Releasedatum: 16.04.2026
Medientyp: Download (Physisch ab Juli 26)
Genre: First-Person-Shooter, Film noir
Entwickler: Fumi Games
Herausgeber: PlaySide
Auf der Gamescom 2024 durfte ich beim Entwickler Fumi Games bereits erste Szenen aus MOUSE: P.I. For Hire sehen und war umgehend entzückt von der visuellen Darstellung. Von den BioShock-Einflüssen bis zur Hommage an den Rubberhose-Stil gefiel mir alles, was ich sah und im Gespräch über den Titel erfuhr. Doch selbst Hand anlegen konnte ich damals noch nicht. Ich hatte im Vorfeld insbesondere meine Zweifel, ob das Spielgeschehen auf einem ähnlich guten Niveau präsentiert wird wie Grafik und Soundtrack. Nun hatte ich zum Release des Shooters die Möglichkeit, viele Stunden mit MOUSE zu verbringen und verrate euch, ob meine Zweifel berechtigt waren oder nicht.
Ermittlungen im Schattenreich
In MOUSE: P.I. For Hire schlüpfen wir in die Rolle von Jack Pepper, einer abgebrühten Maus. Der ehemalige WW1-Veteran verdient sich nun als Privatdetektiv in der amerikanischen Stadt Mouseburg seine Käsetaler. Das Setting der 1930er-Jahre ist bewusst düster gehalten: Korruption, zwielichtige Gestalten und eine überzeugende Atmosphäre ganz im Stile des “Film noir”-Genres machen die Handlung aus. Was als unscheinbarer Auftrag beginnt, entwickelt sich rasch zu Jacks größtem Fall, in dem er nicht nur an die Grenzen seiner Fähigkeiten gebracht wird, sondern auch von seiner Vergangenheit eingeholt wird.
Die Geschichte nutzt ihr Genre geschickt aus. Sie ist trostlos und liefert mit Parallelen zu echten Ereignissen der thematisierten Zeit durchaus harten Tobak. Dabei ist die Handlung aber nicht frei von Humor. Immer wieder lockern gut platzierte Witze, charmante Dialoge und Scherze rund um die angetroffene Tierwelt inklusive dutzenden Käse-Anspielungen die düstere Atmosphäre auf.
Rubberhose-Charme trifft 3D-Welten
Optisch ist MOUSE: P.I. For Hire ein echter Hingucker. Die Figuren sind in schwarz-weißem Rubberhose-Stil gehalten, während die Umgebungen dreidimensional gestaltet wurden und mit cleveren Effekten an den Cartoon-Look angepasst sind. Dieser Stil ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch hervorragend umgesetzt. Schon vor dem Spielen dachte ich mir: Selbst wenn das Gameplay nicht zündet, möchte ich MOUSE allein wegen der Präsentation spielen. Glücklicherweise ist das Spiel mehr als nur ein visuelles Experiment.
Zugegeben, der monochrome Grafikstil kann nach vielen Stunden etwas eintönig wirken. Auch die Gegnervielfalt könnte größer sein, so hat man nach ca. der Hälfte des Spiels quasi alle Feindesvariationen gesehen. Doch die detailverliebten Animationen und die Qualität der Charakterdarstellung gleichen das gut aus. Technisch läuft der Titel auf dem PC sauber und eignet sich gut für PC-Handhelds wie dem Steam Deck OLED oder dem MSI Claw 8 AI+.
Detektiv im Autopilot
Trotz des verheißungsvollen Titels “Privatdetektiv zum Anheuern” ist der Ermittlungsaspekt überraschend oberflächlich im Spielgeschehen. Auf der Karte von Mouseburg reist Jack mit einem Miniaturauto zu verschiedenen Schauplätzen, sammelt Hinweise und pinnt sie anschließend an die Ermittlungswand in seinem Büro. Doch echter Grips bleibt aus: Das Spiel übernimmt das Kombinieren der Hinweise selbst. Die Ermittlungen dienen daher eher als narrative Struktur, um den nächsten Einsatz einzuleiten. Das ist im Sinne der Story einleuchtend, spielerisch aber etwas enttäuschend.
Rasante Feuergefechte mit kreativen Waffen
Bei den Aspekten, auf die MOUSE: P.I. For Hire seine Prioritäten setzt, überzeugt es jedoch voll: im rasanten First-Person-Shooter-Gameplay und brachialen Nahkampf. Jack kämpft sich durch Korridore, springt über Plattformen, nutzt einen mächtigen Dash oder Doppelsprung, ballert sich mit einem stetig wachsenden Arsenal durch Gegnerhorden und haut jeder Ratte auf die Schnauze, die ihn blöd anguckt. Zahlreiche explosive Fässer, die in den Leveln platziert sind, sorgen weiterhin dafür, dass der Actiongehalt stets hoch ist.
Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass sich die abgefeuerten Waffen nicht so wuchtig anfühlen, wie ich mir das gewünscht hätte. Das liegt wohl aber an der Darstellung von 2D-Figuren in der 3D-Umgebung. Nach rund 30 Minuten habe ich mich an das eher schwammig präsentierte Waffenfeedback gewöhnt und mich nicht weiter daran gestört. Anfangs ist man noch mit einer schäbigen Pistole unterwegs, doch schon bald erweitern Upgrades und neue Waffen, darunter auch fantasievolle Kreationen wie ein säurespeiendes Gewehr, die Möglichkeiten deutlich. Über ein Waffenrad lässt sich die ausgerüstete Wumme tauschen, was das Spiel auch erfordert. Munition ist keineswegs selten, aber breit verteilt über das gesamte Arsenal, sodass wir nicht bei der immer gleichen Waffe bleiben können.
