Sea of Remnants ist ein Free‑to‑Play‑RPG von Entwickler Joker Studio und Publisher NetEase, das zwei unterschiedliche Elemente miteinander verbindet: rundenbasierte Kämpfe auf Inseln und Echtzeit‑Schiffgefechte auf hoher See. In meiner Gamescom‑Session bekam ich ausschließlich den Insel‑Teil zu sehen. Die Demo begann an einem hellen Strandabschnitt, der sich mir relativ offen präsentierte. Da ich keine Einführung bzw. kein Tutorial für meine halbstündige Spielmöglichkeit erhalten habe, lief ich zunächst ziellos auf dem Strandabschnitt umher, bis ich bemerkte, dass ein Questmarker mich zu einem Boss namens „Mermaid“ führte.
Der Bosskampf gegen die Meerjungfrau stellte den Kern der Demo dar und erwies sich als ein guter Einstiegspunkt, um die rundenbasierten Mechaniken zu verstehen. Auch ohne weitere Hilfe zeigten sich die Kampfmechaniken so zugänglich, dass ich nach wenigen Minuten verstand, wie das Spiel funktioniert. Die Boss-Gegnerin war stilistisch ansehnlich animiert und wurde von zwei Statuen geschützt, die sie unverwundbar machten. Erst wenn beide zerstört waren, öffnete sich ein kurzes Zeitfenster, in dem man massiven Schaden bei der Mehrjungfrau verursachen konnte. Eine Anzeige zur Darstellung der Zugreihenfolge half dabei, Aktionen zu planen und im Blick zu behalten, wann der nächste gefährliche Angriff durch den Gegner erfolgt.
Auf den ersten Blick bietet Sea of Remnants typische RPG‑Elemente. Vier Charaktere formen eine Party, es gibt Manöver wie Buffs, Debuffs, Heilfähigkeiten und Spezialangriffe, die sich über eine Leiste aufladen. Die Animationen der Spezialmanöver haben mir besonders gut gefallen, da diese auffällig choreografiert sind. Doch das eigentliche Alleinstellungsmerkmal in den rundenbasierten Kämpfen ist das Würfel‑ und Verstärkungssystem, das Folgeangriffe ermöglicht. Jede Aktion kann durch Boost Points verstärkt werden. Gibt man einen Punkt aus, würfelt man bis zu drei Würfel. Die Summe der Würfelaugen bestimmt die zusätzliche Stärke des Angriffs.
Manche Gegner zeigen eine Zielzahl über ihrer Lebensleiste. Übertrifft der Würfelwurf diese Zahl und trifft man eine Schwäche, löst man den Folgeeffekt aus. Es kommt sofort zu einem weiteren Angriff. Dieses System zum Ausnutzen von Schwächen ist in der Theorie recht simpel, scheint aber eine angenehme taktische Tiefe im Vorgehen zu ermöglichen. In meiner Session führte das zu Angriffsketten, die sich über mehrere Treffer hinweg fortsetzten. Mein Rekord lag bei fünf Folgemanövern, die durch einen einzigen Befehl ausgelöst wurden. Sobald ich das Prinzip verstanden hatte, wurde der Bosskampf weniger zu einer Frage der Schwierigkeit und mehr zu einer Frage der Geduld. Mit einer zweiten Phase zog sich der Kampf ein wenig in die Länge, bot insgesamt aber keine große Herausforderung.
Nach dem Sieg über die Meerjungfrau erhielt ich eine Auswahl aus drei neuen Fähigkeiten, mit der ich eine meiner Spielfiguren ausrüsten durfte. Dafür musste ich allerdings eine bestehende Fähigkeit opferte. Die Manöver zeichneten sich durch unterschiedliche Schadenswerte aus, verfügten aber auch über Aktivierungskriterien für Zusatzeffekte. Das deutet auf ein System hin, das dazu führen könnte, das sich Spielende mit dem Erhalt neuer Fähigkeiten ständig neu entscheiden müssen, welche Synergien im Team wichtig sind, welche Statuseffekte möglichst viele Schwächen für die Auslösung von Folgeangriffen betreffen und welche Rollen die Charaktere im Team einnehmen.
Nach dem Boss blieb in meiner Demo noch etwas Zeit für Erkundung und kleinere Kämpfe. Die rundenbasierten Gefechte gegen reguläre Feinde haben auch Spaß gemacht, waren aber nicht so befriedigend wie der Bosskampf. Die Gegner starben zu schnell, um Folgeangriffe und Zusatzeffekte sinnvoll aufzubauen, wodurch die Kämpfe ihre besondere Note verloren haben. Ohne Einweisung in die Geschichte hinter Sea of Remnants oder Informationen über die Missionsstruktur, die wir im finalen Spiel erwarten dürfen, blieb für mich der Gesamteindruck des Spielablaufs noch vage.
Was ich aber durchaus bewerten kann, ist die Grafik, die sich mir in der Demo bot. Die erkundete Strandumgebung war hübsch gestaltet. Das visuelle Highlight stellten aber die Charaktermodelle dar. Mit einem fast schon puppenhaften Stil mit klaren Kanten im Gesicht und kräftigen Farben zeigte sich Sea of Remnants visuell markant mit einem klaren Wiedererkennungswert. Allerdings fiel mir beim freien Bewegen der Kamera bei der Erkundung starkes Screen Tearing auf. Leider konnte ich nicht feststellen, ob das Spiel unter Performanceproblemen litt oder ob der Monitor falsch eingestellt war. Wie gut sich die technische Umsetzung letztlich gestalten wird, muss sich zeigen. Akustisch machte das Spiel einen guten Eindruck. Die Musik wechselte im Kampf gegen die Mehrjungfrau dynamisch zwischen Phasen. Auf einen ruhigen Einstieg mit Ariengesang folgte eine rockige Sequenz im zweiten Bossabschnitt.
Vorläufiger Eindruck
Der Einstieg in die Demo von Sea of Remnants ist mir mangels eines Tutorials schwer gefallen. Nachdem ich das Kampfsystem rund um die Würfelmechanik, dem Ausnutzen von Schwächen und der Kettenreaktion von Angriffen verstand, machten mir die rundenbasierten Kämpfe durchaus Spaß. Der erlebte Bosskampf gegen die Mehrjungfrau zeigte mir, wie viel Potenzial in Synergien und der Teamzusammenstellung steckt. Reguläre Kämpfe spiegelten die tiefgehenden Mechaniken hingegen nicht wider, da die Kämpfe schlicht zu schnell vorbei waren. Offen bleibt für mich, was Sea of Remnants außerhalb des Kampfsystems bieten wird, da ich weder einen Einblick in die Story erhalten habe, noch die Erkundung und Schlachten zu See erleben durfte und mir auch noch das Verständnis über die Missionsstruktur und die Implementierung der angekündigten Roguelike-Elemente fehlt. Ebenso bin ich auf das Monetarisierungsprinzip gespannt, da der Titel als Free To Play angeboten wird.
Nicht zuletzt durch die tolle audiovisuelle Präsentation würde ich Sea of Remnants zu Release aber gerne eine Chance geben. Mit einer geschlossenen Beta werden im Dezember 2026 erste Spielende die Möglichkeit haben, das Spiel ausführlicher zu testen.














