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Releasedatum: 21.05.2026

Medientyp: Download
Genre: CRPG, Spionage-Thriller
Entwickler: ZA/UM
Herausgeber: ZA/UM

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Obwohl der große CRPG-Erfolg Disco Elysium bereits lange ganz oben auf meiner Backlog-Liste steht, habe ich es bisher noch nicht geschafft, den Titel zu spielen. Auch den Tumult beim Entwicklerstudio ZA/UM rund um den fragwürdigen Rausschmiss von Gründungsmitgliedern habe ich nur am Rande verfolgt. Das soll mich aber nicht davon abhalten, das neue Werk von ZA/UM mit dem Titel Zero Parades: For Dead Spies auszuprobieren. Der spirituelle Nachfolger zu Disco Elysium ist nun erhältlich und ich verrate euch, wie mir das neue Spiel ohne Kenntnis über den beliebten Vorgänger gefallen hat.

Eine düstere Geschichte, die wie ein Puzzle zusammengesetzt wird

Zero Parades: For Dead Spies versetzt Spielende in die Rolle von Hershel Wilk. Die Operantin mit dem Codenamen “Cascade” kommt in der Küstenstadt Portofiro zu sich und hat einen Filmriss. Es wird vermittelt, dass sie ihre Mission in den Sand gesetzt hat. Doch was genau passiert ist und warum Wilk nun wieder auf Mission geschickt wird, bleibt zunächst offen. Ihre erboste Controllerin macht über Funk jedoch unmissverständlich klar, dass Wilk ihre Mission dringend wieder auf Kurs bringen muss. Dabei bleibt Wilk selbst lange im Dunkeln, worin ihre Mission überhaupt besteht.

Dass Wilk ohne nötiges Vorwissen gleich ins Geschehen geworfen wird, erschwerte mir persönlich den Einstieg stark. In einer isometrischen Perspektive steuern wir eine Protagonistin, die zunächst eher wie ein Schatten ihrer selbst wirkt. Spielende sammeln nach und nach Bruchstücke einer Geschichte aus Intrigen, Dystopie, Kapitalismus und Techno-Faschismus. Wir bekommen wie Wilk den Auftrag, die Story-Puzzlestücke zu einem großen Storygeflecht zusammenzusetzen. Dass man zu Beginn vor lauter Lore rund um den Schauplatz Portofiro, der Reise in Wilks Vergangenheit und persönlichen Schicksalen der angetroffenen NPCs gar nicht weiß, welche Handlungs-Fragmente überhaupt wichtig sind, trug dazu bei, dass die ersten Stunden für mich zäh waren. Doch Zero Parades verdient Anerkennung dafür, wie es all diese losen Enden Stück für Stück zusammenführt. Mit steigender Spielzeit fühlte ich mich in Portofiro durch die dystopische Stimmung zwar nicht unbedingt wohler, konnte in den Konversationen aber immer besser identifizieren, welche Informationen für mich von Bedeutung sind.

Eine Stadt, die ihre Geheimnisse im Dialog preisgibt

Portofiro ist ein Ort, der für Protagonistin Wilk wie ein melancholisches Relikt geprägt von politischen Spannungen, Verfall und einer schleichenden Bedrohung dargestellt wird. Mit steigendem Fortschritt wird der Schauplatz um neue Bezirke erweitert, die einmal mehr weitere Geheimnisse und interessante Charaktere beheimaten. Die Atmosphäre ist bedrückend, wird gelegentlich aber durchbrochen von Wilks trockenem Humor, der den sonst so ernsten Ton gut aufbricht und mich häufig zum Schmunzeln brachte.

