Releasedatum: 02.10.2026
Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action, Arcade-Luftkampf
Entwickler: Project Aces
Herausgeber: Bandai Namco
Die Ace Combat-Reihe geht in die achte Runde. Auch wenn für die Serie bisher in über 31 Jahren neben den Hauptspielen auch mehrere Spin-Offs veröffentlicht wurden, habe ich bisher noch keinen Titel so richtig erlebt. Mit Ace Combat 8: Wings of Theve hat sich das nun geändert. Ob mir das neue Spiel von Bandai Namco und Project Ace als Neuling gefallen hat, erfahrt ihr in meinem Review.
Der Mythos lebt weiter
Ace Combat 8 steckt Spielende einmal mehr in die Welt von Strangereal, die im Jahr 2029 von einem groß angelegten militärischen Konflikt erschüttert ist. Wie ich durch eine kurze Recherche erfahren habe, spielen die meisten Teile der Reihe in diesem fiktiven Universum. Vorwissen ist für das Verständnis der Handlung allerdings nicht notwendig. Noch bevor die Kampagne so richtig beginnt, offenbart sich die erste Wendung. Der legendäre Kampfflieger „Wings of Theve“, dem der stumme Protagonist als Co-Pilot zugewiesen wird, stirbt bereits in der Eröffnungsmission. Kurz zuvor offenbart er uns, dass sein Ruf als unbesiegbares Fliegerass lediglich gezielter Propaganda zuzuschreiben ist. Um die Moral der Bevölkerung aufrecht zu erhalten, nimmt die stumme Spielfigur anschließend die Legende des Wings of Theve an. Fortan gilt es nicht nur, Luftschlacht für Luftschlacht in einem anhaltenden Krieg zu gewinnen, sondern auch der Rolle gerecht zu werden, die das Symbol der Hoffnung für eine ganze Nation darstellt.
Die Handlung nimmt im Spiel deutlich mehr Raum ein, als ich zunächst erwartet hatte. Als Neuling im Ace Combat-Universum wusste zwar, dass die Geschichte in den Spielen für gewöhnlich einen hohen Stellenwert hat. Dass es aber so viele Storysequenzen gibt, hat mich zunächst wirklich erschlagen. Vor quasi jeder Mission warten aufwendig inszenierte Zwischensequenzen, die sowohl die Geschichte weitererzählen als auch in einem Missionsbriefing die anstehenden Einsätze erläutern. Nach erfolgreichen Einsätzen folgen weitere Filmsequenzen, während in den Missionen selbst regelmäßig Funkgespräche zwischen den Piloten zu hören sind. Mal lockern diese mit freundlichen Scherzen die Stimmung auf, mal unterstreichen sie aber auch den Ernst der Lage in besonders brenzligen Situationen. Dabei können die englischen Sprecher überzeugen, die den Figuren Leben einhauchen.
Die Geschichte und ihre Figuren haben mich grundsätzlich gut unterhalten. Auch wenn manche Charaktere ein wenig aufgedreht wirken und für ein Kriegsszenario eine zu freudige Stimmung an den Tag legen, entsteht schnell das Gefühl, Teil eines größeren militärischen Konflikts zu sein. Besonders die Ausgangssituation rund um die künstlich geschaffene Legende des Wings of Theve sorgt für eine spannende Prämisse. Gleichzeitig gab es auch Momente, in denen mir die zahlreichen Storypassagen schlicht zu viel wurden. Nicht immer war ich in der Stimmung für lange Dialoge oder dramatische Enthüllungen. Manchmal wollte ich schlicht wieder ins Cockpit steigen und die nächste Mission starten. Wer die Kampagne in Ace Combat 8 erleben will, muss also durchaus Geduld und eine Vorliebe für häufige narrative Unterbrechungen mitbringen. Da der Titel neben der Story auch weitere Modi für sofortige und kompromisslose Action bietet, möchte ich dem Spiel seine Langatmigkeit in der Story allerdings gar nicht ankreiden.
Unterschiedliche Flugzeuge mit spürbaren Eigenheiten
Sehr positiv gestimmt hat mich die Vielfalt der verfügbaren Flugzeuge. Rund ein Dutzend verschiedener Jets stehen zur Auswahl und unterscheiden sich nicht nur in ihrer Höchstgeschwindigkeit oder Beschleunigung. Auch das Steuerverhalten fällt deutlich unterschiedlich aus. Manche Maschinen reagieren äußerst agil auf Eingaben, andere fühlen sich schwerfälliger an.
