieder optionale Abzweigungen und leichte Rätsel, die den Spielfluss angenehm abwechslungsreich machten. Die Kämpfe finden in Third‑Person‑Perspektive statt und erinnerten mich an klassische Character‑Action‑Titel wie die Devil May Cry- oder Bayonetta-Serie. Die Demo vermittelte einen gut abgestimmten Ablauf aus Erkundung, Kämpfen und Rätsel‑Segmenten. Ein entscheidender Twist im Spielgeschehen liegt darin, dass Tides of Annihilation die Legende rund um König Artus aufgreift. Gwendolyn kann als letzte Überlebende der legendären Ritter der Tafelrunde bis zu zwei „Spektralritter“ gleichzeitig beschwören, die an ihrer Seite kämpfen.
Die Steuerung paart schnelle Kombos mit Ausweichmanövern und einer Parade, mit der sich durch ein rotes Licht angekündigte Angriffe kontern lassen. Über die linke und rechte D-Pad-Tasten lassen sich die verfügbaren Spektralritter auswählen, deren Angriffe mit Y und R2 (auf dem Xbox Controller) betätigt werden. L1 dient als Modifikator, um nochmal neue Manöver auszuüben. An die Steuerung musste ich mich für einige Minuten gewöhnen, doch schon bald fühlte sich das Steuerschema stimmig an. Gwendolyns Nahkampfreichweite ist begrenzt, doch die Ritter ergänzten das Angriffsarsenal mit Fernangriffen und Flächenattacken. Die Ritter können somit taktisch im richtigen Moment eingesetzt werden. Gwendolyns Angriffsmöglichkeiten sind durch aufladbare Attacken, Spezialmanöver mit den Rittern und einen Burst‑Angriff erweitert, der mit einer hübsch choreografierten Zwischensequenz überzeugen kann.
Ein Bosskampf, der vermutlich eine zentrale Rolle früh im Spiel einnehmen wird, bildete für mich den Höhepunkt der Demo. Die Inszenierung des Kampfes, der sich über zwei Phasen erstreckte, war bombastisch. Mit dutzenden Partikeleffekten und spektakulären Kamerafahrten wurde die epische Begegnung toll eingefangen. Die Angriffsmuster des Bosses waren gut erkennbar, sodass der Kampf trotz seiner Länge nicht unfair wirkte. Ich musste zwar von meinen fünf Heiltränken Gebrauch machen. Dennoch erinnerte mich der Kampf nicht an ein beinhartes Soulslike. Der Kampf war zwar kein Zuckerschlecken, doch ich hatte das Gefühl, dass die bombastische Inszenierung im Vordergrund steht. Einen weiteren Boss, der in der Demo verfügbar war und vermeintlich anspruchsvoll sein soll, konnte ich zeitlich nicht mehr erleben. Ich bin aber gespannt, wie fordernd Tides of Annihilation letztlich ausfallen wird. Drei Schwierigkeitsgrade standen zur Auswahl. Ich entschied mich für die mittlere Stufe, die mir spaßige Kämpfe beschert hat.
Vor dem Bosskampf erhielt ich einen kurzen Einblick in das Ausrüstungssystem. Rüstungen und Waffen ließen sich im Demo-Abschnitt finden oder durch Kämpfe verdienen. Ein Charaktermenü zeigt übersichtlich, welche Werte verbessert oder verschlechtert werden, wenn ein neues Ausrüstungsteil angelegt werden soll. Zusätzlich konnte ich Runen aktivieren, die Gwendolyn weiter verstärken sollen. Da sich später mutmaßlich weitere Spektralritter freischalten lassen, stehen Spielende in der fertigen Version wohl vor der Entscheidung, welche Begleiter sie in den Kampf mitnehmen. Das System und die Benutzeroberflächte wirken in der Demo zugänglich und leicht verständlich. Daher hoffe ich, dass das Gefühl von Fortschritt und Machtzuwachs im fertigen Spiel motivierend vermittelt wird.
Vorläufiger Eindruck
Tides of Annihilation hat mich insbesondere mit seinen aus der Realität vertrauten, aber merklich abgewandelten Schauplätzen und dem spaßigen Kampfgeschehen rund um spektrale Ritter begeistert. Audiovisuell gehört der Titel zum Besten, was ich auf der Messe erleben durfte. Die Integration des Mythos von König Artus in die Story scheint vielversprechend und hat eine tolle Atmosphäre zum Resultat. Ich hoffe, dass Tides of Annihilation diese Qualität über den gesamten Spielverlauf halten kann und dass die Entwickler von Eclipse Glow Games eine baldige Veröffentlichung planen.