Das Spiel besteht zu einem überwältigenden Teil aus Gesprächen. Hier gibt es nicht nur gelegentlich einige Dialoge durchzuklicken, sondern eine schier endlose Menge an Text, Entscheidungen und Verzweigungen. Viele Dialoge mit den NPCs scheinen zunächst völlig losgelöst von der Hauptmission, doch fast jeder von ihnen trägt ein kleines Puzzleteil zur Wahrheit bei. Wer sich darauf einlässt, wird mit hervorragend geschriebenen Dialogen belohnt, die den mysteriösen Unterton des Spiels perfekt tragen. Die Geschichte wird auf Englisch erzählt, bietet allerdings auch deutsche Texte für alle Konversationen und die Menüführung. Der Schreibstil war für mich zunächst gewöhnungsbedürftig, hat sich letztlich aber als durchaus stimmig im Gesamtbild erwiesen.

Die fragile Psyche als zentrale Spielmechanik

Der spielerische Kern von Zero Parades ist Wilks psychischer Zustand. Sie ist überfordert, unwohl und vermutlich gar nicht in der Verfassung, diese Mission anzutreten. Drei Werte bestimmen ihr mentales Gleichgewicht: Erschöpfung, Angst und Delirium. Jede Entscheidung, die Spielende treffen, kann den Zustand in diesen Kategorien beeinflussen. Anfangs fühlte sich das System rund um die Erhöhung und Reduzierung der Zustände unberechenbar an, fast schon willkürlich. Erst mit der Zeit entwickelte ich ein Gefühl dafür, welche Entscheidungen welche Konsequenzen haben können.

Steigen die Werte über ihre Grenzen, verliert man einen Skillpunkt, was einen harten Rückschlag darstellt, da der Aufbau neuer Punkte mühsam ist. Um regelmäßig für Entlastung zu sorgen, können Spielende die Protagonistin Wilk schlafen schicken. Das soll aber keinen Freifahrtschein darstellen – nach einer Ruhepause muss durch Gespräche und Ereignisse in der Spielwelt ausreichend Zeit vergehen, bevor wir uns erneut schlafen legen können. Hin und wieder gibt es weitere Ereignisse, um die angestauten Stresszustände zu reduzieren. Dennoch ist das System stellenweise gnadenlos, was aber super zur Handlung und der vermittelten Stimmung passt.

Wann lohnt es sich, an die Grenzen zu gehen?

Im Rahmen der stundenlangen Gespräche kommt ein Würfelsystem zum Einsatz als zentrales Spielelement. Immer wieder erhalten wir die Möglichkeit, mit einem Paar Würfeln ein Zielergebnis zu erreichen und somit wichtige Dialogoptionen oder Aktionen freizuschalten. Manche Würfe laufen im Hintergrund und sind direkt in den Gesprächsfluss eingebaut, andere lösen wir aktiv aus und sehen die Würfel rollen.

Besonders spannend wird es, wenn wir bewusst riskieren, Wilks psychischen Zustand zu verschlechtern. Über die “Anstrengen”‑Funktion kann die Erfolgschance bei den sogenannten “Proben” gesteigert werden. Dadurch wird ein dritter Würfel verfügbar gemacht und die Wahrscheinlichkeit, die Zielzahl zu erreichen, gesteigert. Doch unabhängig vom Erfolg erhöht sich die Belastung in einer der drei Kategorien. Natürlich kann man speichern und neu laden, wenn ein Wurf misslingt. Doch ich habe schnell gelernt, dass Scheitern Teil des Spiels ist. Für Spielende gilt es stets abzuwägen, ob die verborgenen Informationen den Anstieg an Erschöpfung, Angst oder Delirium wert sind. Manche Ereignisse entfalten sich völlig anders, je nachdem, ob man Erfolg hat oder scheitert. Fans des Genres werden hier reichlich Wiederspielwert finden, da sich der Spielverlauf in Abhängigkeit vom Glück verändert. Mit einer Spielzeit von rund 30 Stunden hat Zero Parades aber auch für all diejenigen, die Spiele nur einmalig erleben wollen, einen üppigen Umfang parat.