Dadurch machte es mir großen Spaß, neue Modelle auszuprobieren und ihre Eigenheiten kennenzulernen. Natürlich gibt es durchaus Flugzeuge, die sich recht ähnlich spielen. Insgesamt ist es den Entwicklern aber gelungen, den Maschinen ausreichend Besonderheiten im Flugverhalten zu verleihen. Schon früh wird wichtig, für bestimmte Missionstypen die geeignetsten Flugzeuge zu wählen. Ebenso sind Spielende gefordert, die richtigen Waffen, also Luft-zu-Luft oder Luft-zu-Boden auszusuchen. Auch die Waffen fühlen sich gelungen in der Nutzung an und überzeugen mit einem System rund um automatische Anvisierung und Zielverfolgung.
Wie Serienfans gewohnt sein dürften, bietet das Spiel zwei Steuerungsvarianten. Die klassische Steuerung richtet sich an Neulinge und lässt sich schnell verinnerlichen. Wer hingegen etwas tiefer in die Materie eintauchen möchte, kann auf den „Experten“-Steuerungstypen zurückgreifen. Als neuer Spieler kann ich bestätigen, dass die Standard-Steuerung in der Tat sehr intuitiv gestaltet ist und mich das Rotieren, Gieren und Neigen schon in kurzer Zeit gut beherrschen ließ. Wer schon länger nicht mehr im virtuellen Cockpit saß oder sich schlicht im Umgang mit den Flugzeugen verbessern will, hat verschiedene Trainingsmissionen zur Auswahl, mit denen die einfache sowie anspruchsvolle Steuerung geübt werden kann.
Spektakuläre Einsätze am Himmel
Die Kampagne überzeugt mit einer erfreulichen Missionsvielfalt. Mal gilt es, Bodentruppen gegen angreifende Helikopter zu verteidigen, mal ein gigantisches Landschlachtschiff auszuschalten oder kritische Stützpunkte und Wachtürme zu zerstören. Neu hinzugekommen sind unter anderem sogenannte Vernichtungskämpfe, bei denen innerhalb eines Zeitlimits eine bestimmte Punktzahl durch Abschüsse erreicht werden muss. Wie schnell und effizient ein Einsatz abgeschlossen wird, wirkt sich direkt auf die spätere Bewertung und Belohnung aus.
Die Missionsziele sind meist klar verständlich und grundsätzlich fair gestaltet. War mir eine Aufgabe nicht auf Anhieb klar, half es mir zumeist, das Missionsbriefing zu wiederholen, das meine Strategie für die Vorbereitung in die richtige Richtung lenkte. Frustrierend können hingegen Abstürze werden. Zwar existiert ein Checkpoint-System, dieses aktiviert sich aber teilweise erst nach längerer Zeit in einer Mission. In einigen Einsätzen war ich weit über 10 Minuten unterwegs, ohne einen neuen Kontrollpunkt freizuschalten. Wird man kurz vor Erreichen des nächsten Abschnitts abgeschossen oder kracht in den Boden beziehungsweise ins Meer, muss die gesamte Mission erneut gespielt werden. Da die Schlachtfelder häufig ausgesprochen hektisch ausfallen, kam dies bei mir anfangs häufiger vor, als mir lieb war. Immerhin gibt es mehrere Schwierigkeitsgrade, die sich vor jedem Missionsbeginn ändern lassen.
Gelungene Progression und überraschend nützliche KI-Kameraden
Neben den eigentlichen Missionen motiviert vor allem das Fortschrittssystem zum Weiterspielen. Nach erfolgreichen Einsätzen wird Geld verdient, das in einem umfangreichen Freischaltbaum investiert werden kann. Im sogenannten „Flugzeugschema“ warten neue Flugzeuge, Spezialwaffen und diverse Upgrade-Teile. Auf den ersten Blick wirkt dieses System aufgrund seiner zahlreichen Verzweigungen ziemlich einschüchternd. Nachdem ich mein erstes Geld verdiente und die initialen Upgrades freischaltete, zeigte sich allerdings schnell, dass das System dahinter recht simpel ist und für eine angenehm stetige Progression sorgt.
Vor jeder Mission stellt sich die Frage, welches Flugzeug, welche Bewaffnung und welche Verbesserungen am besten zur bevorstehenden Aufgabe passen. Je mehr Teile ins eigene Arsenal aufgenommen werden, desto leichter lassen sich die Anpassungsmöglichkeiten auf Missionstypen zuschneiden. Da unterschiedliche Jets über verschiedene Slots für Modifikationen verfügen, lohnt sich das Experimentieren mit den verfügbaren Flugzeugmodellen und kreativen Konstellationen der Mod-Teile. Wer übrigens wirklich alles freischalten möchte, muss Missionen mehrfach absolvieren, um genügend Geld zu verdienen. Mich hat das wenig gestört, da viele Einsätze ohnehin hohen Wiederspielwert besitzen.