Die Arenen gehen immer mehr in die Vertikale, die Gegner werden vielfältiger und die Fortbewegungsmechaniken gewinnen an Dynamik. So wird das Plattforming beispielsweise durch eine Gleitmechanik erweitert, die es möglich macht, über Windböen in die Lüfte gehoben zu werden und dadurch geschwind von A nach B zu kommen. Auch ein praktischer Greifhaken bietet neue Möglichkeiten in der Fortbewegung. Zwar wiederholen sich die grundlegenden Aktivitäten in den Missionen dauernd, aber die stetige Erweiterung der Waffen und Gadgets sorgt für ausreichend Abwechslung. Komplett frei von Repetition ist das Spiel nicht, aber durch ein gutes Leveldesign und die neu eingeführten Werkzeuge werden zumindest regelmäßig neue Impulse eingebracht.
Bei den Bosskämpfen zeigt MOUSE seine Zähne
Während normale Gegner oft nur Kanonenfutter sind, ziehen die Bosskämpfe das Tempo spürbar an. Diese abwechslungsreichen Begegnungen verlangen den vollen Einsatz aller Fähigkeiten in der Fortbewegung sowie Präzision im Umgang mit den Waffen. Die Kämpfe sind fordernd, aber äußerst unterhaltsam. Wer möchte, kann den Schwierigkeitsgrad anpassen. Doch da hier die einzige wirkliche Herausforderung geboten wird, empfehle ich, sich an den Bosskämpfen die Zähne zunächst auszubeißen und die Angriffsmuster zu lernen. Wenn man dann im dritten oder vierten Anlauf endlich den Boss erledigt, fühlt sich der Sieg umso befriedigender an. Unfair gestaltet wirkte für mich keiner der Bosse. Durch üppige Lebensleisten können die Kämpfe aber durchaus zäh ausfallen.
Sammelobjekte laden zur Erkundung ein
Abseits der Kämpfe lädt das Spiel zum Erkunden ein. In den schlauchartigen Levels verstecken sich Geld, Sammelkarten, Figuren oder auch Comicschnipsel, die als nette Sammelobjekte dienen. Auch Safes, die mit einem kleinen Hacking-Minispiel geknackt werden müssen, sorgen für Abwechslung und belohnen mit Geld oder Waffen-Upgrade-Plänen.
Einen Wermutstropfen gibt es bei der Erkundung allerdings. Levels können nicht erneut gespielt werden. Wer also ein einziges Sammelobjekt verpasst, kann es im aktuellen Durchlauf nicht mehr finden. Für Spielende, die sämtliche Objekte sammeln wollen, ist diese Umsetzung ein echter Albtraum. Zwar können einige Sammelobjekte im Nachhinein gegen virtuelle Währung gekauft werden, das trifft aber nicht auf alle Objekte zu. Ich hoffe daher, dass nachträglich per Patch das erneute Spielen der einzelnen Kapitel möglich gemacht wird.
Ausflug ins zentrale Hub zwischen den Missionen
Das Stadtzentrum von Mouseburg dient als Hub, in das wir nach jeder Mission zurückkehren. Hier befindet sich Jacks Büro, ein Shop zum Kaufen von Munition und die Bar „Little & Big“, in der man ein Baseball-Trading-Card-Minispiel spielen kann. Dies stellt eine nette Ablenkung dar, auch wenn ich das Minispiel letztlich nur einige Male ausprobiert habe. Weiterhin wird Jack hier im Hub von der Tüftlerin Tammy Tumbler unterstützt. Sie ist zwar nicht spielbar, nimmt aber mit ihren Waffenupgrades eine zentrale Rolle im Fortschritt durch die Freischaltung alternativer Feuermodi und Statverbesserungen ein.
Überrascht hat mich der Umfang: 24 Hauptmissionen sind enthalten, die in meinem Fall in einer Spielzeit von rund 16 Stunden resultiert haben. Nebenquests gibt es zwar, aber sie sind eher oberflächlich und beiläufig zu bewältigen (“wenn du in Gebiet X gehst, halte doch bitte Ausschau nach Objekt Y”). Im letzten Drittel der Kampagne macht sich die Repetition im Spielgeschehen deutlich bemerkbar. Die gebotenen Spielmechaniken sind einfach nicht tiefgreifend genug, um über die gesamte Länge ein frisches Erlebnis zu bieten. Mit gelegentlichen Pausen lässt sich diese mangelnde Abwechslung jedoch gut abfedern.
Ein audiovisuell stilvolles Abenteuer
Der visuell besondere Stil wird von einem ebenso starken Jazz-Soundtrack begleitet. Jede Mission hat einen treibenden Soundtrack, der klingt, als hätte die spielende Blechkapelle zu viel Kaffee intus. Selbst die kreativen Soundeffekte, beispielsweise das Ertönen einer Sprungfeder beim Doppelsprung, und Todesschreie haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Die englischen Sprecherleistungen sind solide, mit Troy Baker als klarer Höhepunkt. Sein zynischer Jack Pepper passt perfekt in das grimmige Setting.
Besonders gelungen sind die optionalen visuellen und akustischen Filter: Filmkörnung und Diffusion verändern das Erscheinungsbild, das klassische Vinyl-Knistern in unterschiedlicher Intensität trägt zum Old-School-Flair bei.




