Personalisierungsmöglichkeiten rund um Skills, XP und Kleidung

Unsere Chancen in den Proben hängen direkt mit Wilks mentalem Zustand zusammen. Jede der drei Kategorien setzt sich aus fünf individuellen Skills zusammen. Zu Beginn wählen wir eine Voreinstellung oder erstellen unsere eigene Skillverteilung in den verschiedenen Fähigkeiten. Skillpunkte lassen sich durch Überschreitung der Limits schnell verlieren, neue zu verdienen hingegen dauert eine gewisse Weile. XP sammeln wir passiv, beispielsweise durch Gespräche, Entdeckungen oder das Öffnen neuer Wege. Bei 100 XP gibt es einen neuen Skillpunkt, der frei vergeben werden kann. Auf diese Art können die Fertigkeiten von Wilk personalisiert und auf bestimmte Spielweisen zugeschnitten werden.

Weitere Personalisierung kommt durch Kleidung und Accessoires ins Spiel. Jedes Kleidungsstück bringt eigene Skillboni mit sich. Dadurch war ich motiviert, die Spielwelt von Portofiro zu erkunden, da hinter jeder Ecke ein neues Kleidungsstück lauern kann. Wühlt Wilk im Mülleimer, findet sie beispielsweise eine Brille, die nicht nur als weiteres Puzzlestück einer Nebenhandlung fungiert, sondern fortan auch stylisches Accessoire zum Anziehen ist. Gleichzeitig stellte mich das Ausrüstungssystem ständig vor schwierige Entscheidungen. Kleidungsstück A ist nicht partout besser als Kleidungsstück B, sondern liefert abweichende Skillaufwertung. So ist es durch die Kleidung ebenfalls möglich, die Fertigkeiten der Protagonistin individuell festzulegen. Weiterhin finden sich regelmäßig Verbrauchsgegenstände wie Medikamente oder Bierflaschen, die helfen, die drei Zustands-Leisten im Zaum zu halten.

Gedankenspiele und Actionsequenzen mit Gewicht

Im Menü finden wir außerdem eine Karte für die Orientierung und Schnellreise, eine Übersicht der laufenden Aufgaben sowie das Konditionierungs-Menü. Dabei handelt es sich um ein Gedankenarchiv, das nach dem Ermitteln wertvoller Informationen weitere Boni freilegen kann. Die Sache hat aber einen Haken: Jeder ausgerüstete “Gedanke” bringt Restriktionen mit sich, die bei Regelverstoß zu Nachteilen führen. Hier kann einmal mehr ein ganz individualisierter Spielstil gestaltet werden. Beispiel gefällig? Mit dem “Schattenheer” wird das Würfeln für Proben nachts einfacher. Dies gilt aber nur, solange man sich nachts nicht schlafen legt. Erneut greift das Prinzip, dass sich die verfügbaren Mittel nicht zwangsläufig in “gut” und “schlecht” unterteilen lassen, sondern schlicht unterschiedliche Spielstile begünstigen.

Auch wenn Zero Parades über weite Strecken langsam abläuft und textlastig ist, münden all die erwähnten Systeme in überraschend intensive Actionsequenzen. Hier entscheidet sich, ob Wilk Gefahren entkommt, wichtige Entdeckungen macht und ihre Werkzeuge effektiv einsetzt. Da Glück immer ein Faktor bleibt, fühlten sich manche Momente frustrierend an. Immer wieder kam es in meinem Durchlauf zu eskalierten Situationen, die nur wegen eines misslungenen Würfelwurfs entstanden. Doch die Geschichte motiviert stark genug, um dranzubleiben, selbst wenn man vermeintlich wichtige Entscheidungen in den Sand setzt.