Neu dabei in Ace Combat 8 ist ein Staffel-System. Die drei Begleiter, die nach den Ereignissen der Eröffnungsmission an die Seite des Protagonisten treten, sind nicht nur im Rahmen der Story als Begleiter aktiv. Während der Missionen lassen sich einfache Befehle erteilen, um die eigene Staffel gezielt einzusetzen. Dadurch entsteht zusätzlich eine strategische Komponente. Vor Beginn eines Einsatzes können zudem die Flugzeuge der KI-Piloten bedacht ausgewählt werden. Wer sich mit dieser Wahl nicht selbst beschäftigen möchte, greift einfach auf die automatische Zuweisung zurück. Zwar fühlte ich mich gelegentlich etwas überfordert, gleichzeitig Luftkämpfe auszutragen und auf die plötzlichen Funksprüche mit Kommandos zu reagieren. In den Momenten, in denen ich die Befehle jedoch gezielt einsetze, um mir beispielsweise für ein waghalsiges Manöver Schutz geben zu lassen, zeigt sich aber, dass das System eine hilfreiche Erweiterung darstellt.
Großer Umfang mit optionalem Online-Modus
Mit insgesamt 30 Missionen bietet die Kampagne einen beeindruckenden Umfang. Mit der Kampagne samt Storysequenzen sollten Spielende mindestens 20 Stunden beschäftigt sein. Darüber hinaus stehen ein Modus zur freien Wahl von Missionen sowie ein Freiflug-Modus zur Verfügung. Während ersterer dazu einlädt, bereits bekannte Einsätze für bessere Wertungen erneut zu absolvieren, dient der Freiflug vor allem dazu, die Umgebungen in Ruhe zu genießen und ohne Feindkontakt durch die Lüfte zu gleiten. Nach einem anstrengenden Tag empfand ich es gelegentlich als Wohltat, ohne Feinde, Missionsziele und Storyenthüllungen die virtuellen Aussichten zu genießen und meine Runden in unterschiedlichen Ecken von Strangereal zu drehen.
Auch Multiplayer-Fans kommen auf ihre Kosten. Auf einem großen Flugdeck können andere Spieler angetroffen und gar Arcade-Games erlebt werden. Kooperative Missionen ermöglichen gemeinsame Einsätze mit anderen Online-Spielern. Wer den hitzigen Wettstreit mit menschlichen Gegnern bevorzugt, kann sich in Deathmatch- oder Team-Deathmatch-Modi messen. Da der Multiplayer über ein eigenes Fortschrittssystem verfügt und komplett von der Kampagne getrennt ist, ergibt sich hier eine noch größere Spielzeit für Fans des gepflegten Luftkampfs. Ein Season Pass mit Herausforderungen motiviert zwar einerseits zur regelmäßigen Rückkehr in den Online-Modus, wirkt andererseits auch sehr grindlastig.
Da ich mich in den kompetitiven Varianten sehr schlecht schlug, zog es mich persönlich eher in die gemeinschaftliche Koop-Action, die mit brachial inszenierter Action eine weitere tolle Möglichkeit darstellt, das Spiel zu erleben. Zusätzlich erhalten Vorbesteller noch ein vollständiges Remake von Ace Combat Zero. Doch auch ohne diesen Bonus hat Ace Combat 8: Wings of Theve so viel Inhalt auf Lager, dass Fans der Reihe voll auf ihre Kosten kommen.
Hollywood-Inszenierung aus dem Cockpit
Audiovisuell macht Ace Combat 8 einen hervorragenden Eindruck. Die Flugzeuge sehen bereits in der Außenansicht fantastisch aus. Für mich persönlich waren die Cockpits jedoch das eigentliche Highlight. Die verschiedenen Instrumente, Anzeigen und Displays sind äußerst detailreich gestaltet. Beeindruckt haben mich auch die dynamischen Effekte auf der Cockpitscheibe. Abhängig von Lichteinfall werden Kratzer im Plexiglas sichtbar, während sich Regen und Kondenswasser glaubhaft auf der Oberfläche sammeln und beim Neigen sowie Gieren realistisch der Schwerkraft unterliegen.
Auch die Umgebungen präsentieren sich abwechslungsreich. Die Weitsicht fällt gelungen aus und hält hübsche Ausblicke am Horizont bereit. Unterschiedliche Wetterbedingungen und Tageszeiten sorgen zusätzlich für visuelle Abwechslung. Nach Abschluss einer Mission dürfen die an den Tag gelegten Manöver zudem aus spektakulären Kameraperspektiven noch einmal in hochwertig inszenierten Wiederholungen betrachtet werden. Gemeinsam mit den Zwischensequenzen in Hollywood-Flair und dem toll gewählten Soundtrack entsteht regelmäßig das Gefühl, hier nicht nur ein simples Videospiel zu erleben, sondern die Hauptrolle in einem teuer produzierten Kriegsblockbuster einzunehmen.
