Hübsche Aquarell-Dystopie mit stylischen Menüs

Zero Parades präsentiert sich in einer isometrischen Ansicht, die sich heranzoomen lässt, um näher am Geschehen zu sein. Der Grafikstil ist mit einer Aquarelloptik sehr ansehnlich. Doch auch ohne Disco Elysium jemals gespielt zu haben, fielen mir umgehend starke Parallelen auf. Mich hat diese Ähnlichkeit nicht gestört, doch wer auf ein völlig einzigartiges Erscheinungsbild hofft, könnte womöglich enttäuscht werden. Der Schauplatz Portofiro lädt zum Erkunden ein und bietet viele kleine Details, die man leicht übersehen könnte, die aber viel zur Atmosphäre beitragen.

Ich habe das Spiel sowohl am Desktop-PC als auch auf den beiden PC‑Handhelds Steam Deck und MSI Claw 8 AI+ gespielt. Zu meiner Freude läuft Zero Parades auf diesen Geräten hervorragend. Regnet es in Portofiro, kann es zu gelegentlichen Einbrüchen der Bildrate kommen. Diese Fälle sind aber selten und fallen nicht stark ins Gewicht. Sollte der Text auf den portablen Screens zu klein wirken, bietet das Spiel eine Option zur Vergrößerung der Benutzeroberfläche. Ich hätte mich zudem über eine Unterstützung von Ultrawide-Auflösungen gefreut. Immerhin kann mit Hilfe von Mods bereits eine rudimentäre Funktionsweise in bis zu 32:9-Bildformaten erreicht werden. Sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit Controller lässt sich der Titel sehr gut steuern.

Ein geheimnisvoller Soundtrack und gewöhnungsbedürftige Stimmen

Der Soundtrack ist stimmungsvoll, geheimnisvoll und trägt die melancholische Spionageatmosphäre perfekt. In actionreicheren Momenten zieht die Musik das Tempo an und untermalt die Gefahr der Situation gelungen.

Die Sprecherleistungen sind insgesamt solide, auch wenn sie etwas Eingewöhnung erfordern. Protagonistin Wilk spricht mit einem ungewöhnlichen Akzent und einer monotonen, kratzigen Stimme. Anfangs empfand ich das als störend, doch mit der Zeit entwickelte ich eine gewisse Wertschätzung für diese Eigenart, die die Figur zusätzlich besonders macht. In meiner Vorabversion waren allerdings einige Dialoge noch nicht vertont, obwohl eine vollständige Sprachausgabe versprochen wurde.

Überblick der Rezensionen
Story. Charaktere und World Building
9
Spielmechaniken und Spielspaß
8
Inhalt und Umfang
9
Grafik und Sound
9
Vorheriger ArtikelSystem-Trailer zu Echoes of Aincrad zeigt mehr vom Gameplay des Spiels
Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik und leidenschaftlicher Zocker. Egal ob PC, Konsole, Handhelds oder VR, solo oder multiplayer - ich interessiere mich für die volle Bandbreite, die die Gaming-Welt zu bieten hat. Lieblingsgenres habe ich dennoch: Rennspiele, Action/Adventures, JRPGs und Visual Novels.
zero-parades-for-dead-spies-im-testZero Parades: For Dead Spies ist ein Spionageabenteuer, das sich langsam entfaltet und seine Stärken erst nach und nach offenbart. Die textlastige Spielart, das Zustands-System sowie das Hoffen auf das Quäntchen Glück beim Würfeln verlangen Geduld, belohnen dafür mit einer dichten Atmosphäre, clever verzahnten Mechaniken und umfassenden Möglichkeiten, einen individuellen Spielstil zu formen. Portofiro überzeugt mit einem aquarellartigen Grafikstil und detaillierten Umgebungen. Dazu gibt es einen atmosphärisch passenden Soundtrack und herrlich vertonte Figuren, die zunächst vielleicht eigenwillig klingen mögen, sich nach einiger Zeit aber toll in das Gesamtbild einreihen. <p></p> Unterm Strich ist Zero Parades ein ungewöhnliches, intensives Erlebnis, das nicht frei von frustrierenden Momenten ist, aber mit einer besonderen Erzählart und einer fesselnden Geschichte auftrumpfen kann.